Die Deutsche Bahn eröffnete als erstes europäisches Unternehmen den Bondmarkt, nachdem das Brexit-Votum ihn zeitweise lahmgelegt hat.

Martin Busbach/Deutsche Bahn

14.07.16
Finanzierungen

Rekordquartal am Corporate-Bondmarkt

Die Ausschläge am europäischen Corporate-Bondmarkt sind immens. Trotzdem hat er im ersten Halbjahr einige Rekorde markiert. Aber: Einzelne Marktsegmente sind nahezu ausgetrocknet.

Das erste Halbjahr am Bondmarkt hätte turbulenter kaum sein können, die Unterschiede zwischen den einzelnen Monaten sind enorm. Während im Januar laut Bloomberg Corporate Bonds über lediglich rund 5,4 Milliarden Euro emittiert wurden, brachte der Mai mit rund 50 Milliarden Euro Emissionsvolumen einen neuen Rekordwert – mit Folgen: „Insgesamt wurde in den Monaten April bis Juni das höchste Emissionsvolumen verzeichnet, das es je in einem zweiten Quartal gab“, sagt der Credit Analyst Ulrich Kirschner von der Helaba. Wegen des schwachen ersten Quartals lag das Halbjahresvolumen mit 180 Milliarden Euro dennoch leicht unter dem ersten Halbjahr 2015 zurück, als 191 Milliarden Euro begeben wurden.

Die hohe Volatilität am Bondmarkt hat verschiedene Gründe: Anfang des Jahres lähmte die Unsicherheit über die wirtschaftliche Lage in China und der schwankende Ölpreis den Markt. Im März sorgten dann die EZB mit der Ankündigung, ihr Anleihekaufprogramm auf Unternehmensanleihen auszuweiten, für den Beginn der Rallye am Bondmarkt. Im März schoss das Volumen bereits auf 46 Milliarden Euro nach oben.

Brexit-Referendum stoppt Rallye am Bondmarkt

Für einen Dämpfer sorgte  aber das Brexit-Referendum. In den Tagen davor gingen deutlich weniger Unternehmen an den Markt, weshalb der Juni europaweit mit weniger als 18 Milliarden Euro deutlich unter dem Vormonat zurückblieb.

Allerdings wagten sich gleich drei deutsche Unternehmen noch unmittelbar vor dem Referendum an den Markt. Der Immobilienkonzern Vonovia platzierte eine Benchmark-Anleihe über 1 Milliarde Euro. Kurz darauf sammelte der Dachziegelhersteller Braas Monier 435 Millionen Euro ein. Für die deutsche Premiere eines nicht gerateten Bonds in diesem Jahr sorgte schließlich die Otto Group, die einen Bond über 250 Millionen Euro platzierte.

Und auch das erste europäische Unternehmen, das sich nach dem Brexit-Votum an den Markt traute, war ein deutsches: Die Deutsche Bahn platzierte eine 750 Millionen Euro schwere Anleihe. Seitdem ist Staatskonzern noch einmal an den Markt gegangen und hat erstmals einen Bond mit negativer Rendite begeben, wie die FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer berichtet.

Weniger Schwung am High-Yield-Markt

Während die Entwicklung im Investmentgrade-Bereich von Monat zu Monat anders war, erlebte das High-Yield Segment ein durchgehend durchwachsenes Halbjahr: Das Emissionsvolumen europäischer High-Yields ging gegenüber dem Vorjahr von 37 auf 20 Milliarden Euro zurück. Doch die EZB-Politik könnte auch diesem Marktsegment neuen Antrieb verleihen, hoffen die Banker: „Das EZB-Programm ist auf Spill-Over-Effekte ausgerichtet“, glaubt der Chefvolkswirt der ING-Diba, Carsten Brzeski. Die Erwartung: Auch am High-Yield-Markt werden die Renditen sinken, da Investoren aus dem Investmentgrade-Bereich dorthin gedrängt werden.

Deutsche Unternehmen waren mit High-Yields in diesem Jahr bislang kaum präsent. Vor Braas Monier im Juni  sammelte der Industriekonzern ThyssenKrupp im März inklusive einer Anleiheaufstockung 850 Millionen Euro ein. Dem folgte der Dax-Konzern Heidelberg Cement, der zur Finanzierung der Italcementi-Übernahme Bonds über 1,75 Milliarden Euro platzierte. Wepa Hygieneprodukte sammelte 450 Millionen Euro ein.

Flaute bei Hybridanleihen und Unrated Bonds

Noch weniger Bewegung als im Hochzinsbereich gab es bei den nicht gerateten Emissionen. Während in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres Unrated Bonds über rund 11 Milliarden Euro emittiert wurden, waren es in diesem Jahr nur 2,7 Milliarden Euro. Die Otto Group war in diesem Jahr bislang das einzige deutsche Unternehmen am Markt.

Zudem ist der Markt für Hybridanleihen fast völlig zum Erliegen gekommen. Nur drei Unternehmen platzierten nachrangige Bonds und sammelten damit rund 2,6 Milliarden Euro ein. Der Einbruch zum Vorjahr ist frappierend: Im ersten Halbjahr 2015 standen noch 49 Milliarden Euro zu Buche.

Ein Grund für die Flaute ist, dass risikoreichere Instrumente immer stärker von Unsicherheit und Volatilität getroffen werden. Zudem sind Hybridanleihen – wie High-Yield-Bonds – nicht Teil des EZB-Kaufprogramms. Den Hauptgrund für die Flaute sieht die DCM-Bankerin Paula Weißhuber von der Bank of America allerdings hauptsächlich in der Zurückhaltung der Emittenten: „Erst wenn wir in Europa noch mehr M&A-Aktivität sehen, wird auch am Hybridmarkt die Aktivität stark zunehmen“, sagte sie gegenüber der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer. Gerade bei der Finanzierung von Zukäufen ist das Instrument beliebt. So soll auch Bayer umfangreiche Hybridemissionen für den Fall planen, dass die Übernahme des US-Konzerns Monsanto gelingt.

Was bringt das zweite Halbjahr?

Doch auch wenn es keinen neuen Schwung am M&A-Markt geben sollte, werden einige Faktoren den Bondmarkt im zweiten Halbjahr treiben. Marktexperten gehen davon aus, dass die Finanzierungskonditionen trotz der Brexit-Turbulenzen weiter günstig sein werden – die Risikoprämien könnten sogar noch weiter sinken. Das könnten Unternehmen nutzen, um teurere Bankfinanzierungen abzulösen, erwartet ING-Experte Brzeski.

„Der Anlagebedarf der Investoren ist jedenfalls nach wie vor hoch“, macht Helaba-Analyst Kirschner Hoffnungen für das zweite Halbjahr. Mit der nahenden Sommerpause dürfte allerdings erst im September mit einem erneuten kräftigen Anstieg der Marktaktivität zu rechnen sein.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de


Die Deutsche Bahn hat es im aktuellen Niedrigzinsumfeld als erstes Unternehmen geschafft: Der Staatskonzern platziert eine Anleihe mit einer negativen Rendite. Details zu der Emission lesen Sie bei der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer.