Füllt die Kriegskasse: Delivery Hero

Delivery Hero

07.01.21
Finanzierungen

Delivery Hero besorgt sich über eine Milliarde am Kapitalmarkt

Nach schwierigen M&A-Verhandlungen in Korea füllt Delivery Hero wieder seine Kriegskasse: Der Essenslieferdienst hat über eine Kapitalerhöhung rund 1,2 Milliarden Euro eingenommen.

Frisches Geld für Delivery Hero: Der Essensbringdienst hat in der Nacht zum Donnerstag über eine Kapitalerhöhung rund 1,2 Milliarden Euro am Kapitalmarkt eingesammelt. Insgesamt wurden im Rahmen eines beschleunigten Platzierungsverfahrens über 9,4 Millionen neue Aktien zu einem Preis von 132 Euro an institutionelle Anleger verteilt, teilte der Dax-Konzern mit. Damit erhöht die Gesellschaft ihr Grundkapital um rund 5 Prozent auf knapp 209 Millionen Euro.

Die neuen liquiden Mittel wollen CEO Niklas Östberg und CFO Emmanuel Thomassin unter anderem für „sich möglicherweise bietende attraktive Investitionsmöglichkeiten nutzen“. Delivery Hero tütete zuletzt einen Deal nach dem nächsten ein. Erst Ende des Jahres hatten die Berliner von den südkoreanischen Kartellbehörden die Genehmigung für den Kauf des heimischen Lieferdienst-Marktführers Woowa erhalten. Der Übernahme drohte zeitweise das Aus, doch der Dax-Konzern erklärte sich schließlich zu großen Zugeständnissen bereit.

FINANCE-Köpfe

Emmanuel Thomassin, Delivery Hero SE

Emmanuel Thomassin ist nach seinem Studium der Betriebswirtschaft in Frankreich und Deutschland ab 2001 für sechs Jahre Finanzleiter der operativen Beteiligungen der Radioholding Regiocast und Mit-Geschäftsführer der zur Regiocast gehörenden Forschungsgruppe Medien sowie der TOP Radiovermarktung.

2007 wird Thomassin zum CFO von MetaDesign, einer Agentur für Markenberatung, -Management und –Design berufen. Dort ist er für den kaufmännischen Bereich, das operative Geschäft, Kundenbeziehungen und Personalentwicklung verantwortlich. 2013 beruft der Berliner Inkubator Team Europe Thomassin zum CFO. Dort leitet er das sechsköpfige Finance & Legal Department und ist daneben für Investor Relations und Portfolio-Management mitverantwortlich.

Seit 2014 ist Emmanuel Thomassin CFO bei Delivery Hero. Der Essenslieferant ging im Sommer 2017 an die Börse. Der IPO hatte ein Volumen von fast 1 Milliarde Euro.

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Zur Finanzierung des 3,6 Milliarden Euro schweren M&A-Deals hatte das Unternehmen bereits Anfang 2020 rund 2,3 Milliarden Euro über neue Aktien und Wandelanleihen eingesammelt, im Juli folgte die Ausgabe weiterer Wandelanleihen für insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Allerdings wurden die Woowa-Eigner zu einem wesentlichen Teil mit Delivery-Hero-Aktien bezahlt.

Delivery Hero schreibt immer noch rote Zahlen

Neben dem dicken Brocken Woowa vermeldete der Dax-Aufsteiger, der sein Deutschland-Geschäft im Jahr 2018 an Takeaway abtrat, im vergangenen Jahr zwei weitere Übernahmen: Ende August 2020 legte sich Delivery Hero mit Intashop eine Online-Lebensmittelplattform im Nahen Osten und Nordafrika zu und kaufte im September dem spanischen Start-Up-Glovo das lateinamerikanische Geschäft ab.

Auch 2021 dürfte bei Delivery Hero Wachstum vor Profitabilität stehen. Für das neue Jahr geht der Konzern von einer bereinigten Verlustmarge (Ebitda) von 14 bis 18 Prozent aus. Im ersten Halbjahr 2020 lag das operative Minus bei rund 320 Millionen Euro.

Die Anleger glauben weiterhin an eine rosige Zukunft, die durch die Coronavirus-Pandemie aktuell noch weiter befeuert wird, und schickten die Aktie am Mittwoch mit 147,15 Euro auf ein vorläufiges Allzeithoch. Nach Ankündigung der Kapitalerhöhung drehten die Papiere dann allerdings nachbörslich ins Minus. Am Donnerstagmorgen standen die Titel mit 1,1 Prozent im Plus bei 135,75 Euro.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Mehr über den Dax-Aufsteiger erfahren Sie auf unserer Themenseite zu Delivery Hero.

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