Große US-Hedgefonds haben über 1 Milliarde Euro gegen die Deutsche Bank und die Commerzbank gewettet.

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12.07.18
Finanzierungen

Shortseller wetten 1 Milliarde Euro gegen Deutsche Bank

Mit insgesamt mehr als 1 Milliarde Euro wetten vier US-Hedgefonds gegen die Deutsche Bank und die Commerzbank. Vor allem auf die krisengeplagte Deutsche Bank haben die Shortseller eine hohe Summe gesetzt.

Die beiden schwächelnden deutschen Finanzinstitute Deutsche Bank und Commerzbank sind erneut in das Visier von Shortsellern geraten: Wie aus dem Bundesanzeiger hervorgeht, haben große US-Hedgefonds in den vergangenen Tagen ihre Leerverkaufspositionen bei den Banken stark erhöht.

Im Bundesanzeiger müssen Nettoleerverkaufspositionen gemeldet werden, die mehr als 0,5 Prozent des ausstehenden Aktienvolumens des betroffenen Unternehmens ausmachen. Bei Leerverkäufen leihen sich Spekulanten Aktien auf Termin und hoffen auf Kursverluste, um beim Kauf die Differenz einzustreichen. 

AQR Capital und Marshall Wace wetten am meisten

Besonders im Fokus steht die Deutsche Bank, bei der sich gleich vier Shortseller eingekauft haben. Die größte Position hat mit rund 2,56 Prozent der US-Hedgefonds AQR Capital aufgebaut. Marshall Wace hält eine Position von 1,41 Prozent, Capital Fund von rund 0,56 Prozent. Offen ist außerdem noch eine Position des Investors World Quant über 0,51 Prozent, die der Shortseller allerdings schon am 19. Juni aufgebaut hatte. Insgesamt entsprechen diese vier Positionen rund 1 Milliarde Euro.

Ein Teil der Shortseller mischt auch bei der Commerzbank mit: AQR Capital hat eine Position von 1,71 Prozent offen, Marshall Wallace von rund 1,07 Prozent. Daneben hat auch S.A.C. Global Investors eine Position von 0,74 Prozent aufgebaut. Insgesamt ist die Wette der Shortseller mit rund 370 Millionen Euro deutlich niedriger als bei dem Konkurrenten Deutsche Bank, aber dennoch substantiell.

Bridgewater shortete den halben Dax

Gerade AQR Capital und Marshall Wallace haben in den vergangenen Monaten immer wieder auf fallende Kurse bei der Deutschen Bank gewettet, ebenso wie auch verschiedene andere Hedgefonds. Bei der Commerzbank war insbesondere ACR in den vergangenen Monaten sehr aktiv.

Auch andere deutsche Konzerne waren zuletzt ins Visier von Shortsellern geraten: Für Aufsehen sorgte Anfang dieses Jahres der US-Hedgefonds Bridgewater, der eine milliardenschwere Leerverkaufskampagne gegen den halben Dax fuhr. Auch hatte in diesem Zuge die Deutsche Bank im Visier. Die Shortseller dürften in einigen Fällen schon verdient haben: Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist in den zurückliegenden zwölf Monaten um über 40 Prozent eingebrochen, der Kurs der Commerzbank um 25 Prozent.

Deutsche Bank hat Cerberus als Berater geholt

Die beiden Großbanken geraten immer wieder ins Visier von Shortsellern, da sie seit Jahren in der Krise stecken. Sie kämpfen vor allem mit hohen Kosten und sinkenden Erträgen. Besonders hart hat es dabei die Deutsche Bank erwischt, die mit Vorstandswechseln und hohen Strafzahlungen von sich reden machte. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass sie sich die Bank die Berater von Cerberus ins Haus holt, um wieder in die Spur zu kommen. Cerberus hält zwischen 3 und 5 Prozent an der Bank.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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