Die Wette des Hedgefonds Brigdewater, auf den Kursverfall des halben Dax zu setzen, ging auf.

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08.05.18
Finanzierungen

US-Shortseller Bridgewater gewinnt Dax-Wette

Das deutsche Shortseller-Jahr startet spektakulär: Bridgewater wettete gegen den halben Dax, der Innogy-Deal treibt Leerverkäufer zu E.on, und auch das Chaos bei der Deutschen Bank bleibt nicht ohne Antwort der Shortseller.

Die ersten vier Monate des Shortseller-Jahres standen im Zeichen des US-amerikanischen Hedgefonds Bridgewater. Dessen Chef Ray Dalio wettete seit Jahresbeginn im großen Stil auf fallende Aktienkurse von Dax-Unternehmen, wie im Februar bekannt wurde.

Die Analyse von im Bundesanzeiger veröffentlichten Daten zeigt, dass Dalio seine Short-Positionen im März zwischenzeitlich sogar noch deutlich aufgestockt hat. Die Short-Positionen bei Bayer, Allianz, Münchener Rück, Siemens und BASF betrugen jeweils rund 1 Prozent des ausstehenden Aktienvolumens des jeweiligen Unternehmens. Zum Vergleich: Im Februar belief sich die höchste Position auf „nur“ 0,86 Prozent des Grundkapitals von Siemens, was aber allein bereits einem Gegenwert von rund 1 Milliarde Euro entsprach.

Bridgewater schließt seine Dax-Wette

Inzwischen hat Dalio seine Short-Positionen wieder geschlossen oder zumindest soweit reduziert, dass sie nicht mehr meldepflichtig sind. Im Bundesanzeiger müssen alle Nettoleerverkaufspositionen gemeldet werden, die mehr als 0,5 Prozent des ausstehenden Aktienvolumens des betroffenen Unternehmens ausmachen.

Für Bridgewater dürfte sich die Milliardenwette gelohnt haben. Im Januar begann Dalio seine Short-Positionen aufzubauen. Erst im April begann er den Rückzug und baute seine Positionen schrittweise ab. In diesem Zeitraum ist der Dax, wie von Dalio vermutet, stark eingebrochen und um über 10 Prozent auf zeitweise 11.800 Punkte gesunken. Erst im April setzte der deutsche Leitindex wieder zur Erholung an.

Dax-Delle zum Jahresstart erfreut Bridgewater

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Um wie Bridgewater von fallenden Aktienkursen zu profitieren, leihen sich die sogenannten Leerverkäufer (englisch: Shortseller) fremde Aktien und verkaufen diese direkt weiter. Fällt der Aktienkurs in der Folge wie erwartet, können sie die Papiere später am Markt günstiger einkaufen und die geliehenen Aktien zurückgeben. Die Kursdifferenz streichen sie als Gewinn ein.

Bridgewater setzte zwar Milliarden auf den Dax-Verfall, doch die beiden größten Einzelwetten gingen in den ersten vier Monaten auf das Konto von Marshall Wace. Der US-Hedgefonds wettete laut Bundesanzeiger auf 2,6 Prozent des Grundkapitals des Chipanlagenbauers Aixtron und auf 2,5 Prozent des Grundkapitals von K+S. Die drittgrößte Short-Position ging AQR Capital ein. Der Hedgefonds wettete auf 2,3 Prozent des Grundkapitals von ProSiebenSat.1.

Evotec-Aktie wurde am häufigsten geshortet

Insgesamt verzeichnete der Bundesanzeiger in den ersten vier Monaten 1.371 Shortseller-Aktivitäten – also eröffnete, geschlossene, aufgestockte oder reduzierte Positionen – auf deutsche Unternehmen. Die meisten Trades gab es auf das Biotechnologieunternehmen Evotec. Der Bundesanzeiger verzeichnete insgesamt 64 Trades. Grund für das Interesse der Leerverkäufer könnten die Spekulationen darüber sein, dass Evotec ab 2020 millionenschwere Einnahmen aus einer Zusammenarbeit mit dem französischen Pharmakonzern Sanofi wegbrechen könnten.

Die Gruppe der drei am meisten geshorteten deutschen Unternehmen wird komplettiert durch K+S und Bilfinger. Beide Unternehmen befinden sich seit Jahren in der Restrukturierung und sind deshalb bei Shortsellern traditionell beliebt, da die Aktienkurse solcher Unternehmen fast immer starken Schwankungen unterliegen.

Metro-Abspaltung und Innogy-Deal locken Shortseller an

Potenzial für Kursverluste sehen die Shortseller auch bei dem Handelskonzern Metro und seiner Abspaltung Ceconomy. Zusammen verzeichnen die Unternehmen 47 Trades, wobei der Löwenanteil mit 33 Trades klar auf Metro entfällt. Tatsächlich musste Metro wegen Problemen in Russland Ende April die Gewinnprognose deutlich reduzieren.

Neben den beiden frisch getrennten Einzelhändlern sorgt mit dem Verkauf des Stromproduzenten Innogy eine weitere komplexe Kapitalmarkttransaktion für Interesse bei den Leerverkäufern. Nach der Abspaltung von Innogy von dem Energieriesen RWE soll das junge Unternehmen nun an den RWE-Konkurrenten E.on verkauft werden. Die größten Unwägbarkeiten sehen die Shortseller bei diesem Deal bei E.on, das in den ersten vier Monaten 20 Shortseller-Aktivitäten verzeichnete. RWE und die Ex-E.on-Tochter Uniper kommen auf jeweils acht Trades, Innogy taucht nicht im Bundesanzeiger auf. Dort sorgt das E.on-Übernahmeangebot für einen stabilen Kurs.

Shortseller profitieren vom Chaos bei der Deutschen Bank

Wenn es um Unternehmen in einem komplexen oder schwierigen Umfeld geht, darf die Deutsche Bank nicht fehlen. Deutschlands größtes Geldhaus verbuchte ein schlechtes erstes Quartal, tauschte zum dritten Mal binnen sechs Jahren ihren CEO aus und adjustiert ein weiteres Mal ihr Geschäftsmodell.

Die Aktie kennt deshalb in diesem Jahr nur eine Richtung und hat seit Januar fast 30 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Die Shortseller quittierten das mit insgesamt 27 Trades. Die größte Position ging mit 1,9 Prozent AQR Capital ein.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de