Die Ergebnisse des Webinars mit der HypoVereinsbank zeigen: Es gibt noch Geld am Kapitalmarkt, bei den Investoren sowie Banken.

HypoVereinsbank

09.04.20
Finanzierungen

Corona: Wo CFOs jetzt noch Geld herbekommen

Viele Geldtöpfe sind fast leer, der Kapitalmarkt gestört, doch CFOs brauchen gerade viel Geld. Wo finden sie es derzeit noch?

Auf der Suche nach Geld während der Coronakrise stellen sich CFOs und Treasurer die Frage, welche Finanzierungsmärkte überhaupt noch offen sind. Und wie sie sich aufstellen müssen, um ihre Finanzierungsbasis kurz- bis langfristig zu sichern. Gemeinsam mit Gerhard Biasi, dem Leiter Investmentbanking Corporate Commercial Clients bei der HypoVereinsbank und Stefan Koller, Leiter Corporate Structured Finance Germany bei der Unicredit, hat sich FINANCE in einem Webinar (das Sie sich hier anschauen können) auf Spurensuche begeben.

Erstes Ergebnis: Die Volatilität am Kapitalmarkt ist extrem. Biasi spricht von „Levels, die nicht einmal in der Finanzkrise erreicht wurden“. Außerdem haben am Anleihemarkt sämtliche Sektoren eine erhebliche Auswirkung der Credit Spreads erlebt, besonders Unternehmen aus den Bereichen Travel und Leisure sowie Zulieferer. Geringer seien die Auswirkungen bei Retail, Technologie und Chemie.

„Interessant ist, dass wir gleichzeitig signifikante Verwerfungen auf der Laufzeitkurve sehen. Kürzere Laufzeiten sind stärker betroffen. Ein Grund dafür sind die nicht unerheblichen Abflüsse in den Geldmarktfonds, die traditionell häufiger bei kürzeren Laufzeiten die Käufer sind“, erklärt Biasi, der zu einem prägnanten Schluss kommt: „Die Investment-Grade-Aufschläge sind nun da, wo vor dem Coronavirus in etwa High-Yield-Aufschläge waren.“ Das Preisniveau habe sich „massiv verändert“.

Das geht bei Anleihen und Schuldscheinen

Doch so schwierig die Situation an den Anleihemärkten auch sein mag, Biasi sieht die Lage nicht nur negativ – im Gegenteil: „Für große und starke Emittenten sind die Anleihemärkte nach wie vor aufnahmefähig, die EZB-Ankaufprogramme haben gezogen. Wir erwarten in den nächsten Monaten viel Aktivität.“ Bei den Eisbrecher-Deals von Emittenten wie Eon, Vonovia und Bertelsmann seien die Orderbücher drei- bis zehnfach überzeichnet gewesen.

Ähnliches beobachtet der Banker am Schuldscheinmarkt: Aktivität ja, aber zu höheren Preisen. Und auch im Schuldschein sind erste Großunternehmen präsent, die derzeit kleinere Emittenten etwas an den Rand drängen. Gar keine Aktivität gibt es dagegen seit Anfang März im High-Yield-Markt. „Das wird sich bis Mai nicht ändern, und auch erst dann, wenn sich der Aktienmarkt wieder erholt“, schätzt Biasi. Eine umfassende Erholung an den Kapitalmärkten erwartet er ab dem viertel Quartal dieses Jahres.

Die Lage auf dem Bankenmarkt

Die Lage auf dem Bankenmarkt dagegen sieht weitaus besser aus, glaubt der Structured-Finance-Chef der Unicredit in Deutschland, Stefan Koller: „Bankkredite sind stark nachgefragt, die Banken absolut intakt und liquide.“ Derzeit seien die Banken sehr rege dabei, ihren Firmenkunden Liquidität und Backup-Linien bereitzustellen.

„In der nächsten Zeit werden auch mehr Brückenfinanzierungen zu sehen sein, bei denen Banken ihren Kunden bei der Refinanzierung auslaufender Kapitalmarktverbindlichkeiten unter die Arme greifen – in Form eines Konsortialkredits oder bilateraler Finanzierungen.“ In gewisser Weise ist das im Firmenkundengeschäft ein zumindest temporärer „Roll-Back“ des langjährigen Trends vom Kredit- hin zum Kapitalmarkt. „Die Finanzierungsstabilität steht ganz oben auf der Agenda – und damit immer öfter auch ein Wechsel von bilateraler zu konsortialer Finanzierung“, schätzt der Banker.

Für CFOs ist Timing und Transparenz wichtig

Insgesamt betonen Biasi und Koller einen zentralen Punkt: Das Thema Timing und eine gute Vorbereitung verschiedener Szenarien zur weiteren geschäftlichen Entwicklung spielen eine zentrale Rolle: „Es gibt immer wieder Fenster, und die müssen CFOs dann auch schnell nutzen“, sagt Biasi. Zum Teil schwankten die Anleihe-Spreads von einem Tag auf den anderen um 50 Basispunkte. Entscheidend sei, modellieren zu können, wie sich verschiedene Corona-Szenarien auf die Liquidität des Unternehmens auswirken.

Zum weiteren Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung zeigen sich beide Spezialisten optimistisch: Biasi glaubt an ein „U mit nur schwach ausgeprägtem Bauch“, Koller tendiert sogar zum „V“.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Den Mitschnitt des kompletten Webinars mit vielen Grafiken und weiteren Aussagen von Gerhard Biasi und Stefan Koller finden Sie hier.