Massives Misstrauensvotum gegen Europas Großkonzerne: 14 Milliarden Dollar hat der Hedgefonds Bridgewater auf fallende Kurse europäischer Blue Chips gesetzt. Im Visier: Die Hälfte der Dax-Unternehmen und fast alle großen Banken.

Adidas

15.02.18
Finanzierungen

US-Investor shortet den halben Dax

Massives Misstrauensvotum gegen Europas Großkonzerne: 14 Milliarden Dollar hat der Hedgefonds Bridgewater auf fallende Kurse europäischer Blue Chips gesetzt. Im Visier: Die Hälfte der Dax-Unternehmen und fast alle großen Banken.

Der US-Investor Ray Dalio hat über seinen Hedgefonds Bridgewater eine breit angelegte Wette gegen europäische Blue-Chip-Konzerne platziert. Insgesamt ist Dalio bei europäischen Standardwerten Short-Positionen mit einem Volumen von mehr als 14 Milliarden US-Dollar eingegangen. Dalio glaubt, dass den Aktienmärkten in naher Zukunft noch deutlich schwerere Kursverluste ins Haus stehen. Als möglichen Auslöser hat er die Wahl in Italien am 4. März ausgemacht. „Die Konjunktur ist in der Spätphase des Aufschwungs, und ich sorge mich darum, wie der nächste Abschwung aussehen wird“, wird Dalio zitiert.

Insbesondere den Dax hat der US-Investor ins Visier genommen. Bei gleich 13 von 30 Dax-Werten hat er umfangreiche Wetten auf fallende Kurse platziert, allein bei Siemens liegt der Wert bei fast 1 Milliarde Dollar. Dies ist der größte Einzelposten in Dalios europäischem Short-Portfolio.

Das Ausmaß der von Bridgewater aufgebauten Short-Position beläuft sich auf 0,86 Prozent des Grundkapitals von Siemens. Auch die Allianz (0,87 Prozent des Grundkapitals) und BASF (0,84 Prozent) hat Dalio massiv geshortet, ebenso Adidas (0,87 Prozent). Bei der Deutschen Bank beläuft sich die Short-Position auf 0,78 Prozent des Grundkapitals.

Klangvolle Namen auf Bridgewaters Short-Liste

Dalios zweites Hauptziel sind italienische und spanische Banken. So hat Bridgewater unter anderem Leerverkaufspositionen bei Intesa Sanpaolo, der Finecobank und der Unicredit aufgebaut, in Spanien bei den Großbanken BBVA und Santander. Auch die ING steht auf Dalios Short-Liste.

In Italien setzte der Investor auch die neben Siemens größten Volumina. Bei Intesa hat Bridgewater 790 Millionen Dollar auf fallende Kurse gesetzt, beim Energiekonzern Enel sind es 692 Millionen Dollar. Auf den Ölriesen Eni entfallen 656 Millionen Dollar. Aus Frankreich finden sich unter anderem die BNP Paribas, der Ölmulti Total, die Axa-Versicherung und der Pharmakonzern Sanofi auf Bridgewaters Short-Liste.

Bridgewater ist kein kleiner Spekulant, sondern gehört zu den größten alternativen Asset Managern der Welt. Nach eigenen Angaben verwaltet das Haus 160 Milliarden Dollar von rund 350 Kunden, darunter viele Stiftungen, Pensionskassen und Staatsfonds. Im Zuge der jüngsten Börsenturbulenzen hat Bridgewater seine europäischen Short-Positionen zuletzt noch weiter aufgestockt. Allein seit Monatsbeginn hat sich die Größe der Position vervierfacht.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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