Immobilie der Corestate-Marke "Linked Living": Die Aktie des Immobilieninvestors steht im SDax unter Beschuss.

Linked Living / Corestate Capital

18.10.19
Finanzierungen

Corestate Capital stellt sich gegen US-Leerverkäufer

Nach massiven Kursverlusten stellt sich Corestate-CEO Lars Schnidrig gegen den Angriff des US-Hedgefonds Muddy Waters. Das ist jedoch nicht der einzige Leerverkäufer, der das Unternehmen im Visier hat.

Der Immobilieninvestor Corestate leidet unter Attacken aus dem Leerverkäufer-Lager: Nach dem Einstieg von Muddy Waters und einem fast 20-prozentigen Kursverfall am Mittwoch versucht Corestate Capital-CEO Lars Schnidrig, dem US-Leerverkäufer Muddy Waters den Wind aus den Segeln zu nehmen und den Aktienkurs wieder zu stabilisieren. So bestätigte der Chef des Luxemburger Immobilienverwalters explizit den Ausblick für das Gesamtjahr 2019.

Corestate gehe weiterhin von einem Umsatz zwischen 285 und 295 Millionen Euro aus. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) solle zwischen 165 und 175 Millionen Euro liegen, während der bereinigte Gewinn auf 130 bis 140 Millionen Euro taxiert wird. Rund die Hälfte des Gewinns je Aktie will das Unternehmen an seine Aktionäre ausschütten, kündigten die Luxemburger an.

Corestate will Markt beschwichtigen

„Unser Bestands- und Neugeschäft läuft auf vollen Touren. Wir haben in den vergangenen Wochen zahlreiche neue institutionelle Kunden gewonnen“, wirbt Schnidrig für sein Unternehmen. Er rechnet  für die gesamte Gruppe mit einem organischem Wachstum zwischen 5 und 10 Prozent.

Am Markt sorgten die Aussagen allerdings nur für eine leichte Erholung, am Freitagmorgen notierte die im SDax gelistete Aktie nur leicht über der 30-Euro-Marke. Allerdings ist der Kurs damit noch weit von seinem Stand vor Bekanntwerden des Muddy-Waters-Einstiegs entfernt. In der ersten Wochenhälfte hatte der Aktienkurs Werte von bis zu 36,75 Euro erzielt, bevor er am Mittwoch unter die 30-Euro-Marke fiel.

Ohnehin ist der Aktienkurs von Corestate stark in Bewegung: Der Chart für die zurückliegenden zwölf Monate zeigt eine ständige Berg- und Talfahrt. Die Ausschläge liegen zwischen 40 Euro im November 2018 und weniger als 28 Euro im Juni 2019.

Berg- und Talfahrt der Corestate-Aktie auf Jahressicht

Muddy Waters nicht der einzige Leerverkäufer

Die schwankende Aktie ist offenbar bei mehreren Hedgefonds auf dem Radar: Der kalifornische Hedgefonds Muddy Waters, dessen Netto-Leeverkaufsposition über 0,5 Prozent des Aktienkapitals von Corestate Capital ausmacht, ist nicht der einzige Leerverkäufer in dem Wert, wie am Mittwoch bekannt wurde.

Laut Meldungen im Bundesanzeiger halten aktuell neben Muddy Waters mit PSquared Asset Management, Portsea Asset Management, Valiant Capital Management, Think Investments und GLG Partners fünf weitere Hedgefonds Netto-Leeverkaufspositionen. Allein die meldepflichtigen Positionen der Leerverkäufer summieren sich auf den stolzen Wert von rund 11 Prozent. Die tatsächlichen Leerverkaufspositionen könnten sogar noch darüber liegen – erst ab 0,5 Prozent des Aktienkapitals sind diese meldepflichtig und werden erfasst.

Die Leerverkäufer leihen sich Aktien, um sie weiterzuverkaufen und nach einem Kurssturz günstiger zurückzuerwerben. Die Differenz aus Verkauf und Kauf ist ihr Profit.

Muddy Waters ist in Deutschland bereits 2016 in Erscheinung getreten, damals attackierten die US-Amerikaner den Kölner Werbevermarkter Ströer, woraufhin der Aktienkurs um 30 Prozent einbrach.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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