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Siemens Healthineers bringt zweite Kapitalerhöhung durch

Siemens Healthineers kann mit einer zweiten Kapitalerhöhung die Deal-Refinanzierung von Varian teilweise abschließen.
Siemens Healthineers

Um die Übernahme des Unternehmens Varian zu finanzieren, hat Siemens Healthineers 2,3 Milliarden Euro frisches Geld über eine Kapitalerhöhung eingesammelt. Die Übernahme kostete die Medizintechnik-Tochter von Siemens insgesamt 16,4 Milliarden US-Dollar und ist nach eigenen Angaben die teuerste der Unternehmensgeschichte.

Über ein beschleunigtes Verfahren platzierte Siemens Healthineers 53 Millionen neue Aktien zu je 44,10 Euro bei institutionellen Investoren. Einen großen Anteil davon nahm der Staatsfonds Qatar Investment Authority ab, der sich 16,2 Prozent sicherte. Das Grundkapital von Siemens Healthineers erhöht sich damit auf 1,128 Milliarden Euro.

Healthineers bekam Brückenfazilität von Siemens

Die jetzige Finanzierung ist Teil eines Refinanzierungskonstrukts, das die Erlanger schon im Sommer 2020 verkündeten, als sie die Mega-Übernahme von Varian bekannt gaben. Zunächst stellte die Mutter Siemens der Tochter für den Kauf eine Brückenfinanzierung bereit, die 15,2 Milliarden Euro umfasste. Etwa 50 Prozent dieses Betrags wollte Healthineers damals durch Eigenkapital refinanzieren, den Rest durch Fremdkapital. Die Brückenfinanzierung würde eigentlich 24 Monate ab Vollzug laufen, kann aber teilweise auch vorzeitig getilgt werden.

Healthineers-CFO Jochen Schmitz machte schon früh deutlich, dass er sich um eine vorzeitige Ablösung des Darlehens bemühen wird, denn der Kredit wird über die Laufzeit teurer. Für die Refinanzierung über Eigenkapital machte Healthineers den ersten Schritt im September vergangenen Jahres. Über eine erste Kapitalerhöhung sammelte der Konzern 2,73 Milliarden Euro vor Provisionen und Kosten ein.

Schon damals kündigte Healthineers an, dass eine zweite Transaktion geplant ist, die der Konzern nun hinter sich gebracht hat. „Mit der durchgeführten zweiten Kapitalerhöhung ist die eigenkapitalbasierte Komponente der Varian-Finanzierung abgeschlossen“, heißt es in der Mitteilung. Healthineers will auch nach Abschluss des Erwerbs, der für die erste Jahreshälfte geplant ist, eine „sehr solide Bilanzstruktur und Nettoverschuldung aufweisen“, sagte CFO Schmitz.

FINANCE-Köpfe

Dr. Jochen Schmitz, Siemens Healthineers AG

Jochen Schmitz kommt 1996 zu Siemens. Er beginnt dort seine Karriere bei Siemens im Controlling, bevor er 2004 als Leiter des Performance-Controllings zu Siemens Healthcare kommt. Bis 2011 ist er in verschiedenen, auch internationalen Leitungsfunktionen im Finanzbereich tätig, zuletzt als CFO der Division Healthcare Imaging and Therapy Systems.

Nach sechs Jahren als Chef des Controllings der Siemens AG kehrt Schmitz 2017 als CFO der inzwischen in Siemens Healthineers umbenannten Medizintechniksparte zurück.

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Steigt Healthineers bald in den Dax auf?

Die restliche Summe des Kaufpreises – rund 10 Milliarden US-Dollar – flossen Healthineers vor Kurzem über ein konzerninternes Darlehen von der Mutter zu.

Mit insgesamt rund 5 Milliarden Euro aus der Kapitalerhöhung hat sich der Eigenkapital-Teil an der Refinanzierung statt der geplanten bis zu 50 Prozent nun aber auf etwa 40 Prozent reduziert. Damit reduziert sich auch die Verwässerung des Hauptaktionärs Siemens, der an den beiden Kapitalerhöhungen nicht teilnahm. Ursprünglich sollte sich der Siemens-Anteil auf etwa 72 Prozent verringern, nun liegt er mit 75 Prozent etwas höher.  

Insgesamt ist der Streubesitz des Unternehmens aber deutlich gestiegen. Dies hat einen positiven Nebeneffekt: Damit steigen die Chancen für Siemens Healthineers, in die erste deutsche Börsenliga aufzusteigen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Info

Mehr über den Werdegang des Siemens-Healthineer-Finanzchefs erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Jochen Schmitz.

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.