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Großaktionäre wollen VBH von der Börse nehmen

Die Großaktionäre Ascalon, Adwian und Lisoma wollen den früheren SDax-Konzern VBH von der Börse nehmen.
VBH

Der frühere SDax-Konzern VBH verschwindet von der Börse. Wie der kriselnde Türen- und Fensterbeschlägehändler am heutigen Donnerstag bekanntgab, halten die Großaktionäre Ascalon, Lisoma und Adwian mittlerweile knapp 92,6 Prozent des Grundkapitals. Sie wollen die restlichen Aktionäre jetzt im Zuge eines Squeeze-outs auszahlen und so alle verbliebenden Aktien übernehmen. VBH wird auf eine neue Gesellschaft verschmolzen, deren Anteile nicht mehr an der Börse handelbar sein werden. Das entspricht einem Delisting von VBH.

Über die Holding Skylinehöhe 86, an der Ascalon, Lisoma und Adwian 100 Prozent der Anteile halten, wollen die Großaktionäre Mitte Juni eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Dort soll die Übertragung der verbliebenden Wertpapiere der Minderheitsaktionäre beschlossen werden. Das Wunschdatum für die Hauptversammlung ist der 25. Juli. Die Höhe der Barabfindung werde ebenfalls im Juni genannt.

Auch wenn der Preis noch nicht feststeht, hat die Squeeze-out-Meldung den Aktienkurs VBHs bereits beflügelt. Nach Veröffentlichung der Mitteilung legten die Wertpapiere zwischenzeitlich um über 13 Prozent auf 2,30 Euro zu.

Ascalon, Adwian und Lisoma wollen alle VBH-Aktien kaufen

VBH leidet massiv unter dem Wirtschaftseinbruch in Russland, einem zentralen Absatzmarkt der Schwaben. Der Konzernumsatz ist von 2011 bis 2015 um ein Viertel auf zuletzt etwas mehr als 600 Millionen Euro gesunken. Hinzu kommt ein immenser Schuldenberg von 53 Millionen Euro, was dem Sechsfachen des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) entspricht. Die Banken haben VBH daher an die kurze Leine genommen und die für die Finanzierung essenziellen Kreditlinien nur bis Ende 2017 verlängert.

Im vergangenen Jahr mussten die Großaktionäre Ascalon, Adwian und Lisoma bereits das Eigenkapital über eine Barkapitalerhöhung im Wert von 26 Millionen Euro stärken. „Unsere Hauptaktionäre haben gezeigt, dass sie voll hinter ihrem Investment stehen“, hatte Jürgen Kassel, Sprecher und CFO in Personalunion bei VBH, Mitte April gegenüber FINANCE gesagt. Durch die Ankündigung des Kaufs der restlichen Aktien lassen die Investoren diesen Worten nochmals Taten folgen.

VBH-CFO Jürgen Kassel kann auf Kosteneinsparungen hoffen

Für VBH und seine Großaktionäre dürfte das Manöver langfristig erhebliche finanzielle Vorteile mit sich bringen, auch wenn die Investoren einmalig tief in die Tasche greifen müssen. Der Wert der Freefloat-Aktien von VBH beträgt in etwa 7 Millionen Euro.

Allerdings dürfte VBH durch das Delisting jährlich einen mittleren sechsstelligen Euro-Betrag einsparen. Diese Kosten entstehen im Rahmen einer Börsennotierung beispielsweise durch die Publizitätspflichten und die kostspielige Ausrichtung einer Hauptversammlung.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

jakob.eich@finance-magazin.de | + posts

Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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