Inside Corporate Banking

Abonnements

Startseite Finanzierungen Kapitalmarkt Autozulieferer Novem plant den Börsengang

Autozulieferer Novem plant den Börsengang

Novem-CEO Günter Brenner will den Autozulieferer noch im Juli an die Börse bringen.
Novem

Ob Audi, Mercedes oder BMW, Novem hat sie alle: Zum Kundenkreis des Automobilzulieferers aus Vorbach in der Nähe von Bayreuth zählt das Who is who der deutschen Autohersteller. Nun strebt das auf Fahrzeuginterieur spezialisierte Unternehmen an die Frankfurter Börse – und das noch vor der Sommerpause, wie Novem am heutigen Dienstag mitteilte. Mit dem IPO hofft Novem auf Einnahmen in Höhe von 50 Millionen Euro.

Damit ist klar: Der deutlich größere Teil des absehbaren IPO-Erlöses würde im Erfolgsfall an den Mehrheitseigentümer Bregal fließen, ein Private-Equity-Haus aus dem Umfeld der Unternehmerfamilie Brenninkmeijer.

Novem will nach Börsengang weiter wachsen

Nach Einschätzung aus Finanzkreisen könnte Novem auf dem Frankfurter Parkett eine Bewertung von 1,5 Milliarden Euro erzielen. Der Zugang zum Kapitalmarkt ist laut CFO Johannes Burtscher ein zentrales Ziel des Börsengangs. Mit den Einnahmen will Novem aber auch das weitere Wachstum vorantreiben, dazu zählen auch Zukäufe. Nach eigenen Angaben belief sich Novems Weltmarkt-Anteil im Geschäft mit Interieur-Teilen für die Oberklasse im vergangenen Geschäftsjahr 2020/21 (Ende März) allerdings schon auf 46 Prozent.

Sind die Preisvorstellungen angemessen, dürften die Chancen für einen erfolgreichen IPO für Novem nicht schlecht stehen. Zwar ist die Corona-Krise auch an Novum nicht spurlos vorübergegangen: Bei einem Umsatz von 603 Millionen Euro brach das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen im Geschäftsjahr 2020/21 (Ende März) von 125,9 auf 86,4 Millionen Euro ein. Das Unternehmen rechnet jedoch mit einer schnellen Erholung. Und die Ertragslage ist stabil, die bereinigte Ebit-Marge lag wie im Jahr zuvor bei 14,3 Prozent. Die Auftragsbücher sind Unternehmensangaben zufolge mit 4,5 Milliarden Euro prall gefüllt. Dies entspricht dem 7,5-fachen des Umsatzes aus dem vergangenen Jahr. 

Novem war einmal in schwerer Schieflage

Wachstumschancen sieht das Unternehmen für seine Interieur-Teile im Premiumsegment unter anderem auf dem asiatischen Markt. Hinzu kommt, dass das Geschäft mit Armaturenbrettern, Mittelkonsolen und Türverkleidungen, in dem Novem unterwegs ist, von der Transformation in der Automobilindustrie kaum betroffen ist, anders als beispielsweise die Produktion von Bauteilen für Verbrennungsmotoren.

Ganz im Gegenteil dürfte die Entwicklung vom Verbrennungs- hin zum Elektromotor dem Interieur-Spezialisten in der Zukunft sogar gelegen kommen, behauptete Novem-Chef Günter Brenner kürzlich im „Handelsblatt“: Statt Pferdestärken und einem dicken Auspuff würden sich Autos künftig eher durch andere Faktoren wie etwa ein hochwertiges Innendesign voneinander unterscheiden.

Doch auch Novem hat schon schwere Zeiten durchgemacht: Während der Finanzkrise 2009 geriet der Zulieferer in eine schwere Schieflage und musste damals von einem Treuhänder saniert werden. Inzwischen haben sich die Oberpfälzer jedoch wieder berappelt. Seit Brenners Einstieg im Jahr 2013 hat Novem seinen Umsatz etwa verdoppeln können.

Begleitet wird der IPO von Novem von JP Morgen, Berenberg und der Commerzbank.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

+ posts

Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

Newsletter

FINANCE Daily

Mit dem FINANCE Daily erhalten Sie täglich eine redaktionelle Zusammenfassung der wichtigsten Geschehnisse in der Finanzwelt direkt in Ihr Postfach.

Jetzt anmelden