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Cytotools steht sich bei M&A-Deal selbst im Weg

Das Biotech-Unternehmen Cytotools hat eine schlechte Charge seines Zulieferers erhalten. Dadurch ist das Star-Medikament Derma Pro durch die entscheidende klinische Studie gefallen.
shironosov/iStock/Thinkstock/Getty Images

Das Darmstädter Biotech-Unternehmen Cytotools hat den Verkauf seines Star-Medikaments Derma Pro und der zentralen Tochter Dermatools abgebrochen. Das bestätigte CEO Mark-André Freyberg gegenüber der F.A.Z.

Derma Pro soll schwer heilende Wunden wie den „diabetischen Fuß“ kurieren und durchläuft bereits die letzte klinische Studienphase vor der Zulassung. Der Verkauf von Derma Pro sollte Brancheninformationen zufolge einen dreistelligen Millionenbetrag einbringen – ein Riesendeal für die Firma, die als Ganzes derzeit nur einen Börsenwert von knapp 20 Millionen Euro auf die Waage bringt. Cytotools hatte bereits die US-Investmentbank Morgan Stanley mandatiert, um einen Käufer oder Partner für das Produkt finden. Dieser Auftrag ist jetzt vorerst storniert, könnte später aber wieder aufgenommen werden.

Cytotools: Wirkstoffzulieferer verpfuschte Produktion

Der Grund für die abgebrochenen Verkaufsverhandlungen ist bizarr: Bei der abschließenden Studie erwies sich Derma Pro als kaum noch wirksam. Der Grund: Ein nicht näher genannter Wirkstoffzulieferer hatte das Präparat für die Tests an Patienten in viel zu geringer Konzentration geliefert. Zwei Chargen enthielten nur 50 Prozent des Wirkstoffs, eine dritte nicht einmal ein Zehntel. Entsprechend wirkte das Präparat bei den 305 Testpersonen kaum bis gar nicht.

Voraussetzung für den M&A-Prozess ist jedoch eine erfolgreiche Studie in Europa. Jetzt muss Cytotools die Studie erst wiederholen, ehe der Verkaufsprozess wieder aufgenommen werden kann. Anfang 2017 wolle man damit starten, von da an wird es  noch einmal 18 Monate dauern, schätzt CEO Freyberg. Dieses Mal engagiert Cytotools einen anderen Zulieferer – eine ebenfalls nicht näher genannte Gesellschaft aus dem Saarland. Gegen den alten Produzenten haben die Darmstädter Klage eingereicht.

Die neue Studie muss Cytotools aber zunächst aus eigener Tasche finanzieren. Eine Kapitalerhöhung ist dem börsennotierten Unternehmen zufolge keine Option. „Wir versuchen jetzt verschiedene andere Modelle auf den Weg zu bringen: eine Wandelanleihe oder eine Partnerschaft mit einem Pharmaunternehmen“, sagt Unternehmenschef Freyberg.

Cytotools-Vorstand muss seinen Hut nehmen

Der Aktienkurs ist in Folge der schlechten Nachrichten abgestürzt. Vor rund zwei Jahren notierten die Wertpapiere bei beinahe 70 Euro auf einem Allzeithoch. Nach Bekanntgabe der missglückten Studie im November 2015 rauschte die Aktie von über 40 auf 6 Euro in die Tiefe. Derzeit notiert das Papier bei 9,25 Euro.

Einen Vorstand hat die Geschichte um den Derma-Pro-Verkauf den Job gekostet: Der bisher für die klinische Entwicklung und Zulassung zuständige Markus Weissbach scheidet aus dem Unternehmen aus. An seine Stelle tritt Wilfried Hauke, früher Chief Medical Officer bei der französischen Trophos. Cytotools-CEO Freyberg betont jedoch, Weissbach treffe keine Schuld. Nachfolger Hauke habe schlicht mehr Erfahrung mit Wiederholungsstudien.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

jakob.eich@finance-magazin.de | + posts

Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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