Der Onlinehändler für Wohnzubehör Westwing will an die Börse und so 120 Millionen Euro einspielen.

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13.09.18
Finanzierungen

Rocket Internet bringt auch Westwing an die Börse

Der zum Rocket-Imperium gehörende Online-Möbelhändler Westwing will an die Börse. Die Start-up-Schmiede würde damit die vierte Beteiligung binnen weniger Monate aufs Parkett hieven.

Den Online-Möbelhändler Westwing zieht es an die Börse. Wie die Münchener am heutigen Donnerstag bekanntgaben, plant das Unternehmen ein erstes öffentliches Angebot sowie die Notierung seiner Aktien im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse. Das geplante Angebot soll aus neu ausgegebenen Aktien aus einer Kapitalerhöhung bestehen.

Westwing erwartet Erlöse aus dem primären Angebot von etwa 120 Millionen Euro. Neben dem öffentlichen Angebot will der Onlinehändler für Möbel und Inneneinrichtung über Privatplatzierungen außerhalb Deutschlands weiteres Kapital einsammeln. In welchen Ländern das Angebot gelten soll, sagte Westwing nicht.

Die Anzeichen für einen IPO hatten sich in den vergangenen Wochen bereits verdichtet, nachdem sich Westwing von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt hatte. Berenberg und Citigroup agieren als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners bei dem geplanten IPO.

Rocket Internet ist größter Westwing-Investor

Westwing ist eine Beteiligung der Start-up-Schmiede Rocket Internet, die 32 Prozent der Anteile hält. Ein weiterer großer Geldgeber ist der schwedische Venture-Capital-Investor Kinnevik, der mit 17 Prozent investiert ist und lange Zeit auch bei Rocket involviert war. Weitere relevante Westwing-Investoren sind die US-Beteiligungsgesellschaft Access Industries und Tengelmann Ventures. Ob sie bei dem Börsengang Aktien aus der geplanten Kapitalerhöhung zeichnen wollen, ist bislang nicht bekannt.

Westwing hat in den vergangenen Jahren wie viele Start-up  zunächst ein rasantes Wachstum vorgelegt, gleichzeitig aber Verluste eingefahren. Das hat sich zuletzt geändert: Im ersten Halbjahr 2018 erwirtschaftete der Onlinehändler eine Gewinn-Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 2 Prozent – allerdings bereinigt um Aktivitäten in Ländern, aus denen Westwing sich zurückgezogen hatte.

Zuletzt hatte sich Westwing aus Brasilien, Russland und Kasachstan verabschiedet. Der Umsatz des Online-Möbelhändlers ist in den ersten sechs Monaten 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 22 Prozent auf 120 Millionen Euro gewachsen. 2017 kam Westwing auf einen bereinigten Umsatz von 220 Millionen Euro.

FINANCE-Köpfe

Dr. Dr. Florian Drabeck, Westwing Group AG

Nach seinem Studium (Mathematik und BWL inklusive Promotion in beiden Fächern), das Drabeck innerhalb von nur vier Jahren abschließt, steigt er 2007 als Unternehmensberater bei Bain & Company ein, wo er vor allem in den Bereichen Private Equity und M&A in Europa sowie den USA tätig ist. Vier Jahre später folgte eine kurze Station in der Schweiz, Drabeck arbeitet als Buy-Side Investment Analyst bei RBR Capital Advisors.

Im November 2011 wechselt er zum Onlinehändler Westwing Home & Living und gestaltet als Head of Controlling & Business Intelligence das Reporting und die Planung des erst kürzlich gegründeten Unternehmens. Im September 2013 wird er CFO und baut die Finanzabteilung auf. Als CFO und Prokurist verantwortet er die Ressorts Finanzen, Payment, Legal/Compliance, ERP und Business Intelligence des Onlinehändlers, der inzwischen auch zum Portfolio von Rocket Internet gehört.

zum Profil

Mithilfe der IPO-Erlöse will Westwing-CFO Florian Drabeck kräftig investieren. Der Möbelhändler plant, Geld in seine Technologieplattform zu stecken, und das Produktportfolio weiterzuentwickeln. Zudem sollen Teile der Erlöse dabei helfen, international das Wachstum zu forcieren. Außerdem will Finanzchef Drabeck Schulden tilgen.

Home24 und Westwing wird Fusion nahegelegt

FINANCE-Köpfe

Peter Kimpel, Rocket Internet SE

Peter Kimpel beginnt seine Karriere als Analyst bei Goldman Sachs. Bei der Investmentbank bekleidet er zwischen 1992 und 2014 verschiedene Positionen: Zunächst sammelt Kimpel als Associate in New York und San Francisco internationale Erfahrung. In Frankfurt steigt er vom Associate zum Vice President auf und ist dort zwischen 2004 und 2006 schließlich Managing Director.

Anschließend zieht es Peter Kimpel noch einmal ins Ausland, und zwar zum Londoner Standort von Goldman Sachs, wo er ebenfalls als Managing Director tätig ist. 2010 wird er zum Partner befördert.

Der Karrierewechsel 2014 zu Rocket Internet bringt Peter Kimpel in seine erste Station als CFO eines börsennotierten Unternehmens. Im Oktober 2018 verlässt der Manager Rocket Internet wieder und heuert als neuer Deutschlandchef bei der Investmentbank Barclays an.

zum Profil

Für Großinvestor Rocket Internet dürfte der Börsengang von Westwing derweil der vierte IPO einer Beteiligung seit Juni 2017 werden. Zuletzt hatten die Essenslieferdienste Hello Fresh und Delivery Hero den Sprung auf das Parkett geschafft, ebenso wie die ebenfalls im Online-Möbelhandel tätige Home24.
 

Speziell um letzteren ranken sich seit längerem Gerüchte, dass das Unternehmen mit Westwing fusionieren könnte. Die Geschäftsmodelle von Home24 und Westwing unterscheiden sich nur in Nuancen. Beide E-Commerce-Häuser sind außerdem fast gleich groß und haben ein sehr ähnliches Margenprofil.

Ob der Westwing-IPO wie die vorherigen Börsengänge noch in die Amtszeit von Rocket-CFO Peter Kimpel fällt, ist indes fraglich, da die Münchener noch ganz am Anfang ihrer Parkett-Pläne stehen. Finanzchef Kimpel wechselt zum 1. Oktober zur Investmentbank Barclays, wo er Deutschland-Chef wird.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Westwing-CFO Drabeck gibt als Hobby den Kapitalmarkt an und wird nun mit dem anstehenden IPO ein aktiver Teil davon. Mehr Informationen zu dem Finanzchef finden Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Florian Drabeck. Alles Wissenswerte zu der Start-up-Schmiede sammelt FINANCE auf der Themenseite Rocket Internet.