Telefónica Deutschland schließt zum zweiten Mal einen Förderkredit mit der Europäischen Investitionsbank über 450 Millionen Euro ab.

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05.02.20
Finanzierungen

Telefónica sichert sich zweiten EIB-Kredit über 450 Millionen Euro

Telefónica Deutschland schließt erneut einen Förderkredit mit der EIB ab. Der 450 Millionen Euro schwere Kredit fließt komplett in den Breitbandausbau – und soll das Nachhaltigkeitsrating des Konzerns verbessern.

Wenn Telefónica Deutschland an den Kreditmarkt geht, machen die Münchener keine halben Sachen: Wie das Unternehmen gestern mitteilte, einigte es sich mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) auf seinen zweiten EIB-Kredit über 450 Millionen Euro. Das Darlehen wurde von der 100-Prozent-Tochter Telefónica Germany aufgenommen, die Laufzeit des Darlehens beträgt acht Jahre. Mit Blick auf das aktuelle Niedrigzinsumfeld, erklärte ein Telefónica-Sprecher auf FINANCE-Nachfrage: „Mit dem neuen Kredit können wir uns nun langfristig und zu sehr günstigen Konditionen finanzieren.“ Zu den Kreditkonditionen und Tranchen wollte sich Telefónica nicht äußern.

Da EIB-Kredite projektgebunden sind, wird CFO Markus Rolle die Mittel direkt in den Ausbau des mobilen Breitbandnetzes investieren. Konkret betrifft das den Aufbau des 5G- sowie die Verdichtung des LTE-Netzes. Dabei hat Telefónica vor allem die Versorgung der ländlichen Gebiete mit dem 4G-Netz und die Beschleunigung der Versorgung der Großstädte mit dem 5G-Netz im Blick. Das Unternehmen plant, das 5G-Netz noch im ersten Quartal dieses Jahres an den Start zu bringen.

Telefónica sammelt 1,2 Milliarden Euro ein

Mittelfristig erhofft sich Telefónica von diesen Investitionen auch eine Verbesserung seines Nachhaltigkeitsratings. Dieses Nachhaltigkeitsrating, das von der Öko-Ratingagentur Sustainalytics ermittelt wird, hat direkte Konsequenzen für den erst im Dezember abgeschlossenen syndizierten Sustainability-linked Loan über 750 Millionen Euro.

Bei einem solchen an Nachhaltigkeitskriterien geknüpften Kredit ist die Zinsmarge unter anderem an die Erfüllung von ESG-Kriterien in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz, Soziales Engagement und Unternehmensführung gebunden. Konkret heißt das: Je energieeffizienter die Netze Telefónicas operieren, desto billiger wird der Kredit. Insgesamt sicherte sich der Münchener Telekommunikationskonzern mit diesen beiden Transaktionen nun innerhalb von rund zwei Monaten 1,2 Milliarden Euro.

Diese Finanzierungsoffensive ist Teil des im Dezember angekündigten Wachstumsprogramms: Telefónica Deutschland plant, bis ins Jahr 2022 seine Umsätze um mindestens 5 Prozent zu steigern und seine Profitabilität zu erhöhen. Konkrete Zahlen nennt der MDax-Konzern für die Profitabilität allerdings nicht. Noch liegen nur Zahlen für das Geschäftsjahr 2018 vor: In diesem Jahr verzeichnete der Telekommunikationskonzern 7,3 Milliarden Euro Umsatz.

FINANCE-Köpfe

Markus Rolle, Telefonica Deutschland Holding AG

Markus Rolle startet seine berufliche Karriere 2001 beim Mobilfunkanbieter E-Plus, wo er zunächst als Business Analyst im Controlling tätig ist. Dort steigt der Manager schrittweise auf: Ab 2004 bekleidet der Diplom-Kaufmann verschiedene leitende Positionen im Finanzbereich der E-Plus-Gruppe und des damaligen niederländischen Eigentümers KPN. Bei E-Plus arbeitet Rolle unter anderem als Director Controlling, bei KPN als CFO des Bereichs Consumer Mobile.

Von November 2013 bis September 2014 fungiert Rolle als Integration Manager im Post-Merger-Integrationsprozess zwischen Telefonica Deutschland und E-Plus. Im Anschluss leitet Rolle das gruppenweite Controlling. Im August 2017 steigt der Manager zum CFO von Telefonica Deutschland auf.

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Telefónica Deutschland bleibt den Banken treu

Mit dem neuen EIB-Kredit bleibt der MDax-Konzern seinem bisherigen Finanzierungsmix treu: Telefónica hatte sich unter der ehemaligen Finanzchefin Rachel Empey eher bankenlastig aufgestellt.

Die Münchner haben revolvierende Kreditlinien über 710 Millionen Euro, syndizierte Kreditlinien von mittlerweile rund 1,5 Milliarden Euro, Bankkredite von rund 450 Millionen Euro und Schuldscheindarlehen über 835 Millionen Euro. Der nächste Schuldschein über 500 Millionen Euro läuft in zwölf Monaten aus. Die Mutter ist zudem noch über die Finanzierungsgesellschaften Telfisa und Telfin mit 1,15 Milliarden Euro über ein Gesellschafterdarlehen bei der deutschen Tochter investiert.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de