Blue Elephant soll der nächste IPO-Kandidat sein. Schafft das Unternehmen für Solarparks eine ähnliche Erfolgsstory wie Konkurrent Encavis?

Björn Wylezich - stock.adobe.com

18.06.21
Finanzierungen

Noch ein IPO vor der Sommerpause

Noch ein Unternehmen will vor der Sommerpause an die Börse: Blue Elephant wirkt wie eine Kopie von Encavis – und deren Aktie wurde zur Kursrakete.

Blue Elephant Energy will noch vor der Sommerpause den Gang aufs Parkett wagen. Der vermutliche Termin wird in der ersten Julihälfte liegen. Der Betreiber von Wind- und Solarparks will im Wege einer Kapitalerhöhung neue Aktien im Wert von 150 Millionen Euro platzieren. Die bestehenden Aktionäre geben nur einen sehr kleinen Anteil ihrer Beteiligung ab, indem sie für eine mögliche Mehrzuteilungsoption Aktien in Höhe von bis zu 15 Prozent des Emissionsvolumens zur Verfügung stellen. Berenberg führt das Bankenkonsortium des IPOs an, auch die Commerzbank zählt dazu.

Was Blue Elephant vor hat

Mit dem Emissionserlös will Blue Elephant weitere Solar- und Windparks erwerben. Derzeit besitzen die Hamburger schon 61 Solar- und 13 Windparks. Ende März lag deren kontrahierte Gesamtleistung bei 1.107 Megawatt, in der Projektpipeline warten Parks im Umfang von weiteren 1.671 Megawatt auf einen Käufer, der Blue Elephant sein könnte.

80 Prozent des Stroms will das Management mit Solarparks erzeugen, den Rest mit Windkraft. 86 Prozent des Portfolios befinden sich im Ausland, dazu zählt zum Beispiel der größte Solarpark Griechenlands. Zusammen mit dem Stromversorger EnBW errichtet Blue Elephant gerade drei Solarparks in Spanien mit einer Gesamtleistung von 150 Megawatt.  

 „Wir haben uns für den Börsengang entschieden, weil wir weiter wachsen wollen. Der Markt entwickelt sich gerade sehr dynamisch“, sagte CEO Felix Goedhar. Die Nachfrage nach Grünstromprojekten würde „schon jetzt explodieren“, sagt er dem „Handelsblatt“.

Als Großaktionäre stehen diverse Family Offices hinter Blue Elephant, allen voran die Unternehmerfamilie Wacker.

Blue Elephant ist hoch profitabel

Blue Elephant ist nicht groß, aber enorm profitabel: 2020 lag der Umsatz bei 82 Millionen Euro, der operative Gewinn (Ebitda) bei 61 Millionen Euro. Für dieses Jahr lautet die Prognose 100 Millionen Euro Umsatz und 74 Millionen Euro Ebitda. 90 Prozent der Umsätze für die nächsten 15 Jahre seien über Einspeisevergütungen und feste Stromabnahmeverträge schon abgesichert, umwirbt das Unternehmen die potenziellen Zeichner.

Blue Elephant verfolgt fast das identische Geschäftsmodell wie Encavis. Encavis ist aber wesentlich größer und machte 2020 einen Umsatz von 292 Millionen Euro und ein Ebitda von 225 Millionen Euro.

Encavis enstand aus dem Börsenmantel einer Beteiligungsgesellschaft und ist schon seit mehr als zehn Jahren mit dem aktuellen Geschäftsmodell an der Börse präsent. Encavis ist dort 2,2 Milliarden Euro wert und rückte erst im März in den MDax auf. Das Papier konnte im Coronajahr 2020 um 127 Prozent zulegen, musste seit Jahresanfang aber wieder ein Viertel abgeben.

An Encavis gemessen dürfte Blue Elephant auf einen Börsenwert von etwa 700 Millionen Euro kommen, einem Drittel der Größe von Encavis entsprechend. Damit erwächst Encavis mit Blue Elephant ein ernstzunehmender Konkurrent im Werben um die Gunst und das Kapital der Großinvestoren – vorausgesetzt, der Börsengang gelingt.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de