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Welche Unternehmen jetzt vor Hedgefonds-Attacken zittern müssen

Wirecard war dieses Jahr das erste Opfer einer Hedgefonds-Attacke.
Wirecard

Der 24. Februar war ein schlechter Tag für Burkhard Ley. Es war der Tag, an dem der Zahlungsdienstleister Wirecard Ziel einer Hedgefonds-Attacke wurde – und CFO Ley dabei zusehen musste, wie der Aktienkurs innerhalb weniger Stunden abstürzte. Kurze Zeit später geriet auch der Marketingkonzern Ströer ins Visier eines Short-Sellers, der auf fallende Kurse spekulierte und heftige Vorwürfen bezüglich der Geschäftsgebaren des Unternehmens veröffentlichte.  Und auch hier musste Finanzchef Bernd Metzner machtlos dabei zu sehen, wie der Kurs nach unten rauschte. Immer noch haben sich die Kurse der beiden Unternehmen nicht vollständig erholt.

Die Attacken auf Wirecard und Ströer werden aller Voraussicht nach nicht die letzten sein. Der Hedgefonds Muddy Waters hat bereits angekündigt, weitere deutsche Unternehmen ins Visier zu nehmen. „Auch in Deutschland gibt es einige Unternehmen, die in das Raster der Angreifer fallen“, sagt Richard Mayer-Uellner, Rechtsanwalt bei CMS Hasche Sigle. „Die Hedgefonds suchen sich die Unternehmen nach bestimmten Kriterien aus“.

Unternehmen mit schlechter Corporate Governance

Ein ideales Angriffsziel von Hedgefonds könnten zum einen Unternehmen sein, die tatsächlich oder vermeintlich eine schlechte Corporate Governance oder ein unzureichendes Compliance-System haben – dort sind die Aussichten, dass ein Angriff erfolgreich wird, am höchsten. „Wenn Hedgefonds einem solchen Unternehmen beispielsweise glaubhaft Korruption oder Insiderhandel vorwerfen können, fallen die Vorwürfe auf fruchtbaren Boden“, sagt Mayer-Uellner.

Wichtig ist nicht nur, dass in der Firma nichts zwielichtiges passiert – sondern auch, dass genau das jederzeit nachweisbar ist. „Unternehmen sollten deswegen rechtzeitig in eine gute Corporate Governance investieren und diesen Schritt dann unbedingt kommunizieren“, sagt der CMS-Rechtsanwalt.

Unternehmen mit undurchsichtigem Geschäftsmodell

Denn nichts macht die Unternehmen so angreifbar, wie eine schlechte Kommunikation. Das gilt vor allem für jene Unternehmen, bei denen nicht in einem Satz erklärbar ist, wie sie ihr Geld verdienen. „Ein komplexes Geschäftsmodell lässt sich nicht ohne Weiteres ändern – wie gut es erklärt wird, liegt allerdings in der Hand der Unternehmen“. Nur so kann der Konzern das Verständnis und Vertrauen schaffen, dass im Angriffsfall überlebensnotwendig ist.

Die Herausforderung liegt hier darin, einen Mittelweg zu gehen, denn zu viel Transparenz kann auch gefährlich sein. Vor allem dann, wenn ein Unternehmen dadurch auf mögliche Schwachstellen aufmerksam macht. „Grundsätzlich gilt: Am Markt darf nicht der Eindruck entstehen, dass da etwas unter der Decke gehalten wird“, sagt Mayer-Uellner.

Unternehmen ohne Notfallplan

Ist das Unternehmen zur Zielscheibe eines Angriffs geworden, gilt es, Schadensbegrenzung zu betreiben. In diesem Fall stehen Unternehmen, die keinen Notfallplan in der Schublade haben, besonders schlecht da – immerhin sind die ersten Stunden nach dem Angriff die wichtigsten. „Die meisten Unternehmen haben Notfallpläne für den Fall, dass eine feindliche Übernahme ansteht. Genau so ein Regelwerk brauchen sie auch für Hedgefonds-Attacken“, glaubt Mayer-Uellner. In so einem Notfallplan sollten mehrere Szenarien dargestellt sein, je nachdem, um welche Vorwürfe es sich handelt. Dazu müssen die Unternehmen sich bereits im Vorfeld überlegen, welche Schwachstellen es gibt. Hier ist besonders der CFO gefragt, der die Schwächen im Zahlenwerk kennt.

In einem Notfallplan sollten zum Beispiel folgende Fragen geklärt sein: Wen muss ich zuerst informieren? Aus welchen Abteilungen setze ich ein Defense-Team zusammen? Soll ich eine Q&A-Session für die Analysten und Investoren anbieten? Und vor allem: Wie gehe ich mit Medienanfragen um?

Unternehmen, die einfach abtauchen

Vor allem Unternehmen, die keinen Notfallplan für Medienanfragen haben, stehen bei einem Angriff schlecht da. Wie schnell und ausführlich man reagieren kann, hängt zwar von den konkreten Vorwürfen ab. Doch je mehr Zeit vergeht, desto tiefer stürzt der Aktienkurs ab. Vor allem dann, wenn der Pressesprecher des Unternehmens abtaucht. „Im Falle eines Angriffs ist die Erreichbarkeit extrem wichtig. Selbst wenn es nur ein kurzes Statement ist mit der Information, dass eine ausführliche Stellungnahme in Kürze folgen wird“, rät Mayer-Uellner.

Wie ausführlich so eine Stellungnahme sein sollte, daran scheiden sich allerdings die Geister. Ist sie zu ausführlich, läuft das Unternehmen Gefahr, schlafende Hunde zu wecken. Ist sie zu dünn, könnten Fragen offen bleiben. „Grundsätzlich kann man sich hier an der Ausführlichkeit der Vorwürfe orientieren. Wenn ein Hedgefonds ein mehrseitiges Dokument mit Vorwürfen veröffentlicht, sollte die Stellungnahme einen ähnlichen Umfang haben“, sagt der CMS-Experte.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

julia.schmitt@finance-magazin.de | + posts

Julia Schmitt ist Redaktionsleiterin von FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Nach ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre und Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz stieg sie 2014 bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA ein. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung und Bilanzierung und ist Trägerin des Karl Theodor Vogel Preises der Deutschen Fachpresse.

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