Viele deutsche mittelständische CFOs meiden bei der Finanzierung bisher US-Investoren. Sie fürchten vor allem unverhältnismäßig hohe Kosten - doch diese können umgangen werden.

alexis84 / iStock / Thinkstock / GettyImages

28.07.15
Finanzierungen

US-Private-Placement: Warum Mittelständler Angst haben

Hohe Kosten schrecken viele CFOs von Mittelständlern davon ab, im Rahmen von US-Private-Placements Aktien oder Anleihen an US-Investoren zu verkaufen. Doch es gibt Tricks, die Platzierungskosten massiv zu senken.

Private-Placements in den Vereinigten Staaten werden von deutschen Unternehmen nur verhalten genutzt – und wenn, dann meistens von Large-Cap-Konzernen. „Die Mittelständler scheuen diese Variante häufig“, meint der Rechtsanwalt Christian Schröder von der Anwaltskanzlei Görg. Zu Unrecht, wie Schröder im Gespräch mit FINANCE findet. „Die CFOs kleiner und mittelständischer Unternehmen verschließen sich oft vor dieser Finanzierungsalternative, weil sie angesichts des geringen Emissionsvolumens überproportional hohe Kosten fürchten“, beklagt Schröder.

Der gängigste Weg, um den US-Kapitalmarkt über ein Private-Placement anzuzapfen, ist laut Schröder das „144A-Verfahren“, das jedoch weitere Sorgfaltspflichten erfordert. Und das ist in der Tat teuer: „Durch das Erstellen der zusätzlichen Legal Opinion durch Rechtsanwälte und des Comfort Letters durch Wirtschaftsprüfer ist man schnell mit 300.000 bis 500.000 Euro dabei“, räumt Schröder ein. Was für Large-Caps angesichts der hohen Platzierungsvolumina nicht besonders ins Gewicht fiele,  bereite den Mittelständlern Bauchschmerzen – ihre Platzierungsvolumina in den USA erreichen häufig nicht mehr als 20 bis 30 Millionen Euro.

US-Private-Placement zu einem Zehntel der Kosten

Doch laut Schröder gibt es Möglichkeiten, die Kosten von US-Private-Placements zu senken: „Es gibt interessante und vor allem kostengünstigere Alternativen im amerikanischen Kapitalmarktrecht, die von deutschen Emittenten oft nicht angewandt werden“, sagt Schröder. Eine dieser Alternativen ist "Section 4(a)(2)", die die Ausnahmeregelung bei Privatplatzierungen regelt.

Diese erlaubt es Unternehmen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezielt einzelne Investoren anzusprechen, ohne die beim 144A-Verfahren umfassenden Pflichten erfüllen zu müssen. Man benötige zwar unter anderem eine Bank in den USA, die als „US registered Broker Dealer“ fungiert. Laut Schröder können die Kosten allein dadurch auf rund 50.000 Euro reduziert werden.

US-Investoren akzeptieren höhere Bewertungen

Werden den Small- und Mid-Caps so erst einmal die Scheuklappen abgenommen, offenbaren sich weitere Vorteile des US-Private-Placements. Vor allem Unternehmen, deren Branchen bei deutschen Investoren eher unbeliebt sind und deshalb einen schweren Kapitalmarktzugang haben, können in den USA ihren Investorenkreis erweitern. Bestes Beispiel dafür seien laut Schröder Biotech- und  Technologie-Unternehmen. „Während in diesen Branchen in den USA Milliarden bewegt werden, herrscht in Deutschland eher Skepsis“, meint Schröder.

Die Finanzierungsberatung FCF Fox Corporate Finance hat kürzlich nachgewiesen, dass solche Unternehmen bei Aktienplatzierungen an US-Börsen dramatisch höhere Bewertungen realisieren können als in Deutschland oder Europa.

Schröder weist auch auf Synergie-Effekte bei der Prospekterstellung hin. „Viele Unternehmen in Deutschland erstellen ihre Wertpapierprospekte ohnehin bereits auf Englisch.“ Wieso dann nicht die Ausnahmeregelungen für die US-Privatplatzierung nutzen und mit diesen Prospekten in den USA auf Roadshow gehen?

Messer, Biopharma und Warsteiner setzen auf US-Private-Placements

Ein häufiges Problem sind jedoch die manchmal zu hohen Erwartungen an den sofortigen Erfolg der US-Roadshows. Laut Schröder sollten die CFOs hartnäckig bleiben, denn: „Vielleicht klappt es nicht mit dem ersten Versuch, aber die Investoren haben das Unternehmen dann auf dem Schirm.“ Bei einer künftigen Emission von Aktien oder Anleihen könnte dies dann von Nutzen sein.

Es gibt auch schon eine Reihe von deutschen Unternehmen, die sehr erfolgreich US-Investoren gewinnen konnten. Einer der größten deutschen Emittenten am US-Private-Placement-Markt ist der Industriegasehersteller Messer, dessen CFO Hans-Gerd Wienands sich immer wieder lobend über seine Erfahrungen mit US-Investoren äußert. Auch die börsennotierte Biopharma AG hat Teile ihrer Aktien und Wandelschuldverschreibungen in den USA platziert. Die Brauerei Warsteiner ist ebenfalls mit einer US-Anleihe in den Staaten vertreten und dementierte erst vor wenigen Tagen Gerüchte über Probleme bei der Refinanzierung. Das jüngste Beispiel ist die Immobiliengesellschaft ADO Properties, die bei ihrem IPO in Deutschland ebenfalls Teile ihrer Aktien bei amerikanischen Investoren platziert hat.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de