A.T.U

04.11.13
Finanzierungen

A.T.U: Details zum Haircut werden bekannt

Die Restrukturierung der angeschlagenen Werkstattkette A.T.U biegt offenbar auf die Zielgerade ein: Wie der Fachdienst Debtwire berichtet, wollen die wichtigsten Bondholder Centerbridge und Goldman Sachs mindestens 66 Prozent der Schulden in Eigenkapital umwandeln. Die Investoren der Nachranganleihe werden demnach leer ausgehen.

A.T.U steht möglicherweise kurz vor Lösung seiner Finanzierungsmalaise. Ende Oktober hatte die hoch verschuldete Werkstattkette im Besitz des PE-Investors Kohlberg Kravis  Roberts & Co. (KKR) bereits den Durchbruch bei den Restrukturierungverhandlungen angekündigt, ohne freilich Details zu nennen. Nun will der Fachdienst Debtwire Einzelheiten erfahren haben.

Den derzeitigen Restrukturierungsplänen zufolge würde dann fast die gesamte Passivseite von A.T.U abgelöst. Nur 100 bis 150 Millionen vorrangig besicherte Schulden sollen nach der Sanierung noch übrig bleiben. Ein dreistelliger Millionen-Eurobetrag soll als Eigenkapitalspritze in das Unternehmen fließen. Diese Finanzierung soll eine von Centerbridge begebene vorrangig besicherte Brückenfinanzierung und die im März fällige und von A.T.U voll gezeichnete RCF-Finanzierung über 45 Millionen Euro ablösen.

PE-Investor KKR vor Exit gegen Entschädigung

Weiterhin zeichnet sich ab, dass die Investoren des nachrangigen Bonds über 150 Millionen Euro (Laufzeit 2004-2014) komplett leer ausgehen werden, die vorrangig besicherten Anleihegläubiger würden die Werkstattkette demnach vollständig übernehmen. PE-Investor KKR soll bei seinem gesichtswahrenden Exit nicht ganz leer ausgehen und eine Entschädigung in Form von Cash und Equity erhalten für die Bereitschaft, den Deal zu erleichtern.

Der größte Teil des Equity soll, wie Debtwire weiter berichtet, anteilig unter den größten besicherten Bondholdern aufgeteilt werden. Centerbridge und Goldman Sachs sollen allein 75 Prozent der vorrangigen Schulden besitzen. Anderen vorrangig besicherten Gläubigern steht es offen, sich an dem Schuldenschnitt unter Führung der beiden Großinvestoren zu beteiligen. Sollte die Restrukturierung so umgesetzt werden, würde sich die Bilanzstruktur dramatisch verbessern. Der Verschuldungsgrad auf EBITDA-Basis könnte von dem zuletzt dramatischen Multiple deutlich über 9 auf das 2 bis 2,5  Mal EBITDA nach der Restrukturierung sinken, wenn alle Gläubiger mitziehen. Moody’s sah den Leverage Ende August sogar nach eigenen Berechnungen bei dem 11-fachen EBITDA. Der zuletzt erfolgte Einbruch der Ergebnisse hatte die Finanzrelationen aus den Fugen geraten lassen. Noch im Dezember lag der Verschuldungsgrad bei dem ca. sechsfachen.

Restrukturierung mit oder ohne Insolvenz?

Offen ist indes noch der Weg zum Schuldenschnitt: Am 1. Dezember ist der nächste Zinstermin für zwei Anleihen, an dem eine Kuponzahlung von 25 Millionen Euro fällig. Wenn ein Kreditereignis eintritt, könnte der Deal durch eine Mehrheit von 50 Prozent plus einer Stimme der Bondholder bei einer Verpfändung der Gesellschaftsanteile erfolgen, spekulierte Debtwire. Wenn jedoch 90 Prozent der vorrangig besicherten Bondholder und auch Noch-Mehrheits PE-Investor KKR zustimmen, könnte der von Centerbridge geführte Deal auch ohne Auslösung einer Insolvenz über die Bühne gehen. Wie FINANCE aus in die Verhandlungen involvierte Kreise gehört hat, will die Werkstattkette aber unter allen Umständen den Gang zum Insolvenzrichter vermeiden. Das operative Geschäft würde unter dem Menetekel der Insolvenz leiden und noch mehr Wert, als ohnehin bereits geschehen, zerstört (FINANCE Oktober/November 2013).

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de