Der Windanlagenbauer Senvion hat über eine Kapitalerhöhung mehr als 60 Millionen Euro eingesammelt und will damit unter anderem im Ausland expandieren.

Senvion

15.08.18
Finanzierungen

Finanzspritze für Senvion

Große Ziele, viele Aufträge, aber eine ausgelaugte Bilanz: Der Windturbinenbauer Senvion hat seine Finanzierungsbasis wieder gestärkt und eine Kapitalerhöhung über 62 Millionen Euro platziert. Hauptaktionär Centerbridge zog mit.

Senvion hat sich über eine große Kapitalerhöhung 62,5 Millionen Euro an frischem Geld besorgt. Der Windturbinenhersteller hat heute Nacht gut 8,1 Millionen Aktien zu einem Preis von 7,70 Euro platziert, nur rund 5 Prozent unter dem vorherigen Kurs. Die Anzahl der neuen Aktien entspricht etwas mehr als 10 Prozent der bisherigen Aktienanzahl.

Bei der Kapitalerhöhung stützte sich Senvion auf zwei starke Unterstützer: den Großaktionär Centerbride und die Berenberg Bank. Beide sicherten Senvion vorab den Erfolg der Kapitalerhöhung mit Underwritings zu – Centerbridge in Höhe von 37,5, Berenberg in Höhe von 25 Millionen Euro. Und so wurden die neuen Aktien auch platziert: Centerbridge übernahm seine Tranche, Berenberg platzierte den Rest bei institutionellen Investoren.

In Summe wird der Centerbride-Anteil an Senvion dadurch nur minimal von 73 auf 71 Prozent verwässert. Der US-Finanzinvestor hatte Senvion im März 2016 unter großen Mühen an die Börse gebracht. 

Preisverfall schwächt die Bilanz von Senvion

Das starke Underwriting kann als klares Zeichen dafür gewertet werden, dass Centerbridge nach wie vor zu dem Hamburger Windturbinenhersteller steht – obwohl dessen Geschäft eingebrochen ist. Wie Senvion gestern vermeldete, hat sich der Umsatz im ersten Halbjahr auf 466 Millionen Euro nahezu halbiert. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ist auf 13 Millionen Euro abgestürzt, nachdem er im Vorjahr noch bei 62 Millionen Euro gelegen hatte.

Weil das Unternehmen im Rest des Jahres mit mehr Auslieferungen rechnet, soll sich das Umsatzminus im weiteren Jahresverlauf aber ausgleichen. Senvion prognostiziert einen Jahresumsatz von 1,8 bis 1,9 Milliarden Euro und damit fast exakt so viel wie  im Jahr 2017, als die Hamburger 1,89 Milliarden Euro bilanziert hatten. 2016 waren es noch 2,2 Milliarden Euro gewesen. 

Senvion leidet – wie die ganze Branche insgesamt – unter einem starken Preisverfall bei Windkraftanlagen, ausgelöst durch sinkende Subventionen und den Umstieg auf Auktionsverfahren beim Bau neuer Windparks, was den Preisverfall in vielen Ländern zusätzlich beschleunigt hat. Auch der Konkurrent Nordex hat gestern enttäuschende Zahlen veröffentlicht und wies für die ersten sechs Monate einen Umsatzrückgang um mehr als Drittel auf 957 Millionen Euro aus.

Um gegenzusteuern, hat Senvion unter anderem ein Programm zur Optimierung der Lieferkette und zum Einkauf von Komponenten in Schwellenländern aufgelegt, das laut Unternehmen inzwischen schon erste Früchte trägt.

Manav Sharma, Senvion SA

Nach seinen Aufgaben in Unternehmensentwicklung, Sales und Marketing bei ITC, einem indischen Konglomerat, und einer Tätigkeit in der Unternehmensberatung bei Ernst & Young startet Manav Sharma 2008 bei dem Windkraftanlagenbauer Suzlon als Senior Manager.

Sharma wird später zum stellvertretenden Generaldirektor für Strategie im Präsidium befördert. Dort leitet er zahlreiche Projekte in der Geschäftsentwicklung, im Portfolio Management von Gruppeninvestitionen, Strategie und Global M&A. Suzlon ist die ehemaliger Mutter von Senvion (vormals Repower). Im Juli 2015 wird Sharma zum neuen CFO von Senvion ernannt.

Im Mai 2018 wird er nach dem Abgang von Senvion-Chef Jürgen Geißinger zum Interims-CEO berufen. Im Januar 2019 verlässt CFO Sharma Senvion.

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Senvion muss investieren

Als Basis für die erhoffte Trendumkehr reichte das aber offensichtlich nicht. Die Ertragsflaute hat dazu geführt, dass trotz der Kostensenkungen Senvions Eigenkapitalquote zum Ende des ersten Halbjahres auf 9 Prozent zurückging. Die aktuelle Nettoverschuldung beträgt 265 Millionen Euro.

Doch auf die frühere Tochter des indischen Suzlon-Konzerns kommen hohe Finanzierungsanforderungen zu. Senvion liegen aktuell feste Bestellungen für Windturbinen mit einem Wert von 2,1 Milliarden Euro vor. Hinzu kommen noch einmal 600 Millionen Euro an bedingten Orders. Die Bearbeitung der diversen Großaufträge muss aber vorfinanziert werden. Zudem muss Senvion Engpässe in seinem Produktionsnetzwerk beheben, etwa in Indien.  

Speziell in den neuen Märkten Indien, Australien, Spanien und Südamerika ist das Auftragsvolumen in den zurückliegenden Monaten stark angestiegen. Für 2019 erwartet Senvion ein Umsatzwachstum von 20 bis 40 Prozent.

CFO Manav Sharma ist Interims-Chef

Das Geld aus der Kapitalerhöhung will Senvion nun für die Expansion in eben diesen Märkten nutzen: „Wir sehen dort weiteres Potenzial, wenn wir die Produktionskapazitäten erweitern, zusätzliches Betriebskapital bereitstellen und zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten durch strategische Co-Investments bieten“, erklärt Manav Sharma, CFO und Interim-CEO, die Idee hinter der Kapitalerhöhung.

Sharma hat derzeit übergangsweise auch den CEO-Posten inne, nachdem der vorherige Chef Jürgen Geißinger das Unternehmen Ende Mai verlassen hatte. Der plötzliche Weggang des früheren Schaeffler-Chefs, der Senvion mehr als zwei Jahre lang geführt hatte, kam überraschend – ein Grund wurde nicht genannt. Seitdem sucht das Unternehmen nach einem Nachfolger.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Mehr über die Karriere von Senvion-CFO Manav Sharma finden Sie in seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.

Hohe Schulden, Führungswechsel, verpatzte Projekte: Der Windturbinenbauer Senvion ist pleite. Wie es dazu kam und welche Geldgeber jetzt um die Macht bei Senvion kämpfen, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite Senvion.