Poco

11.12.17
Finanzierungen

Anleihe- und Schuldscheingläubiger bangen um Steinhoff-Investment

Der Möbelgigant Steinhoff wankt. Die Anleihe- und Schuldscheininvestoren fürchten um über 3 Milliarden Euro, während das Management des MDax-Konzerns mit seinen Banken verhandelt.

Der angeschlagene Möbelhändler Steinhoff kämpft weiter um die Stabilisierung seines Geschäfts. Wie der MDax-Konzern mitteilte, habe man das jährlich stattfindende Treffen mit den kreditgebenden Banken vom 11. auf den 19. Dezember verschoben. In dem Meeting wollte sich der deutsch-südafrikanische Konzern am heutigen Montag mit seinen Geldgebern eigentlich über die operative und finanzielle Situation unterhalten.

Den Termin konnte das Management des am M&A-Markt sehr aktiven Möbelriesen nicht einhalten. Denn Steinhoff musste die Vorlage der vorläufige Jahreszahlen verschieben, die ursprünglich für den 6. Dezember geplant war. Das Geschäftsjahr endete bei Steinhoff zum 30. September.

Die Diskussionen mit den Banken dürften in diesem Jahr hitziger werden als in den vergangenen Jahren: Steinhoff sieht sich seit vergangener Woche mit ernsthaften Vorwürfen der Bilanzmanipulation konfrontiert. Die Furcht ist groß, dass Steinhoff zentrale Kennzahlen wie die Umsatzerlöse erheblich nach unten korrigieren muss. Der langjährige Konzern-Chef Markus Jooste musste bereits seinen Hut nehmen. CFO Ben la Grange ist weiterhin im Amt.

Steinhoff hat bei Banken Aktien als Sicherheit hinterlegt


Nun kämpft Steinhoff, nach Ikea Europas größter Möbelkonzern, ums Überleben. Einem Bericht der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ zufolge verhandelt Aufsichtsratschef und Interims-CEO Christoffel Wiese mit den Banken derzeit über ein Stillhalteabkommen.

Hintergrund: Steinhoff hatte bei Citigroup, Nomura und HSBC Geld für die Übernahme des US-Matratzenherstellers Mattress einen Kredit über 1,5 Milliarden Euro aufgenommen. Hierfür hatte der Möbelkonzern dem Bloomberg-Bericht zufolge 628 Millionen Aktien als Sicherheit hinterlegt.

Nun will Steinhoffs Übergangschef Wiese mit den Geldgebern vereinbaren, dass die Banken diese Wertpapiere nicht veräußern. Denn ein solcher Abverkauf der Anteile könnte zu einer erneuten Kurslawine führen.

Bereits in der vergangenen Woche war der Aktienkurs von Steinhoff um fast 90 Prozent eingebrochen. Der deutsch-südafrikanische Konzern vernichtete innerhalb weniger Tage 20 Milliarden Euro Börsenwert. Heute steht der Konzern mit einer Marktkapitalisierung von 2,3 Milliarden Euro da – obwohl die Meldung über ein mögliches Stillhalteabkommen dem Papier bereits Auftrieb gab. Der Kurs erholte sich um 15 Prozent auf zuletzt 0,54 Euro. 

Aktionäre nehmen nach Vorwürfen gegen Steinhoff Reißaus

Steinhoff engagiert Moelis, Alix, Deloitte und PwC

Dem Bloomberg-Bericht zufolge wollen die Banken allerdings den Jahresabschluss abwarten, ehe sie eine Entscheidung treffen. Daher arbeitet Steinhoff mit Hochdruck an der Fertigstellung der Zahlen und hat eine ganze Armada an Beratern verpflichet: Die Beratungsfirma Alix Partners soll Steinhoff beim „Liquiditätsmanagement unterstützen“, teilte der Möbelhersteller mit,  die Investmentbank Moelis bei den Verhandlungen mit den Kreditgebern.

Zudem soll Deloitte dafür sorgen, dass die Vorlage der vorläufigen Zahlen möglichst schnell gelingt. PwC wurde für die forensische Untersuchung der angeblichen Bilanzmanipulation engagiert und hat damit bereits begonnen.

Anleihen von Steinhoff sind Milliarden schwer

Mit der Steinhoff-Krise entwickelt sich eine der spektakulärsten Kapitalmarktfälle der jüngeren Geschichte. Es besteht der Verdacht, dass das Unternehmen überhöhte Umsätze ausgewiesen hat. Die Ratingagentur Moody’s hatte die Kreditwürdigkeit von Steinhoff nach den jüngsten Turbulenzen um gleich vier Notches auf B1 herabgestuft – und auf die Watchlist für ein weiteres Downgrade gesetzt.

Sollten sich die Vorwürfe gegenüber Steinhoff als stichhaltig erweisen, könnte die Krise des Möbelgiganten zu massiven Verwerfungen führen. Diverse Investoren und Banken stehen mit Milliarden Euro im Feuer. Die Nettofinanzverschuldung des MDax-Konzerns lag Ende März bei 6,5 Milliarden Euro.

Sollten sich die Vorwürfe gegenüber Steinhoff als stichhaltig erweisen, könnte die Krise des Möbelgiganten zu massiven Verwerfungen führen.

Steinhoff finanziert sich neben dem von Bloomberg zitierten Kredit bei Citigroup, HSBC und Nomura über 1,5 Milliarden Euro noch über eine Anleihe der europäischen Tochter. Der an der Luxemburger Börse gelistete Bond kommt auf ein Volumen von 800 Millionen Euro, ist mit 1,875 Prozent verzinst und läuft bis 2025. Das Papier ist in den vergangenen Tagen von 100 auf unter 50 Prozent des Nennwerts abgestürzt.

Zudem hat Steinhoff noch drei Wandelanleihen am Markt, die gemeinsam auf ein Volumen von über 2,5 Milliarden Euro kommen. Das bis 2022 Papier mit einem Volumen von 1,1 Milliarden Euro notiert bei 73 Prozent. Ein weiteres Papier ist gleichem Volumen (2023) ist auf 30 Prozent abgestürzt, ebenso wie ein Convertible über 400 Millionen Euro, der 2021 fällig wird.

Möbelkonzern platzierte 2015 einen Schuldschein

Schwer dürfte zudem wiegen, dass auch der boomende und als sicher geltende Schuldscheinmarkt in die Misere bei Steinhoff mit hineingezogen wird. Die Poco-Mutter hat 2015 einen Schuldscheindarlehen über 650 Millionen Euro aufgenommen, dieses später auf 730 Millionen Euro aufgestockt.

Das besondere an dem Darlehen: Nur etwa ein Sechstel der Investoren kam – anders als sonst üblich – aus Deutschland, ein sattes Drittel hingegen aus Asien. Entsprechend könnten sich ausländische Investoren, die in den als sicher geltenden Schuldschein investiert haben, sich an dem Steinhoff-Investment die Finger verbrennen. Zuletzt hatte schon der strauchelnde britische Schuldscheinemittent Carillion Aufsehen erregt.

Schon länger gibt es die Befürchtung, dass dem Schuldscheinmarkt ein ähnliches Schicksal droht wie dem im Verruf geratenen Segment der Mittelstandsanleihen. Bislang gibt es dafür allerdings – mit Ausnahme von Carillion – keine handfesten Belege. Sollte Steinhoffs Schuldschein im Zuge der Vorwürfe tatsächlich ausfallen, wäre das ein herber Dämpfer für das boomende Finanzierungsinstrument.

jakob.eich[at]finance-magazin.de