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26.10.17
Finanzierungen

Deutscher IPO-Markt bildet Schlusslicht in Europa

Der Boom am europäischen IPO-Markt geht nach wie vor an Deutschland vorbei. Das soll sich 2018 jetzt endlich ändern – dank sehr großer IPOs.

Mit einem Anteil von gerade einmal 5 Prozent an den europäischen IPOs in den vergangenen zehn Monaten bildet Deutschland zusammen mit Polen das Schlusslicht im europäischen Vergleich. Deutlich kleinere Wirtschaftsräume wie Spanien (13 Prozent) oder Italien (11 Prozent) bringen mehr als doppelt so viel Gewicht auf die Waage.

Insgesamt stehen die Chancen gut, dass der Boom am europäischen IPO-Markt weitergeht. „Die Vorzeichen für die Aktienmärkte sind weiterhin positiv“, findet Armin Heuberger, Experte für IPOs und Eigenkapitalbeschaffungen bei der UBS. In Deutschland erwartet Heuberger bis zum Jahresende noch zwei IPOs.

UBS-Experte Heuberger hält 2018 15 IPOs für möglich

Im kommenden Jahr soll sich die Flaute laut der Einschätzung Heubergers dann endlich legen. Der UBS-Mann rechnet mit etwa 15 IPOs über 100 Millionen Euro in Deutschland für das Jahr 2018 und einem extrem hohen Anteil von 33 Prozent an den europäischen IPOs. Seine Prognose stützt er darauf, dass fünf bis zehn der vorausgesagten IPOs ein Volumen von mindestens 500 Millionen Euro haben könnten. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 gab es mit Delivery Hero bisher lediglich einen Börsengang in Deutschland, der diese Marke geknackt hat. Auch der gerade laufende Börsengang des Recycling-Spezialisten Befesa könnte noch in diesen Bereich vordringen. 

Für das erste Halbjahr 2018 steht ein deutsches Schwergewicht bereits in den Startlöchern: Knorr-Bremse bereitet nach der gescheiterten Übernahme des schwedischen Konkurrenten Haldex seinen Börsengang vor und wird laut Einschätzungen der UBS Aktien im Wert von 4 Milliarden Euro an den Markt bringen.

Auch wenn die großen Börsengänge 2017 in der Unterzahl waren, so zeigt sich doch, dass eine große Investorennachfrage im Bereich der kleinen und mittelständischen Unternehmen besteht. Das Laser-Start-up Mynaric konnte beispielsweise den Ausgabepreis bei seinem IPO mit 54 Euro pro Aktie vierfach überzeichnen. Ähnlich sah es beim Börsengängen von Varta aus. Der Batteriehersteller musste aufgrund der hohen Nachfrage seine Vermarktungsphase im Vorfeld des Börsenganges um sechs Tage verkürzen.

Medizintechnik wird Treiber des deutschen IPO-Marktes

Der zweite zu erwartende Trend 2018 neben den großen IPOs: Börsengänge aus dem Gesundheitssektor. Dabei herausstechen wird vermutlich der Börsengang von Siemens Healthineers. Der IPO der Medizinsparte des Dax-Konzerns ist für das 1. Quartal 2018 geplant und soll laut UBS ein Volumen von über 5 Milliarden Euro haben.

Aktuell steht aber noch zur Debatte, ob Healthineers in den USA oder in Deutschland gelistet werden wird. Heuberger ist optimistisch, dass Siemens allein schon aus praktischen Gründen ein Listing in Deutschland anstreben werde. So sei ein Grund, dass das Unternehmen seinen Stammsitz in Deutschland habe und dadurch der Aufwand eines Listings im Ausland zu groß sei.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de