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Kommunikation mit aktivistischen Investoren

Der Konflikt zwischen Stada und dem aktivistischen Investor AOC wird öffentlich ausgetragen. In Sachen Kommunikation ist das nicht ideal.
Stada Arzneimittel

Der Konflikt bei dem Arzneimittelproduzenten Stada bricht nicht ab: In der Diskussion mit dem aktivistischen Aktionär Active Ownership Capital (AOC) hat sich der Ton in den vergangenen Wochen immer weiter verschärft. Besonders heftig streiten beide Seiten um die Besetzung des Aufsichtsrats. Auf der Hauptversammlung Ende August wird nun neben dem Vorschlag des Managements auch ein Gegenvorschlag von AOC zur Wahl stehen. Inzwischen wollen die Aktivisten, die sich von Stada zurückgewiesen fühlen, aber auch den Vorstand und die Unternehmensstrategie umkrempeln.

Die Debatte mit den aktivistischen Investoren wird bei Stada seit Wochen öffentlich geführt – eine Situation, die viele Unternehmen eigentlich tunlichst vermeiden wollen. Das gelingt in der Regel auch, meist laufen Gespräche mit Aktivisten völlig im Verborgenen ab. „Oft wird eine Einflussnahme von aktivistischen Investoren nie publik und beschränkt sich auf bilaterale Gespräche mit dem Management“, sagt Carsten Stäcker, Head of Equity Capital Markets bei der MainFirst Bank.

Öffentliche Debatte mit aktivistischen Investoren schädlich

Auch AOC suchte nach eigenem Bekunden den Kontakt zu Stada, ist aber nicht damit einverstanden, wie das Unternehmen mit dem Thema Aufsichtsratsbesetzung umgegangen ist. Stada habe „eine schriftliche Vereinbarung mit Active Ownership Capital gebrochen“, monieren die Investoren. Stada hatte zunächst verkündet, mit AOC im Dialog über qualifizierte Aufsichtsratskandidaten zu stehen, schwenkte aber neun Tage später auf einen eigenen Auswahlprozess um. Man habe das Vertrauen in die derzeitige Verwaltung verloren, den Prozess zur Neubesetzung des Aufsichtsrats ordentlich und transparent zu führen, klagte daraufhin AOC – ein Vorwurf, der Stada in kein gutes Licht rückt.

Die Eskalation bei Stada zeigt, dass eine Fundamentalopposition gegenüber Aktivisten für Unternehmen nicht ratsam ist. Denn anders als aggressive Short-Investoren, die jüngst mit öffentlichen Anschuldigungen bei Wirecard und Ströer für Kurseinbrüche gesorgt haben, haben aktivistische Aktionäre oft ähnliche Interessen wie das Management: Sie wollen den Unternehmenswert steigern. Sie stören sich häufig an hohen Cash-Beständen, an operativen Schwächen oder an Governance-Themen, wie AOC bei Stada oder der britische Hedgefonds TCI bei VW.

Auch wenn die öffentliche Kritik den Verantwortlichen nicht schmeckt, sollten sie Offenheit signalisieren. „Sachliche Kritik an der Unternehmensführung ist im Prinzip ein legitimer Ausdruck von Shareholder-Partizipation. Das Management sollte nicht grundlos den Dialog verweigern“, sagt Lars-Gerrit Lüßmann, Rechtsanwalt bei TaylorWessing.

Aktivistische Investoren finden überproportional viel Gehör

Oft allerdings ist ein erster Schaden bereits entstanden, wenn die aktivistischen Investoren mit ihren Kritikpunkten an die Öffentlichkeit gehen. So wie die Münchener Management & Capital Group (MCGM), die seit dem zweiten Quartal 2015 Positionen an dem kriselnden Stahlzulieferer SKW Metallurgie aufgebaut hat und derzeit gut 14 Prozent hält. Die Differenzen mit dem SKW-Management entzündeten sich an einer Kapitalerhöhung, die SKW ursprünglich für Herbst 2015 vorgesehen hatte. MCGM war dagegen. Als MCGM beim SKW-Management mit seinen detaillierten Anfragen zur Unternehmensstrategie nicht das gewünschte Gehör fand, machte der Investor seine Korrespondenz mit dem Vorstand und seine wesentlichen Kritikpunkte öffentlich und gewann damit deutlich an Sichtbarkeit. Der Druck auf das Management wuchs, die Kapitalerhöhung wurde abgeblasen, offiziell mit Verweis auf veränderte Marktbedingungen.

Selbst Dax-Schwergewichte wie Volkswagen oder E.on werden inzwischen öffentlich von Aktivisten kritisiert, obwohl  diese an den Großkonzernen mitunter allenfalls Anteile im einstelligen Prozentbereich halten. Dennoch finden ihre Anliegen überproportional stark Gehör. Sind die Kritikpunkte erst einmal publik, bleiben viele Vorwürfe haften – selbst wenn sie aus Sicht des Managements nicht berechtigt sind.

Reagiert ein Unternehmen in dieser Situation mit brüsker Zurückweisung, wirkt es wenig souverän und provoziert eine Gegenreaktion der Aktivisten. Der Rat von Kommunikationsexperten ist daher klar: Wenn ein aktivistischer Investor ein Gesprächsangebot auf den Tisch legt, sollte man es annehmen und auf die Vorschläge eingehen. Fühlt der Aktivist sich ernst genommen und sieht einen Weg zu einer gemeinsamen Linie, erhöht dies die Chance, das Unternehmen aus öffentlichen Schlammschlachten herauszuhalten.

Info

Wissenswertes über aktuelle Kampagnen finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite über aktivistische Investoren. Die deutsche Offensive der Activists ist auch Thema der Titelgeschichte des aktuellen FINANCE-Magazins. Dieses können Sie hier bestellen oder direkt als E-Paper beziehen.

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