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29.06.12
Finanzierungen

Kapitalmarkt: Nur Nischenprodukte laufen

Die Liste abgebrochener IPOs wird immer länger und auch der M&A-Markt liegt am Boden. Allzu positiv fällt die Bilanz des ersten Halbjahres für den deutschen Kapitalmarkt nicht aus. Schwacher Trost: Das Niveau des vergangenen Jahres wird nicht unterschritten.

Es sind kleine Schritte, die zurzeit als Erfolgsmeldungen herhalten müssen: Waren Investmentbanker lange in der stolzen Position, Rekord nach Rekord vermelden zu können, sind die Botschaften zurzeit merklich zurückhaltender, wie auch auf dem heutigen Kapitalmarktausblick der Schweizer Großbank UBS in Frankfurt.  Ein „Eisbrecher“ am IPO-Markt etwa ist auf einige Zeit hinaus nicht in Sicht.

Kapitalmarkttransaktionen finden eher in bestimmten Nischen statt: Convertible Bonds etablieren sich besonders bei deutschen Unternehmen als gern genutztes Mittel zur Kapitalbeschaffung. Das europaweit emittierte Volumen an Convertibles lag im ersten Halbjahr 2012 bei 5,8 Milliarden Euro – das ist zwar ein Plus von 140 Prozent gegenüber dem schwachen zweiten Halbjahr 2011, aber gut ein Drittel unter dem Niveau des guten ersten Halbjahres 2011. Besonders deutsche Unternehmen nutzten den Markt: Allein 3,3 Milliarden Euro wurden von deutschen Firmen emittiert, besonders zwei Siemens-Anleihen mit Option zum Aktientausch über 2,3 Milliarden Euro und eine Wandelanleihe von Adidas über 500 Millionen Euro prägten den Markt (mehr zum Thema Convertibles sehen Sie bei FINANCE-TV).

M&A-Geschäft ähnlich schwach wie 2011

Der M&A-Markt in Deutschland startete ähnlich wie im Vorjahr: Reuters zählte 116 Deals mit einem Volumen von 49 Milliarden US-Dollar. „Da wir 2011 ein sehr schwaches zweites Halbjahr hatten, könnte das Gesamtjahr 2012 etwas über dem Vorjahr liegen“, sagt Alexander Gehrt, Head of Mergers and Acquisitions Germany bei der UBS. Die bis dato größte Transaktion war die Übernahme eines Postbank-Anteils durch die Deutsche Bank über 5,1 Milliarden US-Dollar. Die zweitgrößte Transaktion könnte schon bald wieder aus der Statistik fallen, diesen Platz belegt die Übernahme von Rhön-Klinikum durch Fresenius, deren Abschluss auf der Kippe steht.

Die europaweite Private-Equity-Aktivität ist nach einem vergleichsweise starken Jahr 2011 etwas zurückgegangen, der Anteil an PE-Deals liegt jedoch in Deutschland immer noch bei etwa 15 Prozent (Europa: 22 Prozent). Besonders relevant sind Secondary Buyouts: sie machen in Europa 35 Prozent des PE-Gesamtvolumens aus. Für Limited Partners ist das nicht sehr befriedigend: Sie sind häufig in Verkäufer und Käufer zugleich investiert.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de