Tür zu für S&P: RWE kürzt seine Ratingabdeckung auf zwei. Übrig bleiben Moody's und Fitch.

RWE

15.02.18
Finanzierungen

RWE trennt sich von S&P

Der Rückzug von RWE vom Bondmarkt geht weiter. Dem Transfer aller Anleihen auf Innogy voriges Jahr folgt nun die Trennung von der Ratingagentur Standard & Poor's – und bald wahrscheinlich auch die nächste große Tilgung bei den noch übrig gebliebenen Hybridanleihen.

RWE hat die Zusammenarbeit mit der Ratingagentur S&P beendet. Dies teilte der Energiekonzern heute Mittag mit. „Vor dem Hintergrund der geringfügigen Kapitalmarktaktivitäten ist ein dreifaches Rating für RWE nicht länger erforderlich“, heißt es zur Begründung.

Damit wird RWE fortan nur noch von den beiden S&P-Konkurrenten Moody’s und Fitch beobachtet. Dort notiert der Dax-Konzern derzeit bei Ratings von Baa3 (Moody’s) und BBB (Fitch), jeweils mit stabilem Ausblick.

Innogy übernahm für 11 Milliarden Euro RWE-Bonds

Tatsächlich ist die Präsenz von RWE am Bondmarkt in den zurückliegenden beiden Jahren deutlich geschrumpft. Einstmals gehörte der Energieriese mit Anleiheschulden von mehr als 15 Milliarden Euro zu den größten Bondemittenten Europas. Doch im Zuge des 2015 beschlossenen und 2016 durchgeführten Spin-offs der Netz- und Ökostromtochter Innogy übertrug RWE seine kompletten Anleiheschulden auf Innogy.

Insgesamt wurden 18 Anleihen in vier verschiedenen Währungen mit einem Gesamtvolumen von 11 Milliarden Euro transferiert. Nie zuvor hatte ein Unternehmen in Europa einen größeren Schuldnerwechsel gewagt.  

RWE hat nur noch Hybridanleihen ausstehen

Behalten hat RWE seine vier noch ausstehenden Hybridanleihen. Allerdings befindet sich der Dax-Konzern auch hier auf dem Rückzug: Im vergangenen Jahr unterbreitete RWE-CFO Markus Krebber den Investoren mehrere Rückkaufangebote, die das ausstehende Volumen in Summe um 1,8 Milliarden Euro reduzierten. Übrig blieben ebenfalls rund 1,8 Milliarden Euro, verteilt auf Papiere in Euro, Dollar und britischen Pfund.

Im Hybridbereich hatte S&P RWE 2015 Schwierigkeiten bereitet. Die Ratingagentur hatte in ihrer Bewertung den Eigenkapitalanteil des Anleihevolumens von „intermediate“ auf „minimal“ reduziert. Daraufhin musste RWE die Anleihebedingungen verändern und auf bestimmte Kündigungsrechte für die Hybridanleihen verzichten, um den alten Status wieder zurück zu erlangen.   

Im März 2019 hat RWE erstmals die Gelegenheit, die größte der vier noch übrigen Hybridanleihen (Volumen: 750 Millionen Pfund) zu kündigen. Da deren Zinssatz 7 Prozent beträgt und sich die Finanzlage von RWE durch den Spin-off von Innogy deutlich entspannt hat, sind die Chancen hoch, dass Krebber auch das Hybridanleihenportfolio weiter abschmelzen wird.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de 

Mehr Infos und Materialien zum RWE-CFO gibt es im FINANCE-Köpfe-Profil von Markus Krebber.