Deutsche Börse

19.10.17
Finanzierungen

Deutsche Börse kündigt Dax-Pendant für Scale an

Die Deutsche Börse will ihr neues Segment für kleinere Unternehmen, Scale, ausbauen. Ein 30 Werte großer Auswahlindex soll das Wachstum befeuern.

Die Deutsche Börse will ihr neu geschaffenes Marktsegment für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stärken. So will der Börsenkonzern Anfang 2018 einen Auswahlindex für Scale einführen. Das verkündete Deutsche-Börse-Manager Eric Leupold jetzt vor Journalisten.

Der Index soll voraussichtlich 30 Unternehmen umfassen, so wie der Dax. Mit dem Auswahlindex „werden wir die Unternehmen in den nächsten Monaten noch stärker in den Fokus verschiedener Investorengruppen rücken”, sagte Leupold. Konkretere Angaben zum geplanten Index wollte Leupold nicht machen.

Deutsche Börse sieht Scale auf Kurs

Die Deutsche Börse sieht Scale voll auf Kurs. „Wir sind im Augenblick sehr zufrieden“, sagte Leupold mit Blick auf die Entwicklung des Handelsvolumens. Mit dem Startschuss für Scale im März dieses Jahres hätte sich das Handelsvolumen der in Scale gelisteten Unternehmen von 827 Millionen auf 1,84 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Zudem sei der Scale All Share Index, der alle Unternehmen des Segments abbildet, in der selben Zeitspanne um 28 Prozent gestiegen.

Aktuell sind 48 Unternehmen mit ihren Aktien und 15 mit Anleihen in Scale gelistet. 44 davon sind aus dem im März geschlossenen Entry Standard in das KMU-Segment gewechselt. Damit kann die Deutsche Börse nach eigenen Angaben vier Neuzugänge verzeichnen. Laut Leupold sollen bis Jahresende weitere folgen. „Wir erwarten für dieses Jahr noch ein bis zwei Neue, die in Scale gelistet werden“, sagte der Deutsche-Börse-Manager. Damit liege man laut Leupold genau in dem Bereich, den man zu Jahresbeginn vorausgesagt hätte.

Scale soll Entry Standard vergessen machen

Das KMU-Segment Scale wurde von der Deutschen Börse ins Leben gerufen, um den negativ belasteten Entry Standard zu beerben und gleichzeitig vergessen zu machen. Mehrere Betrugsfälle und daraus resultierende Ausfälle vor allem im Bereich der Mittelstandsanleihen hatten dazu geführt, dass der Ruf des Entry Standards litt und die Anleger das Vertrauen verloren.

In letzter Konsequenz beschloss die Deutsche Börse eine Radikalreform und schloss den Entry Standard im November 2016 komplett, um mit Scale einen Neuanfang zu wagen. Durch striktere Regelungen und Auflagen für Emittenten soll eine Wiederkehr solcher Fälle im neu geschaffenen Segment verhindert werden.

Scale als Alternative zur Bankenfinanzierung

Scale soll eine Alternative zur klassischen Bankenfinanzierung von kleineren Unternehmen darstellen. Das Segment soll es diesen Unternehmen ermöglichen, sich auch am Kapitalmarkt Geld für anstehende Finanzprojekte zu beschaffen. Laut Angaben der Deutschen Börse soll Scale zudem die Sichtbarkeit der Unternehmen steigern, um eine größere Investorenzahl anzuziehen.

Was die Sektoren angeht, ist Scale bunt gemischt. Neben Software-Unternehmen lassen sich Finanzdienstleister oder auch altindustrielle Unternehmen finden. Auch für die Zukunft strebt die Deutsche Börse danach, diese bunte Mischung beizubehalten.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Besuchen Sie auch unsere neue FINANCE-Themenseite zum neuen Börsensegment Scale.

Abzocke, Pleiten, Betrug: Was am Mini-Bond-Markt alles schiefgegangen ist, zeigt unsere FINANCE-Themenseite Mittelstandsanleihen.