Das VW-Management sieht sich einem Angriff durch den aktivistischen Investmentfonds TCI ausgesetzt. Die Briten kritisieren das Bonussystem bei Volkswagen scharf und fordern eine Auszahlung in Aktien.

Volkswagen

09.05.16
Finanzierungen

Investmentfonds TCI attackiert Boni für VW-Manager

Der britische Investmentfonds TCI greift das VW-Management an. Dem TCI-Chef Chris Hohn ist vor allem das Vergütungssystem der VW-Manager ein Dorn im Auge. Er fordert deshalb Boni-Zahlungen in Aktien mit einer dreijährigen Sperre.

Die hohen Bonuszahlungen beim deutschen Autobauer Volkswagen werden derzeit heftig diskutiert. Jetzt hat sich auch der britische Investmentfonds TCI Fund Management eingeschaltet, der für seine aktivistischen Kampagnen bekannt ist. In einem offenen Brief, der FINANCE vorliegt, kritisiert der Gründer und heutige Chef von TCI, Chris Hohn, Vorstand und Aufsichtsrat von VW scharf: „Das Management ist für sein Scheitern belohnt worden“, heißt es dort.

Hohn macht die hohen Managergehälter für den Dieselskandal mitverantwortlich. Sie hätten die Führungsmannschaft zu aggressivem Verhalten motiviert. TCI attackiert vor allem das „für Außenstehende undurchsichtige Vergütungssystem“. Die VW-Manger erhielten nur dann keine Boni, wenn der operative Gewinn unter 5 Milliarden Euro läge. Da diesen Betrag allein die Töchter Porsche, Audi und die LKW-Tochter Scania garantierten, so TCI, sei dieser Fall faktisch nicht möglich.    

TCI bemängelt in dem Brief zudem den „perfomanceunabhängigen Teil des Bonus“, der für „außerordentliche persönliche Performance“ gezahlt werde. Hohn nennt als Beispiel die „erfolgreiche Umsetzung spezieller Projekte“, von denen Investoren lediglich spekulieren könnten, warum die Zahlungen geleistet wurden.

TCI fordert Bonuszahlungen in VW-Aktien

Der Investmentfonds mahnt den Autobauer deshalb zu Reformen: Bei VW stünden die Gehälter der Manager stets über den Interessen der Aktionäre. „Das ist keine Art und Weise, eines der größten Unternehmen der Welt zu führen, und es ist für die Minderheitsaktionäre nicht mehr hinnehmbar“, verkündet Hohn in seinem offenen Brief.

Hohn fordere deshalb bis zu einem geplanten Investorentreffen im Sommer eine Reform des Vergütungssystems, das stärker an die Entwicklung des Aktienkurses geknüpft ist. Dazu sollen die Boni nicht wie bisher in Cash, sondern verstärkt in Aktien ausgezahlt werden. Diese sollen jedoch für drei Jahre gesperrt sein, sprich das VW-Management könnte das Aktienpaket frühestens nach drei Jahren in Cash umwandeln. Hohns simple Forderung: „Eine schlechte Performance sollte null Bonus bedeuten“.

TCI braucht die Unterstützung der VW-Familien

TCI hatte hierzulande 2005 den damaligen Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert zum Rückzug gedrängt. Ob er bei VW ähnlichen Erfolg haben wird, ist schwer absehbar. Momentan hält TCI nach eigenen Angaben zwar mehr als 2 Prozent an der VW/Porsche-Gruppe. Es handele sich allerdings um Vorzugsaktien, die nicht stimmberechtigt sind.

Die stimmberechtigten VW-Stammaktien liegen dagegen zu einer ganz überwiegenden Mehrheit bei drei Ankeraktionären: bei den Familien Porsche/Piech (52,2 Prozent über die Porsche Automobil Holding), dem Land Niedersachsen (20 Prozent) und dem Emirat Katar (17 Prozent). VW-Kreise reagieren demonstrativ gelassen auf die Nachricht des Einstiegs von TCI: „Natürlich ist das keine gute Nachricht, aber ich gehe nicht davon aus, dass uns das vor größere Probleme stellen wird“, sagte einer der zwanzig Chefaufseher von VW am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Der Aktienkurs reagierte zunächst verhalten positiv auf den Vorstoß: Die Vorzugsaktien stiegen heute um rund 2,5 Prozent auf rund 125 Euro, die Stammaktien um 1,7 Prozent auf rund 134 Euro – und damit leicht stärker als der Dax. 

Zahl aktivistischer Vorstöße in Deutschland steigt

Hohns Vorstoß ist nicht die erste Attacke eines aktivistischen Fonds auf ein deutsches Management in diesem Jahr. Vor knapp einer Woche kamen Gerüchte über eine mögliche Aufspaltung des Generikaherstellers Stada auf. Hinter der Attacke steht die Investorengruppe Active Ownership um den ehemaligen Triton-Manager Florian Schuhbauer.

Aktivistische Hedgefonds traten zuletzt auch verstärkt mit Leerverkäufen deutscher Aktien auf den Plan. Dazu erhoben verschiedene Fonds schwere Vorwürfe gegen Wirecard und später auch gegen Ströer. Beiden Unternehmen wurden kriminelle Machenschaften unterstellt, was in der Folge vor allem bei Wirecard zu massiven Kursverlusten an der Börse führte. Das Management musste zuletzt viel Überzeugungsarbeit leisten, um die Aktionäre zu beruhigen.    

philipp.habdank[at]finance-magazin.de