Die SAP-Tochter Qualtrics hat Details des geplanten Börsengangs veröffentlicht.

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20.01.21
Finanzierungen

PE-Investor Silver Lake sahnt bei Qualtrics ab

Die SAP-Tochter Qualtrics hat die Details des geplanten Börsengangs veröffentlicht. Dabei zeigt sich: Dem Finanzinvestor Silver Lake dürfte mit seiner Beteiligung ein kleiner Coup gelungen sein.

Qualtrics hat Details zum geplanten Listing an der New Yorker Börse Nasdaq veröffentlicht. Wie dem Börsenprospekt der SAP-Tochter zu entnehmen ist, wollen die US-Amerikaner den IPO noch in diesem Quartal vollziehen: Ende Januar, spätestens aber Anfang Februar 2021 will Qualtrics an die Börse gehen.

Zugleich legte das Unternehmen auch die Preisspanne für den Börsengang fest: Sie reicht von 22 bis 26 US-Dollar und liegt damit über dem ursprünglich angestrebten Platzierungspreis. Im Dezember hatten die US-Amerikaner noch angekündigt, die Aktien zu einem Preis zwischen 20 und 24 Dollar ausgeben zu wollen.

Insgesamt will Qualtrics im Zuge des IPO 56,6 Millionen Aktien auf den Markt bringen. Erreicht das Unternehmen das obere Ende der Preisspanne, also 26 Dollar könnten sich die IPO-Erlöse somit auf bis zu 1,47 Milliarden Dollar belaufen. Im besten Falle würde der Anbieter von Vertriebs- und Marktforschungssoftware mit 13,3 Milliarden Dollar bewertet werden – und damit deutlich über den 8 Milliarden Dollar, für die SAP Qualtrics vor zwei Jahren übernommen hatte.

Silver Lake profitiert von Qualtrics-IPO

Das Anheben der Preisspanne begründet ein SAP-Sprecher gegenüber FINANCE mit den guten vorläufigen Ergebnissen für das vierte Quartal 2020 sowie mit einem günstigen Marktumfeld. Wie aus dem Prospekt hervorgeht, ist der Umsatz im vierten Quartal voraussichtlich um satte 24 Prozent auf bis zu 214,5 Millionen Dollar gestiegen.

Damit wird auch klar, dass der Private-Equity-Investor Silver Lake einen guten Deal gemacht hat: Wie Ende Dezember bekannt wurde, wird der Finanzinvestor im Rahmen einer Privatplatzierung Qualtrics-Papiere für 550 Millionen Dollar kaufen. Für die Hälfte der Anteile bezahlt er den finalen Ausgabekurs, für die andere Hälfte 21,64 Dollar je Aktie – und damit aller Voraussicht nach deutlich weniger als den Ausgabekurs des IPO.

SAP behält die Mehrheit an Qualtrics

Bekannt ist nun auch, wie die künftigen Besitzverhältnisse bei Qualtrics aussehen werden: So wird SAP über seine amerikanische Tochtergesellschaft nach dem Börsengang 84,2 Prozent aller Qualtrics-Aktien halten. Allerdings liegen auch nach dem IPO weiterhin 98,2 Prozent der Stimmrechte bei dem Softwareriesen.

Das liegt an einer besonderen Ausgestaltung der Anteilsscheine: So wird es zwei verschiedene Klassen von Aktien geben, wobei Klasse A einem Stimmrecht und Klasse B zehn Stimmrechten entspricht. Im Zuge des IPOs wird SAP nur Aktien der Klasse A anbieten. Damit sichern sich die Walldorfer ihren langfristigen Einfluss bei dem Anbieter von Vertriebs- und Marktforschungssoftware.

Der Finanzinvestor Silver Lake wird künftig 4,8 Prozent der Anteile und 0,6 Prozent der Stimmrechte an dem US-Unternehmen halten. Der Streubesitz liegt nach dem IPO bei etwa 11 Prozent. SAP hatte Ende Juli vergangenen Jahres angekündigt, Qualtrics an die Börse zu bringen, unter anderem mit dem Ziel, dass Qualtrics seine eigene Akquisitionsstrategie außerhalb der SAP-Konzernstrukturen verfolgen kann. Begleitet wird der Börsengang von Morgan Stanley und JP Morgan.

olivia.harder[at]finance-magazin.de