Zwischenzeitlich verschwunden: Fosun-Chef Guo Guangchang ist wieder aufgetaucht.

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14.12.15
Finanzierungen

Fosun-Chef Guo Guangchang ist wieder aufgetaucht

Der zwischenzeitlich verschwundene Fosun-Chef Guo Guangchang hat sich auf einer Veranstaltung wieder gezeigt. Doch warum er fast eine Woche lang von der Bildfläche verschwunden war, ist noch immer rätselhaft.

Guo Guangchang, der zwischenzeitlich verschwundene Vorstandschef des chinesischen Finanzinvestors Fosun, ist offenbar wieder aufgetaucht. Wie chinesische Medien berichten, hat der 48-Jährige am Montag in einem Shanghaier Hotel an einer Konferenz des Fosun-Konzerns teilgenommen.

Ende vergangener Woche hatte das chinesische Wirtschaftsmagazin „Caixin“ berichtet, das Guangchang von seinen Mitarbeitern nicht mehr erreicht werden kann. Nutzer von sozialen Netzwerken hätten zudem beobachtet, wie der Manager am Flughafen von Shanghai von Polizisten abgeführt worden sei. Das Magazin mutmaßte, dass Guo zum Gegenstand von Korruptionsermittlungen geworden sein könnte. Anschließend schossen die Spekulationen ins Kraut, ob er nur als Zeuge oder als Beschuldigter ins Visier der chinesischen Polizeiorgane gekommen ist.

Fosun spielt das Verschwinden des CEO Guo Guangchang herunter

Fosun war bemüht, die Situation zu entschärfen, setzte aber gleichzeitig die Aktien am Freitag vom Handel aus. Zudem teilte der chinesische Konzern mit, dass Firmenchef Guangchang der Polizei bei Ermittlungen geholfen habe. Er sei aber weiterhin in der Lage gewesen, Entscheidungen für Fosun zu treffen. Die Befragung Guo Guangchangs stelle keinerlei Gefahr für das Unternehmen dar.

Die Fosun-Aktionäre sind davon aber dem Anschein nach nicht überzeugt: Nach Wiederaufnahme des Handels am Montag verloren die Wertpapiere des Investitionshauses um knapp 10 Prozent an Wert.

Tom Tailor, KTG Agrar: Deutsche Fosun-Beteiligungen unter Druck

Guo Guangchang ist einer der reichsten Männer der Volksrepublik und gilt als Star-Manager. Er wird auch als „Warren Buffet Chinas“ bezeichnet. Auch in Deutschland hat das Verschwinden des Chinesen für Unruhe gesorgt, denn Fosun befindet sich hierzulande gerade auf großer Einkaufstour und steht im Zentrum eines der wichtigsten M&A-Duelle, die sich in Deutschland gerade abspielen.

So kündigte der Finanzinvestor im Sommer dieses Jahres an, die Traditionsbank Hauck & Aufhäuser übernehmen zu wollen. Auch bei der BHF Kleinwort Benson (BHFKB), Mehrheitseigentümerin der Frankfurter BHF Bank, strebte Fosun zuletzt die Mehrheit an. Dort mussten die Chinesen sich jedoch der französischen Privatbank Oddo Seydler geschlagen geben. Zu einer Verständigung zwischen dem neuen starken Mann der BHF Bank, dem Franzosen Philippe Oddo, und dem fast 30 Prozent der Aktien kontrollierenden Minderheitsaktionär Fosun ist es bislang aber noch nicht gekommen. Guos Verschwinden hat die Hängepartie, unter der die BHF Bank zu leiden droht, weiter verschärft.

Zudem besitzt Fosun umfangreiche Beteiligungen an dem Modehersteller Tom Tailor und KTG Agrar. Bei dem Landwirtschaftskonzern ist Fosun erst im Sommer eingestiegen und bürgt auch für die Refinanzierung einer großen Mittelstandsanleihe. Die Aktienkurse beider Unternehmen standen in den vergangenen Tagen erheblich unter Druck – wohl auch wegen der undurchsichtigen Vorgänge in China. Ermittlungen oder gar Strafmaßnahmen gegen Fosun könnten dazu führen, dass die Chinesen ihre Aktienpakete zur Disposition stellen.

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