Curevac geht finanziell auf Nummer sicher und startet schon jetzt eine Kapitalerhöhung über eine halbe Milliarde Dollar.

Curevac

26.01.21
Finanzierungen

Curevac nutzt den Flow

Curevac geht auf Nummer sicher. Kurz bevor entscheidende Ergebnisse über die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs erwartet werden, will sich das Biotech-Unternehmen über die Nasdaq mehr als eine halbe Milliarde Dollar besorgen.

Der Impfstoffentwickler Curevac will sich den immensen Lauf seiner Aktie zu Nutzen machen und seine Cash-Position deutlich verstärken. Wie die Tübinger gestern Nacht bekanntgaben, planen sie, im Zuge einer Kapitalerhöhung bis zu 5,75 Millionen neue Aktien zu platzieren. Curevac gilt als einer der Hoffnungsträger, der auch an einem mRNA-Corona-Impfstoff arbeitet.

Beim aktuellen Kurs von etwas über 100 US-Dollar könnten dem Biotech-Unternehmen damit fast 600 Millionen Dollar zufließen. Dies entspräche fast 500 Millionen Euro. BofA, Jefferies und Evercore begleiten federführend die Aktienplatzierung.

Geldflut ergießt sich über Curevac

Zum Vergleich: Beim Börsengang an der Nasdaq im vergangenen Jahr strich Curevac nur 193 Millionen Euro ein. Davor allerdings hatten schon der Bund (über die KfW) für 300 Millionen Euro und der britische Pharmariese GSK für 150 Millionen Euro neue Aktien gezeichnet.

Außerdem flossen Curevac noch weitere 450 Millionen Euro über Vorabzahlungen von GSK sowie Zuschüsse und Kredite öffentlicher Institutionen und Förderbanken zu. Gemäß der jüngsten ausgewiesenen Zahlen liegen aktuell 1,04 Milliarden Euro in den Kassen des Biotech-Unternehmens. Diese Cash-Position dürfte nun um rund 50 Prozent anwachsen.

Entscheidender Moment für Curevac

Es gibt gute Gründe, warum CFO Pierre Kemula bei der Kapitalbeschaffung derart aufs Gas drückt. Gerade befindet sich der Coronavirus-Impfstoff der Tübinger in der abschließenden Testphase III. Mit den Ergebnissen wird Ende März/Anfang April gerechnet.

Sollte das Projekt in der Phase III enttäuschen, würde die Curevac-Aktie das aktuelle Kursniveau aller Voraussicht nach nicht halten können. Erwiese sich der Wirkstoff jedoch als ähnlich wirksam wie die mRNA-Impfstoffe der Wettbewerber Biontech und Moderna, müsste Curevac schnell die Produktion hochfahren. Allein die EU hat über 400 Millionen Dosen dieses Präparats bestellt, die im Idealfall alle noch vor Jahresende ausgeliefert werden sollen, um die EU-weite Corona-Impfkampagne noch in diesem Jahr abschließen zu können. Für Curevac bedeutete dies Umsätze von geschätzt über einer halben Milliarde Euro.

FINANCE-Köpfe

Pierre Kemula, Curevac AG

Seine Karriere startet Pierre Kemula im Jahr 2000 als Prüfer bei KPMG. Danach hat er einige Beratungsfunktionen bei Kea & Partners, Gemini Consulting sowie bei Roland Berger inne. Im Jahr 2008 wechselt Kemula auf die Unternehmensseite zu dem französischen Biopharmaunternehmen Ipsen. Dort ist er als Vice President Corporate Finance, Treasury and Financial Markets tätig.

Im Mai 2014 zieht es Kemula dann zu Pixium Vision, wo er seine erste CFO-Position antritt. Das französische Unternehmen entwickelt elektronische Netzhautimplantate. Als Finanzchef bringt Kemula das Technologieunternehmen nur wenige Monate nach seinem Einstieg an die Börse. Heute ist Pixium Vision an der Euronext gelistet. Im Oktober 2016 wechselt er als CFO zu dem Biotech-Unternehmen Curevac, welches er im August 2020 in den USA an die Börse bringt.

zum Profil

KfW macht dickes Plus mit Curevac-Beteiligung

Da Curevac aktuell knapp 180 Millionen Aktien ausstehen hat, würde die Kapitalerhöhung bei einer kompletten Platzierung deren Anzahl nur um knapp 4 Prozent erhöhen. Der Anteil des Bundes, der aktuell rund 17 Prozent beträgt, würde dadurch nur unwesentlich verwässert werden.

Das Paket ist zu den aktuellen Kursen rund 3 Milliarden Euro wert, mehr als zehnmal so viel wie die KfW im Sommer vor dem Börsengang dafür auf den Tisch gelegt hat.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Wer ist der CFO hinter der Biotech-Hoffnung im Anti-Coronakampf? Erfahren Sie mehr im FINANCE-Köpfe-Profil von Pierre Kemula.