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Societe Generale: Banken verlieren als Geldgeber an Bedeutung

Disintermediation, die immer geringere Bedeutung der Banken bei der Finanzierung der Realwirtschaft, ist auch 2013 das Stichwort.
Thinkstock / Getty Images

2012 war ein Rekordjahr an den Anleihemärkten, soviel ist sicher. Laut Societe Generale nahmen Unternehmen im laufenden Jahr gut 226 Milliarden Euro und mehr als 900 Milliarden US-Dollar am Fremdkapitalmarkt auf. Viele CFOs haben diesen Boom nicht nur beobachtet, sondern aktiv daran teilgenommen. In vielen Fällen haben Unternehmen, die typischerweise als zu klein für Direktplatzierungen an den Debt CapitalMarkets (DCM) gelten, erstmals überhaupt Anleihen begeben. Der Anlagedruck auf Seiten der Investoren ist so hoch, dass laut Aussage der Societe Generale-Analysten einige französische Versicherungen in diesem Jahr sogar ungeratete Unternehmen mit in ihr Portfolio aufnahmen, um ihre Liquidität irgendwie unterzubringen.

Für 2013 bedeutet dies, dass viele CFOs ihre Unternehmen mit genug Kredit versorgt haben, um zunächst nicht mehr an den Markt zu müssen – weder über klassische Kredite noch über Anleihen. Daher werde das Emissionsvolumen im kommenden Jahr in Europa gut 30 Prozent unter 2012 liegen, in den USA gut 10 Prozent darunter, so die Analysten der Societe Generale. Doch ein Trend wird ihrer Einschätzung nach weiter Bestand haben: Die Disintermediation, die abnehmende Bedeutung von Banken bei der Kreditversorgung der Wirtschaft, wird weitergehen. Aufgrund der geringeren Emissionsvolumina und der knappen Angebote für Investoren dürften CFOs, die ihrem Unternehmen 2013 Kapital besorgen wollen, zudem weiterhin mit guten Konditionen rechnen.

Wandelanleihen immer beliebter

Ein Instrument, das im kommenden Jahr bei CFOs noch populärer werden dürfte, ist die Wandelanleihe. 2012 gab es in Europa Emissionen von gut 17 Milliarden Euro, für 2013 sagen die Bankanalysten gut 21 Milliarden Euro voraus. Niedrige Kupons (aufgrund der Hoffnung auf Wertsteigerungen der zugrunde liegenden Aktie) und zahlreiche Stellschrauben für die Feinstrukturierung machten das Instrument komplex, aber flexibel und in der aktuellen Marktlage attraktiv, meinen die Analysten.

Für diejenigen Finanzvorstände, die sich schon länger mit dem Gedanken eines Börsengangs beschäftigen, könnte 2013 endlich wieder einige Gelegenheiten bieten. 2012 waren die günstigen Fenster für Börsengänge nur kurz offen. So hatten selbst etablierte Namen wie Talanx große Probleme beim Börsengang. 2013 sollte die Volatilität des DAX nach jetziger Kenntnislage geringer sein als in den Vorjahren, was als Randbedingung für erfolgreiche Börsengänge gilt. Die Societe Generale-Analysten erwarten daher, dass gerade auch internationale Unternehmen dem Beispiel von Telefonica folgen, die ihre deutsche Tochter O2 erfolgreich an die Frankfurter Börse gebracht hat. Allerdings gilt die vielzitierte IPO-Pipeline schon seit Jahren als „gut gefüllt“ und der Markt dümpelt dennoch vor sich hin. Eine grundlegende Skepsis dürfte also auch 2013 angebracht sein.

Alle Finanzierungsquellen beherrschen

Banken dagegen wären sicherlich froh, wenn das kommende Jahr ruhiger verliefe als das vergangene – und sie können eventuell darauf hoffen. Die Societe Generale glaubt, dass die Talsohle der Eurokrise erreicht (wenn auch noch nicht durchschritten) ist, und dass die Banken sich zumindest in Kerneuropa ab 2013 wieder günstiger refinanzieren können sollten. Das würde bedeuten, dass die verkehrte Welt, in der Unternehmen günstiger Kapital aufnehmen als Banken, irgendwann doch wieder zurechtgerückt würde.

Alles in allem zeichnen die Analysten von Societe General ein für CFOs nicht gerade negatives Bild von 2013 – zumindest was die Finanzierungsoptionen betrifft. Allerdings wird mit dem anhaltenden Trend zur Disintermediation immer wichtiger, dass Finanzvorstände die „gesamte Klaviatur“ an Finanzierungsmöglichkeiten beherrschen und ihr Unternehmen so aufstellen, dass es zu den „guten“ Schuldnern gezählt wird. Denn für „schlechte“ Schuldner wird es unter dem strengen Auge der Kapitalmärkte immer schwieriger, an Geld zu kommen.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de