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Politische Unsicherheit perlt an den Kapitalmärkten ab

Unternehmen kommen sowohl am Fremd- als auch am Eigenkapitalmarkt gut zum Zuge: Die Märkte trotzten den politischen Unsicherheiten.
Amankris/iStock/Thinkstock/GettyImages

Ein neues Rekordjahr am Corporate-Bondmarkt geht zu Ende. Bei rund 367 Milliarden Euro wird das Volumen bei den Euro-Corporate-Bonds zum Jahresende voraussichtlich liegen. Im ebenfalls sehr starken Vorjahr waren es lediglich 356 Milliarden Euro. Das geht aus aktuellen Zahlen hervor, die die Société Générale am gestrigen Donnerstag in Frankfurt vorstellte. 

Insgesamt war das Bond-Jahr vor allem durch einen außergewöhnlichen Marktteilnehmer geprägt, der mittlerweile zu einer Konstante geworden ist: „Die EZB ist nach wie vor ein marktbestimmender Faktor“, kommentiert Martin Wagenknecht, DCM-Chef für den deutschsprachigen Raum bei der französischen Bank. 

Die Zentralbank kauft sei Juni 2016 Corporate Bonds. Ab Januar 2018 wird sie das Kaufvolumen all ihrer Anleihekaufprogramme um die Hälfte auf 30 Milliarden Euro monatlich reduzieren.

Hohe Aktivität bei High Yield Bonds

Gerade die Hochzinsanleihen liefen im vergangenen Jahr extrem gut: Insgesamt wurden Euro-Bonds über 75 Milliarden Euro emittiert, im Vorjahr waren es nur 50 Milliarden Euro. „Die Zinsen und Spreads sind im High-Yield-Bereich für Unternehmen gerade sehr attraktiv“, erklärt Martin Wagenknecht. Die Bonds sind nicht Teil des EZB-Kaufprogramms, profitieren aber indirekt: Investoren suchen im Niedrigzinsumfeld aktiv nach Rendite und weichen dafür auch in den Hochzinsbereich aus. 

„Bei dem hohen Volumen fragt man sich allerdings schon, wie lange das so weitergehen kann“, kommentiert Wagenknecht. Die Société Générale rechnet damit, dass sich das Volumen 2018 etwas reduziert, auch weil weniger Hochzinsanleihen im kommenden Jahr fällig werden. Die Bank rechnet mit rund 64 Milliarden Euro. 

Im Investmentgrade-Bereich lag das Emissionsvolumen dagegen etwas unter dem Vorjahresniveau: Zum Jahresende wird ein Volumen von 281 Milliarden Euro erwartet. Im Rekordjahr 2016 waren es 297 Milliarden Euro. Für 2018 rechnet die Bank jedoch wieder mit einem Anstieg auf rund 290 Milliarden Euro. 

Bei den Hybridanleihen hielt sich das Marktvolumen stabil. 2017 wird es voraussichtlich bei 11 Milliarden Euro liegen, 2016 waren es 9 Milliarden Euro. Hier erwarten die Experten keine großen Verschiebungen und rechnen mit rund 12 Milliarden Euro im kommenden Jahr. 

EZB kauft 2018 weniger Anleihen zu

Wie der Markt auf das reduzierte Kaufvolumen der EZB reagieren wird, ist noch unklar. „Ob es die Diskussionen um das Tapering, die Zinserhöhung der Fed oder auch der Beginn der Brexit-Gespräche waren – der Markt hat auf diese Unsicherheiten in den vergangenen Monaten kaum reagiert, es ging munter weiter“, beschreibt der DCM-Experte die Lage. 

Gerade diese Widerstandsfähigkeit mache eine Vorhersage so schwer: „Die Zinsen sind so niedrig, dass man sich kaum vorstellen kann, dass das dauerhaft so bleibt, auf der anderen Seite gibt es derzeit aber auch wenig Grund zur Sorge.“ Wagenknecht rechnet daher mit einem ersten Halbjahr, in dem die Entwicklung so weitergeht wie bisher. Im zweiten Halbjahr könnten sich die Spreads dann allerdings nach oben bewegen.

