Die Wirecard-Aktie macht derzeit wieder von sich reden.

Wirecard

06.01.21
Finanzierungen

Wilder Zock um Wirecard-Aktien

Tausende von Anlegern haben 2020 einen Haufen Geld mit Wirecard-Aktien verloren. Nicht nur sie dürften sich nun wundern, warum die Titel des ehemaligen Dax-Konzerns seit Jahresbeginn wieder mächtig zugelegt haben.

Im Zuge des Wirecard-Skandals stürzten die Aktien des bayerischen Zahlungsdienstleisters ins Bodenlose ab. Feiern sie im neuen Jahr etwa ein mysteriöses Comeback? Nachdem die Kurse Ende 2020 noch zwischen 30 und 40 Euro-Cents pendelten, legte die Wirecard-Aktie am Dienstag zwischenzeitlich um 480 Prozent gegenüber dem niedrigsten Stand am Montag zu. Am Mittwoch kosteten die Titel 1,20 Euro, was immer noch einem Plus von 300 Prozent entspricht.

Fundierte Gründe für diese so plötzliche wie wundersame Wertsteigerung sind nicht aufzutreiben. Marktbeobachter sprechen von „reinstem Casino“ und raten, die Finger von Wirecard zu lassen, dessen Aktie zum Spielball von Spekulanten geworden sei. Fakt ist: Der Finanzdienstleister gilt als einer der größten Betrugsskandale der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Derzeit wird das insolvente Unternehmen abgewickelt und Tochterunternehmen soweit möglich verkauft. In Berlin versucht der parlamentarische Untersuchungsausschuss im Deutschen Bundestag, den Fall Wirecard zu rekonstruieren und offene Fragen zu klären.

Theorien um neue Wirecard-Spekulationen

Trotzdem ranken sich Spekulationen um die „Drahtzieher“ der jüngsten Kursrallye. Auffällig sind das beachtliche Handelsvolumen und die hohe Volatilität. So wurden laut Daten des Finanzdienstleisters Refinitiv am Dienstag erstaunliche 70 Millionen Aktien von Wirecard gehandelt. Am Montag lag die Anzahl immerhin bei 11 Millionen. Das letzte Mal wurde Anfang September in solchen Dimensionen mit Wirecard-Titeln gehandelt. 

Theorie 1: Shortseller wollen ihre Wetten schließen, was den Kurs nach oben treibt. Allerdings werden laut Bundesanzeiger derzeit lediglich 7,7 Millionen Aktien geshortet, also nur ein sehr geringer Teil des derzeitigen Marktgeschehens. Im Bundesanzeiger werden die Veränderungen der Positionen der einzelnen Shortseller zudem erst einige Tage später angezeigt – bisher wurde noch nichts veröffentlicht.


Welche Rolle spielen Daytrader bei der Zockerei?

Theorie 2: Daytrader machen sich am Kurs zu schaffen. Viele schließen sich zusammen, kaufen und verkaufen innerhalb eines Handelstages größere Positionen eines Titels. So scharren bereits seit längerem selbsternannte „Börsenpropheten“ und „Aktienprofis“ in Whatsapp-Gruppen und anderen sozialen Medien gutgläubige Anhänger um sich, um ihnen ihre Aktientipps anzudrehen.

Am Ende weiß meist nur die obere Riege den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg zu nutzen, während später involvierte Anleger hohe Verluste hinnehmen müssen. Die Gurus streichen dann ihre Gewinne ein. Und so käme Privatanleger ein Investment in Wirecard abermals teuer zu stehen.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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