Das Flugtaxi-Start-up Lilium möchte Berichten zufolge an die Nasdaq.

Lilium

05.03.21
Finanzierungen

Will Lilium über Spac-Vehikel an die Börse?

Das deutsche Flugtaxi-Start-up Lilium zieht es wohl an die Nasdaq. Offenbar verhandeln die Oberpfaffenhofener mit dem US-Spac Qell über eine Fusion. Das sind die Details.

Schlag auf Schlag geht es in dieser Woche auf dem Markt für Urban Air Mobility (UAM) zu. Offenbar will das deutsche Flugtaxi-Start-up Lilium der Konkurrenz zuvor kommen und baldmöglichst den Sprung an die Börse schaffen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Die Spekulation folgt kurz auf die Mitteilung des Wettbewerbers Volocopter aus Karlsruhe, der bei einer neuerlichen Finanzierungsrunde (Series D) in dieser Woche 200 Millionen Euro eingesammelt hat und in den nächsten Jahren bereits die ersten Flugtaxirouten in Asien in Betrieb nehmen will.

Lilium verhandelt Fusion mit US-Spac Qell

Bloomberg zufolge steht Lilium aktuell in Gesprächen mit dem US-Unternehmen Qell Acquisition Corp.. Demnach plant das Flugtaxi-Start-up aus Oberpfaffenhofen die Fusion mit dem amerikanischen „Spac“ (Special Purpose Acquisition Vehicle). Das börsennotierte US-Unternehmen sucht explizit nach einem Übernahmeziel mit hohem Innovationsgrad aus dem Mobilitäts- oder Transportsektor und müsste für die Übernahme von Lilium frisches Kapital am Aktienmarkt aufnehmen.

Das fusionierte Unternehmen könnte laut Bloomberg mit mehr als 2 Milliarden Euro bewertet werden. Hinter dem Spac steht ein früherer Manager von General Motors, der im September beim Börsengang 350 Millionen Dollar einsammeln konnte. Mit dem US-Unternehmen Joby hat bereits ein anderer Flugtaxientwickler mit Hilfe eines Spacs den Weg an die US-Börse gefunden. Den Bloomberg-Bericht wollten weder Lilium noch Qell kommentieren.

CFO Geoffrey Richardson soll Wachstum befeuern

Das im Jahr 2015 von den Ingenieuren Daniel Wiegand (CEO), Sebastian Born, Matthias Meiner und Patrick Nathen gegründete Start-up Lilium wird bislang von Venture-Capital-Investoren finanziert und hat in seiner Geschichte schon weitaus mehr als 300 Millionen Dollar eingesammelt. Zu den prominentesten Anteilseignern gehören der chinesische Internetriese Tencent, das schottische Investmenthaus Baillie Gifford, Skype-Gründer Niklas Zennström und der TV-bekannte Kölner Frühphaseninvestor Frank Thelen.

Im vergangenen November hat Lilium den US-Finanzmanager Geoffrey Richardson zum neuen Finanzchef ernannt. Er wurde Nachfolger von Kurzzeit-CFO Christopher Delbrück (Ex-Uniper). Richardson ist mit dem Ziel angetreten, Lilium auf die nächste Stufe zu bringen. „Geoffrey Richardsons Erfolgsbilanz bei wachstumsstarken Unternehmen kombiniert mit einer langfristigen, nachhaltigen Vision und starken Führungsfähigkeiten qualifizieren ihn in idealer Weise für die Schlüsselposition des CFO“, hatte Lilium-Gründer Daniel Wiegand zu seinem Einstieg gesagt.

Die bayerische Flugtaxi-Schmiede will bis 2025 in mehreren Städten um den Globus ihren vollelektrischen, vertikal startenden und landenden Mini-Jet in Einsatz nehmen. Anders als der Volocopter soll der Lilium-Jet keine kurzen innerstädtischen Strecken bedienen, sondern die Mittelstrecke mit Distanzen von bis zu 300 Kilometern. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 600 Mitarbeiter.

thomas.holzamer[at])finance-magazin.de