Mehr ECM-Aktivität in Deutschland

Auch im Eigenkapitalbereich zeigen sich die Märkte äußerst stabil. „Wir haben auch hier eine äußerst robuste Aufnahme von externen Events gesehen“, berichtet Ralf Darpe, ECM-Chef der Société Générale für die DACH-Region. „Und das, obwohl 2017 geprägt war von politischen Ereignissen.“ Dazu zählten beispielsweise der Amtseintritt von US-Präsident Donald Trump, der Nordkorea-Konflikt oder die Wahlen in Deutschland und Frankreich.

Dennoch wurden 2017 in der Region EMEA 615 Transaktionen mit einem Volumen über 50 Millionen Euro abgeschlossen. Das Gesamtvolumen liegt bei rund 216 Milliarden Euro und damit deutlich über dem Wert von 150 Milliarden Euro im vergleichbaren Zeitraum im Vorjahr. In Deutschland zeigt sich eine gestiegene Aktivität: Während 2016 nur 11 Prozent des Gesamtvolumens auf den deutschen Markt entfielen, waren es 2017 ganze 14 Prozent. 

Gutes Jahr für IPOs und Wandelanleihen

Der deutsche IPO-Markt verzeichnete mit acht Börsengängen ein aktives Jahr und erreichte ein Volumen von knapp 2,7 Milliarden Euro. Auch hier profitierte der Markt von der geringen Volatilität und dem stabilen Umfeld. Für das kommende Jahr rechnet Ralf Darpe wieder damit, dass es zwischen fünf und zehn Börsengänge geben wird. „Ich gehe davon aus, dass die Zahl eher am oberen Ende der Skala liegen wird“, so der Experte. 

Auch für Wandelanleihen war 2017 in Deutschland ein recht aktives Jahr, das schon stark begann. Insgesamt zwölf solcher Equity-Linked-Bonds mit Volumina über 100 Millionen Euro wurden platziert. Dazu zählten zum Beispiel die Wandelanleihe von Fresenius zum Jahresbeginn, ebenso wie die am vergangenen Mittwoch platzierten Bonds über 1 Milliarde Euro der Deutschen Post. Zudem gingen mehrere Immobilienunternehmen an den Markt. Für 2018 rechnet die Société Générale mit einem ähnlichen Emissionsniveau.

Wenige Bezugsrechtsemissionen

Bei den klassischen Kapitalerhöhungen mit Bezugsrecht gab es wenig Bewegung. Es gab nur zwei Transaktionen mit einem Volumen über 100 Millionen Euro. Dazu zählte die 8 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung der Deutschen Bank und eine deutlich kleinere Transaktion des Immobilienunternehmens Buwog im Sommer. Die Société Générale rechnet im deutschen Markt 2018 mit einer höheren Anzahl an Transaktionen und erhöhtem Gesamtvolumen von über 10 Milliarden Euro, speziell getrieben durch M&A Finanzierungen.

Deutlich aktiver nutzen Unternehmen das Accelerated-Bookbuilding-Verfahren, bei dem Aktien ohne Prospekt in einem beschleunigten Verfahren platziert werden können. Dazu zählen unter anderem die Platzierung von Beteiligungen, der Verkauf von weiteren Aktien nach einem Börsengang sowie Kapitalerhöhungen ohne Bezugsrechte. Das Volumen beläuft sich in Deutschland 2017 auf rund 15 Milliarden Euro (Vergleich 2016: rund 6 Milliarden Euro). Für 2018 erwartet die Bank ein ähnlich hohes Niveau wie in diesem Jahr.

antonia.koegler@finance-magazin.de | + posts

Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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