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Die Märkte sind offen

Unternehmen und ihre CFOs sehen sich seit der Finanzkrise einer immer größeren Volatilität und Komplexität gegenüber, so der Tenor des Corporate Finance Summit in Frankfur am Main. Dies zeige sich insbesondere in einer Diversifizierung von Meinungen, die es immer schwerer mache, Entscheidungen zu treffen. „Wie sollen wir darauf reagieren?“, fragt daher Joe Kaeser, Finanzvorstand von Siemens, stellvertretend für seinen Berufsstand. Klare Antworten hat auch er nicht im Gepäck aber Vorschläge: Eine Rückbesinnung auf die Werte der sozialen Marktwirtschaft sei notwendig; zudem sollten sich Konzernvorstände ein Beispiel an den Eigentümern von Familienunternehmen nehmen, die in Generationen, nicht in Quartalen dächten. Dieses Verantwortungsbewusstsein würde helfen den Fortbestand eines Unternehmens auch in schweren Zeiten zu sichern.

Gefüllte Kassen

Unbestritten bleibt jedoch, dass die Krise massiven Einfluss auf die Unternehmensfinanzierung hat. Während der klassische Kredit eher schwächelt, funktionieren Bereiche wie Debt und Equity Markets und M&A relativ gut, so die Meinung der meisten Teilnehmer. Das dürfte in Deutschland vor allem daran liegen, dass hiesige Unternehmen zumeist gut aus der Krise gekommen und mit einer robusten Kapitalstruktur ausgestattet seien.

Infolgedessen sind deutsche Unternehmen besonders bei ausländischen Investoren beliebt. „Cross-Border M&A-Transaktionen nach Deutschland nehmen zu“, sagt Philipp Mohr, Global Head of M&A bei der Commerzbank. Doch auch kleine und mittlere Unternehmen aus Deutschland zeigten sich durch ihre zumeist gut gefüllten Kassen im Übernahmemarkt aktiv. So hat beispielsweise das Bad Vilbeler Pharmaunternehmen Stada seit Jahresbeginn Grünenthal und die Schweizer Spirig Pharma übernommen. „Unsere Transaktionen von 1 bis 3 Milliarden Euro sind immer gut gegangen“, sagt CFO Helmut Kraft. „Größe ist nicht immer alles.“ Gleichzeitig beobachtet Mohr weniger Milliardentransaktionen, da sich Finanzinvestoren und auch Banken auf der Finanzierungsseite seit der Krise deutlich zurückhalten. 

Keine M&A-Cowboys

Gegen den Strom schwimmt momentan der Pharmakonzern Fresenius mit der geplanten Übernahme vom Wettbewerber Rhön Klinikum mit einer Mindestannahmeschwelle von über 90 Prozent. Solche hohen Schwellen gebe es vor dem Hintergrund der wichtiger gewordenen Transaktionsabsicherung kaum mehr. „Wir sind keine M&A-Cowboys“, stellt Fresenius CEO Ulf Schneider klar. „Wir machen Übernahmen nur, wenn wir sie uns operativ leisten können“, sagt er.
Diese Beispiele zeigen, dass trotz aller Unsicherheiten Unternehmen ihre Finanzierungen stemmen können. „Wenn die Story und die Historie stimmen, dann sind die Märkte offen, sagt auch Roland Vogel, CFO von Hannover Rück.

 

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de