Die Raumfahrt steht vor einer neuen Ära, und die deutsche Hightech-Firma Mynaric will davon kräftig profitieren – mit frischem Geld von der Börse.

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05.02.20
Finanzierungen

Weltraumfirma Mynaric bekommt Finanzspritze

Für den Produktionsstart neuartiger Laserkommunikationsterminals hat sich Mynaric über die Börse ein weiteres Mal Geld besorgt. Die Finanzspritze braucht das „New-Space“-Unternehmen aber auch, denn jetzt wird es ernst.

Finanzspritze für Mynaric: Über eine Kapitalerhöhung hat das Hightech-Unternehmen am gestrigen Dienstagabend 12,3 Millionen Euro eingesammelt. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser platzierte unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre 10 Prozent neue Aktien – allerdings mit erkennbaren Zugeständnissen. Zugeteilt wurden die neuen Aktien zu 42,50 Euro, was deutlich unter den 45 Euro liegt, zu denen Mynaric gestern aus dem Handel ging.

Dennoch hat die Mynaric-Führung ein aktuelles Kursmomentum ausgenutzt, denn in der ersten Januarhälfte hatte das Papier von unter 40 auf beinahe 50 Euro angezogen. An die Börse ging Mynaric im Oktober 2017 zu 54 Euro je Aktie, der Emissionserlös belief sich damals auf 27,3 Millionen Euro.

Mynaric reitet die „New Space“-Welle

Mynaric ist einer der interessantesten Börsenneulinge der vergangenen Jahre und ein Vorzeigeunternehmen der europäischen „New Space“-Industrie. Dahinter verbergen sich private Raumfahrtfirmen (häufig Start-ups), die bei dem gegenwärtigen Raumfahrtboom mitmischen wollen. Dieser wird allen voran von den Weltraumfirmen SpaceX und Blue Origin der beiden Tech-Milliardäre Elon Musk und Jeff Bezos angefacht.

Mynaric entwickelt Produkte für die Laserkommunikation. Laserstrahlen bieten theoretisch eine erheblich höhere Bandbreite als alle herkömmlichen Verfahren der Datenübermittlung. Ein möglicher Massenmarkt für diese Produkte entsteht gerade in Form so genannter „Satellitenkonstellationen“. Anbieter wie SpaceX, One Web und Amazon haben teils sogar schon damit begonnen, tausende Kleinsatelliten in den Weltraum zu schießen, die an jedem Ort der Welt eine schnelle Internetverbindung ermöglichen sollen. 

Mynaric hofft auf Lieferverträge mit den Anbietern dieser Satellitenkonstellationen, entwickelt aber auch Terminals für die Kommunikation von Satelliten und Raumfahrzeugen untereinander sowie für die Internetanbindung von Passagierflugzeugen. Im Oktober vergangenen Jahres und im Januar dieses Jahres erhielt das bayerische Tech-Unternehmen bereits zwei millionenschwere Aufträge von nicht genannten Raumfahrtunternehmen. 

„Dieses Jahr ist ein kommerzieller Wendepunkt für die Laserkommunikation in der Luft- und Raumfahrt.“

Mynaric-Chef Bulent Altan

Mynaric braucht Geld für die Serienproduktion

„Dieses Jahr ist ein kommerzieller Wendepunkt für die Laserkommunikation in der Luft- und Raumfahrt“, glaubt Mynaric-Chef Bulent Altan. Der frühere SpaceX-Manager rechnet schon kurzfristig mit einem starken Anstieg der Nachfrage. Bei den ersten aus einer Reihe vieler über die Jahre entwickelten Produkten steigt Mynaric gerade in die Serienproduktion ein. Weitere Terminal-Varianten sollen in den nächsten Monaten und Jahren in die Serienfertigung übergehen.

Ein Großteil der jetzt eingeworbenen Mittel soll in den Aufbau der Produktionsanlagen fließen. Als weitere Verwendungsfelder nennt Mynaric eine Ausweitung des Vertriebs in den USA sowie Ausgaben für die Weiterentwicklung der Technologie.  

Schafft es Mynaric in den Milliardenmarkt?

Dass sich das bayerische Hightech-Unternehmen gerade erst im Übergang von der Entwicklungs- in die Vermarktungsphase befindet, lässt sich auch an den Geschäftszahlen ablesen: 2018 wies Mynaric zwar eine Gesamtleistung von 7,4 Millionen Euro aus, die tatsächlichen Umsatzerlöse machten davon aber nur 1,6 Millionen Euro aus. Der größte Teil entfiel auf „aktivierte Eigenleistungen“, bei denen es sich um die Herstellungskosten für die Entwicklungsprojekte Satellitenterminals und Air-Terminals handelt. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 6,7 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2019 blieb die Gesamtleistung im Vorjahresvergleich in etwa konstant, ebenso der Nachsteuerverlust von 3,8 Millionen Euro. 

Die Cash-Burn-Rate von Mynaric ist signifikant: In diesen eineinhalb Jahren „verbrannte“ die News-Space-Firma im laufenden Geschäft und für Investitionen über 21 Millionen Euro. Doch der Kapitalmarktzugang zahlt sich aus, denn schon 2018 erhielt Mynaric über eine Kapitalerhöhung eine Geldspritze in Höhe von 11 Millionen Euro von einem nicht namentlich genannten Betreiber einer der Satellitenkonstellationen, der die Weiterentwicklung der Technik unterstützen wollte. So summieren sich die über die Börse eingeworbenen Mittel inklusive der aktuellen Kapitalerhöhung nun schon auf über 50 Millionen Euro. 

Die Zahlen für das Gesamtjahr 2019 wird Mynaric – an der Börse aktuell mit fast 140 Millionen Euro bewertet – erst im Frühjahr vorlegen. Der Blick der Investoren dürfte sich dann allerdings schon auf die Entwicklung der Auftragslage und das Hochfahren der Serienproduktion richten. Beide Indikatoren dürften Aufschluss darüber geben, ob Mynaric der Markteintritt in den potentiellen Milliardenmarkt der Weltraumkommunikation tatsächlich gelingt.       

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de