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Datenpanne bei Börsensanktionen

Datenpanne beim Hessischen Wirtschaftsministerium: Auf den Onlineseiten der Behörde konnten Nutzer mit bestimmten Browsern vermeintlich anonymisierten Dokumenten die Klarnamen von Unternehmen zuordnen, die in den vergangenen Monaten vom Sanktionsausschuss der Frankfurter Wertpapierbörse mit Ordnungsgeldern belegt worden sind. Eigentlich sollen diese Beschlüsse in vollständig anonymisierter Form veröffentlicht werden. Zwar wurden die Namen der betroffenen Emittenten in den online abrufbaren Dokumenten entfernt, und auch die URL lässt keine Rückschlüsse auf die Betroffenen zu. Doch einige Browser zeigen dem Nutzer die Dateinamen der hochgeladenen Dokumente an – und dort waren in mehreren Fällen die Namen der Unternehmen vermerkt.

Das Ministerium selbst wurde erst durch einen Hinweis der FINANCE-Redaktion auf die Missstände aufmerksam und nahm die Seite daraufhin vorübergehend vom Netz. „Wir haben zunächst den Online-Zugriff auf sämtliche Entscheidungen der Sanktionsausschüsse gesperrt und suchen nach der technischen Ursache dafür, dass – zumindest bei der Verwendung einiger Browser – Informationen über die Ursprungsdateien eingesehen werden konnten“, teilte ein Sprecher mit. 

Mehr als ein Dutzend Fälle seit Ende 2012

Wie lange die Dokumente schon in dieser Form online waren, beantwortete das Ministerium nicht. Es ist aber nicht auszuschließen, dass das Datenleck schon seit längerer Zeit besteht. In einer Stichprobe hat die FINANCE-Redaktion die Dokumente gesichtet, die seit Ende 2012 veröffentlicht wurden. Einige davon waren vollständig anonymisiert, jedoch fanden sich auch mehr als ein Dutzend Fälle, in denen die Beschlüsse über den Dokumentennamen dem sanktionierten Unternehmen zugeordnet werden konnten. Einige dieser Schreiben sind bereits älter als ein Jahr.

Von der Datenpanne betroffen sind Unternehmen verschiedener Branchen und Größenordnungen. Sie wurden mit Strafen von wenigen hundert Euro bis hin zu Ordnungsgeldern im fünfstelligen Euro-Bereich belegt. Die meisten Sanktionen betreffen die verspätete Vorlage von Finanzberichten. FINANCE hat sich dazu entschlossen, die Namen der betroffenen Unternehmen nicht zu veröffentlichen. 

Ministerium lässt Konsequenzen offen

Ob die Emittenten von dem Problem wussten, ist bislang offen. Das Ministerium äußerte sich nicht dazu, wann und wie die betroffenen Unternehmen über die Datenpanne informiert wurden. Die Deutsche Börse als Trägerin der Frankfurter Wertpapierbörse äußerte sich ebenfalls nicht zu dem Vorfall und verwies an die Börsenaufsicht, die Teil des Hessischen Wirtschaftsministeriums ist.

Wie solche Vorfälle künftig verhindert werden sollen, ließ das Ministerium bislang unbeantwortet. Ein Ministeriumssprecher sicherte lediglich zu, man wolle „auch künftig die Entscheidungen der Sanktionsausschüsse der Frankfurter Wertpapierbörse und der Eurex Deutschland veröffentlichen – selbstverständlich in vollständig anonymisierter Form.“

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