Deutliche Ansage für die Capital Market Partner von Scale: Deutsche-Börse-Manager Eric Leupold

FINANCE-TV

15.05.17
Finanzierungen

Scale: Börse macht Druck auf Capital Market Partner

Deutsche-Börse-Manager Eric Leupold droht den in Scale tätigen Banken, WP-Häusern und Anwaltskanzleien mit harten Sanktionen, wenn sie ihre Unternehmenskunden nicht anständig betreuen. Vor allem für die Prospekthaftung findet Leupold klare Worte.

Die Deutsche Börse stemmt sich gegen die Erwartung einiger Marktteilnehmer, dass die für das neue Börsensegment Scale eingeführten Sanktionsmechanismen nur heiße Luft seien. „Anders als früher im Entry Standard werden wir jetzt klar messen, wie Capital Market Partner Unternehmen betreut haben. Wenn es zur Insolvenz kommt, möchten wir einen klaren Blick haben, ob die Pleite mit einer besseren Betreuung durch den Capital Market Partner vermeidbar gewesen wäre“, sagte der für Scale zuständige Manager der Deutschen Börse, Eric Leupold, in der heutigen Sendung von FINANCE-TV.

Prominente Namen als Capital Market Partner registriert

Die Riege der Capital Market Partner besteht hauptsächlich aus Banken, Kanzleien und WP-Gesellschaften. Jedes Unternehmen, das Aktien oder Bonds in Scale gelistet hat oder ein Listing dort anstrebt, muss mindestens einen Capital Market Partner beauftragen, der die Firma betreut.

Aktuell haben sich 53 Finanzdienstleister als Capital Market Partner bei der Deutschen Börse registriert. Darunter sind viele Häuser, die bereits im Entry Standard aktiv waren, wie etwa Equinet, Dicama und die Kanzlei Heuking. Im vergangenen Herbst hatte die Deutsche Börse angekündigt, den skandalgeschüttelten Entry Standard zu beerdigen. Durch den Start von Scale sind aber auch namhaftere Adressen hinzugekommen, beispielsweise BNP Paribas, HSBC, Berenberg oder die Kanzleien Linklaters und Hogan Lovells.

Leupold: „Falsche Angaben im Prospekt werden wir sanktionieren“

Leupold lässt keinen Zweifel daran, dass die Deutsche Börse bei Fehlleistungen der Kapitalmarktpartner bereit wäre, hart durchzugreifen: „Wir würden Capital Market Partner in diesem Fall auch ausschließen“, kündigte er an.

Auch zur Prospekthaftung machte Leupold im FINANCE-TV-Interview klare Ansagen. Anders als im Entry Standard haften die Emissionsbegleiter bei Scale gegenüber der Deutschen Börse für die Richtigkeit der Angaben im Emissionsprospekt: „Wir haben die Prospekthaftung nicht eingeführt, um den Marktteilnehmern Angst zu machen, sondern weil wir es für wichtig erachten, stärkeren Zugriff auf die Capital Market Partner zu haben – vor allem nach den schlechten Erfahrungen bei den Mittelstandsanleihen und den China-Aktien“, erklärte Leupold.

Beide von ihm genannten Segmente des Entry Standards waren geprägt von Pleiten, Skandalen und zum Teil sogar Betrugsfällen. Die Folgekosten der darauf zurückgehenden Ausfälle gehen in die Milliarden. „Unrichtige Angaben im Prospekt werden wir im Zweifel sanktionieren“, warnt Leupold die 53 Capital Market Partner.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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