Liquiditätsspritze für Banken und den Bondmarkt: Die EZB stemmt sich gegen die Coronakrise.

typhoonski/iStock/Getty Images

13.03.20
Finanzierungen

EZB entlastet Banken massiv

Die EZB stemmt sich gegen die Corona-Krise und pumpt mehr Geld in den Bondmarkt und in die Banken. Die gestrige Marktreaktion reflektiert nicht das Ausmaß dieser Finanzspritze.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf die Corona-Krise und die Panik an den Kapitalmärkten reagiert und ein neues Maßnahmenpaket beschlossen. Dieses sieht im Kern Entlastungen für Banken vor, damit diese mehr Kredite vergeben können. Darüber hinaus soll das bestehende Asset Purchase Programme bis zum Jahresende um 120 Milliarden Euro aufgestockt werden.

Die EZB kauft bereits seit November 2019 wieder jeden Monat Wertpapiere im Wert von 20 Milliarden Euro. Fällig werdende Gelder werden dem Markt zudem nicht entzogen, sondern vollumfänglich re-investiert. Die zusätzliche Summe investiert die EZB über ihr gesamtes Spektrum, das von Staatsanleihen über ABS-Papiere und Pfandbriefe bis hin zu Unternehmensanleihen reicht.

Während die EZB bei Staatsanleihen nur in den Sekundärmarkt investieren darf, kann sie Unternehmensanleihen auch direkt bei der Erstemission aufkaufen. Die EZB erhöht dadurch die Nachfrage nach Unternehmensleihen, was am Primärmarkt die Zinskosten und am Sekundärmarkt die Renditen senkt.

Die EZB kauft über 80 Prozent der Unternehmensanleihen am Sekundärmarkt.

Mit Hilfe beider Effekte sollen Unternehmen trotz der Turbulenzen, die in den vergangenen beiden Wochen auch den Bondmarkt erreicht haben, weiterhin an günstige Finanzierungen kommen.

EZB hat keine Quote für Corporate Bonds

Bei der konkreten Ausgestaltung des neuen Extra-Kaufprogramms lassen sich die Notenbanker alle Freiheiten. Es gibt weder eine festgelegte Quote, wie viel der 120 Milliarden Euro in Unternehmensanleihen fließen sollen, noch wie dort die Aufteilung zwischen Primär- und Sekundärmarktinvestitionen ist.

Einen Anhaltspunkt aus der Vergangenheit liefert ein Blick in die Statistiken der bisherigen Anleihekäufe. Anfang März hielt die EZB nach eigenen Angaben Unternehmensanleihen im Wert von 196,2 Milliarden Euro. 18,5 Prozent davon waren Primärmarkttransaktionen, 81,5 Prozent erwarb die EZB am Sekundärmarkt. Da sich Unternehmen mit der Ausgabe neuer Bonds derzeit sehr zurückhalten, ist davon auszugehen, dass die EZB bis auf weiteres erst einmal vor allem am Sekundärmarkt zuschlagen wird. 

EZB greift Banken unter die Arme

Indem die EZB Unternehmensanleihen kauft, versucht sie größeren Unternehmen unter die Arme zu greifen. Kleinen und mittelständischen Unternehmen ohne Kapitalmarktzugang versucht sie indirekt zu helfen, indem sie die finanzierenden Banken entlastet, sodass diese ihren Firmenkunden mehr Kredite geben können. So ist zumindest die Hoffnung.

Dafür, dass die Banken das auch tatsächlich vollumfänglich tun, gibt es keine Garantie. Aber die EZB hat gestern zumindest zusätzliche neue Anreize geschaffen: So erhalten Banken frische Liquiditätsspritzen (TLTRO) und können sich billiger denn je mehr Geld bei der EZB besorgen. Das zur Verfügung stehende Kreditvolumen für die Banken hat die EZB glatt verdoppelt, jede Bank darf bis zu zwei Drittel mehr dieser subventionierten Kredite ziehen als aktuell. 

Der Zinsabstand der TLTRO-Kredite zum Leitzins und den Strafzinsen wächst deutlich.

Außerdem sinkt ab Juni der Zins für diese Kredite um 25 Basispunkte auf minus 0,75 Prozent. Weil die EZB den Leitzins unverändert ließ, steigt damit die Attraktivität, diese Linien zu ziehen und sie mit noch größeren Zinsmargen an Kreditkunden weiterzureichen. Auch der Abstand zu den Strafzinsen auf die Wiederanlage solcher Gelder bei der EZB ist entsprechend gestiegen.

EZB sieht „signifikante Entlastung“ der Banken

Darüber hinaus lockert die EZB die Kapitalanforderungen für die Banken. So soll diesen beispielsweise erlaubt werden, ihre antizyklischen Kapitalpuffer abzuschmelzen. Außerdem dürfen die Banken für die Befüllung dieser Puffer nun auch Nachranganleihen einsetzen und nicht mehr nur hartes Kernkapital. Diese Erleichterung sollte ursprünglich erst nächstes Jahr kommen. Und auch die europäische Bankenaufsicht EBA will helfen, indem sie den anstehenden Banken-Stresstest verschieben will.

Insgesamt spricht die EZB von einer „signifikanten Kapitalentlastung“ für die Banken. Sie warnt die Banken aber davor, in Folge der Entlastungen Boni oder Dividenden aufzustocken.

Den Leitzins im Euroraum beließ die EZB dagegen bei 0 Prozent, auch am negativen Einlagenzins von 0,5 Prozent wurde nichts verändert. Dies quittierten die Aktienmärkte gestern Nachmittag mit einer neuerlichen Verkaufswelle, schließlich hatte die US-Notenbank Fed in der vergangenen Woche mit einer deutlichen Leitzinssenkung um einen halben Prozentpunkt auf die konjunkturellen Folgen der Corona-Krise reagiert.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de