Die Berliner Ratingagentur Scope ändert ihre Governance-Struktur. Eine Stiftung wacht nun über Unabhängigkeit und europäische Identität.

totalpics/Thinkstock/Getty Images

03.09.20
Finanzierungen

Scope setzt auf hochkarätige Stiftung

Scope hat noch einen weiten Weg vor sich, um die großen US-Agenturen ins Schwitzen zu bringen. Um dabei die eigene Unabhängigkeit zu wahren, haben die Anteilseigner eine Stiftung ins Leben gerufen – und prominent besetzt.

Die Ratingagentur Scope will ihr Unterscheidungsmerkmal zu den Platzhirschen Fitch, Moody’s und S&P dauerhaft sichern – ihre europäische Identität. Das Haus, das sich als Alternative zu den US-Agenturen etablieren will, ändert dafür seine Governance-Struktur und ruft eine Stiftung ins Leben.

Die beiden Ankeraktionäre, Scope-Gründer sowie Geschäftsführer Florian Schoeller und BMW-Großaktionär Stefan Quandt haben dafür 20 Prozent des Grundkapitals der Scope Management SE an die Stiftung Scope Foundation übertragen. Beide halten über ihre Beteiligungsgesellschaften jeweils noch 40 Prozent an der für die Unternehmenssteuerung zuständigen Scope Management SE. Durch die Stiftung soll sichergestellt werden, dass „neben den bestehenden Ankeraktionären niemand Einfluss auf die Strategie und die Ausrichtung von Scope nehmen kann und Scope in jedem denkbaren Falle dauerhaft in der Hand europäischer Ankeraktionäre bleibt.“

Neben den Ankeraktionären gibt es in der Scope-Gruppe weitere Investoren, wie Versicherungen oder die RAG-Stiftung. Die RAG war Ende 2019 als neuer Investor an Bord gekommen.

Horst Köhler und Jean-Claude Trichet unterstützen Scope

Nicht nur eine Sicherung der Unabhängigkeit verspricht sich Scope durch den Schritt. Die Agentur will auch von der zusätzlichen Expertise profitieren. Dafür gibt es zum einen den Stiftungsvorstand. Er ist für die Erfüllung des Stiftungszwecks – die Bewahrung der europäischen Identität und Unabhängigkeit – zuständig und verwaltet das Vermögen der Stiftung.

Das Gremium besteht aus fünf Mitgliedern. Gerd Häusler, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der BayernLB, übernimmt den Vorsitz. Simon Fraser, ehemaliger CIO von Fidelity, wird sein Stellvertreter. Darüber hinaus gehören Lorenzo Bini Smaghi, Aufsichtsratsvorsitzender der Société Générale, Johannes Fritz, langjähriger Leiter des Quandt/Klatten Family Office, und Dieter Schenk, Aufsichtsratsmitglied von Fresenius und Fresenius Medical Care, dem Board of Trustees an.

Darüber hinaus gibt es auch noch ein hochkarätig besetztes Honorary Board, das der Agentur in allen europäischen Fragen zur Seite stehen soll. Zu den Mitgliedern gehören Horst Köhler, Bundespräsident a.D. der Bundesrepublik, sowie der ehemalige französische Präsident Jean-Claude Trichet. Zudem sind der ehemalige EZB-Direktor José Manuel González-Páramo, der frühere italienische Finanzminister Pier Carlo Padoan und der ehemalige Präsident der Polnischen Nationalbank Leszek Balcerowicz in dem Gremium vertreten.

Scope hat noch einen weiten Weg vor sich

Scope kann den Rückenwind der prominenten Unterstützer gut gebrauchen. Denn die Aufholjagd zu den großen US-Playern ist alles andere als leicht. Scope sei auf einem guten Weg, erklärte der ehemalige Scope-Ratings-Chef Torsten Hinrichs Ende vergangenen Jahres gegenüber FINANCE. Hinrichs hat das die Agentur inzwischen verlassen, seine Nachfolge hat Guillaume Jolivet angetreten. Doch noch sehen die Großagenturen das 2002 gegründete europäische Haus nicht als echte Konkurrenz.

Zuletzt hatte die mittelständische Ratingagentur außerdem einige negative Schlagzeilen zu verkraften. Im Sommer musste sich die Agentur für eine Bonitätsbewertung im Fall der MS Deutschland, die 2014 in die Insolvenz ging, verantworten. In dem Verfahren wurde einer Anlegerin Schadenersatz zugesprochen. Zudem legte die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde Esma der Agentur eine Strafzahlung in Höhe von 640.000 Euro auf. Gegenstand war ein Bewertungsprozess von Anleihen in der Vergangenheit.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Alles rund um die Entwicklungen bei der Berliner Ratingagentur erfahren Sie auf unserer Themenseite zu Scope