Wirecard

25.02.19
Finanzierungen

Short-Attacke: Wurde Wirecard erpresst?

Neue Details zum umstrittenen Leerverkaufsverbot bei Wirecard: Es geht um Erpressung, die Bestechung von Journalisten und eine erneute Short-Attacke.

Vor einer Woche überraschte die Bafin mit einer historischen Entscheidung den Markt: Sie verhängte ein zweimonatiges Leerverkaufsverbot für Aktien des Zahlungsdienstleisters Wirecard. Es war das erste Mal, dass ein solches Verbot bezogen auf ein einzelnes Unternehmen ausgesprochen wurde. Seitdem wird gerätselt, was die Aufsichtsbehörde zu diesem drastischen Schritt bewegt hat. Neue Informationen vom heutigen Montagmorgen liefern nun einige Antworten.

Demnach soll die Bonner Behörde im Vorfeld ihrer Entscheidung von der ermittelnden Staatsanwaltschaft München I über eine neuerliche drohende Short-Attacke gegen Wirecard informiert worden sein. „Wir haben am Freitag vor einer Woche um 7.30 Uhr ernstzunehmende Informationen von Wirecard erhalten, dass eine neue Shortattacke geplant ist und dass mit viel Geld versucht wird, Medienberichterstattung zu beeinflussen“, sagte die Münchener Staatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl dem „Handelsblatt“.

Und die Informationen haben es in sich: Ein Mittelsmann soll Journalisten in Großbritannien Zahlungen in Millionenhöhe angeboten haben, damit diese negativ über Wirecard berichten. Zeitgleich soll die gleiche Person Wirecard für eine ähnliche Summe angeboten haben, die negative Berichterstattung zu verhindern.

Bafin nutzte Hinweise der Staatsanwaltschaft

Diese Informationen haben wohl eine maßgebliche Rolle beim Leerverkaufsverbot durch die Bafin gespielt. „Wir hatten diese Informationen von der Staatsanwaltschaft“, sagte eine Bafin-Sprecherin dem „Handelsblatt“. „Sie waren ein Baustein für das Verbot.“ Zusätzlich hätten weitere Gründe für das bis zum 18. April andauernde Short-Verbot gesprochen. Dazu zählten die hohen Leerverkaufspositionen sowie eine von der Bafin konstatierte Bedrohung des Marktvertrauens in Deutschland.

Dass die Bafin diese Hintergründe in ihrer öffentlichen Erklärung verschwieg, erklärt sie nun mit dem Charakter dieser Hinweise: Die Indizien auf eine neuerliche Attacke und der mutmaßliche Bestechungsversuch von Journalisten seien nicht Teil der Allgemeinverfügung der Bafin gewesen, da es sich bei den Erkenntnissen um vertrauliche Informationen der Staatsanwaltschaft gehandelt habe. 

Wirecard-Aktie erholt sich weiter

Welche Wucht negative Presseberichte bei Wirecard entfalten können, zeigten die Berichte der „Financial Times“ über vermeintliche Betrugsversuche bei einer Wirecard-Tochter in Singapur. Diese hatten Ende Januar die Aktie um nahezu die Hälfte einbrechen lassen. Fast 10 Milliarden Euro Börsenwert gingen zeitweise verloren. Wirecard stritt die Anschuldigungen ab.

Wirecard klettert nach Kurseinbruch

Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft München in dem Fall. Konkret gehe es um den Vorwurf der Marktmanipulation. Dabei ist auch ein Journalist der „Financial Times“ ins Visier der Ermittler geraten. Er soll einen Shortseller vorab über den Zeitpunkt seiner Berichte über Wirecard informiert haben.

Die Kurserholung der Wirecard-Aktie setzt sich auch am heutigen Montag fort: Gegenüber Freitag steigt das Papier um rund 2 Prozent auf 118 Euro. Im Vergleich zum Tiefstand nach Short-Attacke in der zweiten Februarwoche beläuft sich das Kursplus nun schon auf über 20 Prozent.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Erfahren Sie mehr über Angriffe von Leerverkäufern auf Unternehmen auf der FINANCE-Themenseite Shortseller-Attacken.