A.T.U

19.03.13
Finanzierungen

A.T.U: Schuldenschnitt bei Nachranganleihe wahrscheinlich

A.T.U hat von Moody’s eine Ratingherabstufung kassiert. Der Grund: Im Jahr 2014 muss die oberpfälzische Werkstattkette nahezu 600 Millionen Euro refinanzieren. Der PE-Investor KKR prüft alle Optionen bis hin zum Verkauf. Am wahrscheinlichsten erscheint derzeit die Wandlung der Nachranganleihe in Unternehmensanteile.

Bei Caa2, also im hoch spekulativen Bereich, liegt jetzt das Rating von A.T.U. Moody’s hat das Rating um einen Notch herabgestuft. Die oberpfälzische Werkstattkette leidet vor allem unter sehr hohen Schulden, die immer noch aus der Übernahme durch den PE-Investor Kohlberg Kravis & Roberts & Co (KKR) im Jahr 2004 stammen. Das Problem: Seit Jahren wächst das Geschäft nicht in das Schuldenkorsett hinein. Der Wettbewerb ist hart und milde Witterung bescherte A.T.U immer wieder schwache Winterreifenverkäufe.

Demnächst wird sich die Krise des Unternehmens wieder zuspitzen: Im Mai und Oktober 2014 werden zwei Hochzinsanleihen fällig, die fast die gesamte Fremdfinanzierung ausmachen – abgesehen von den Leasingverbindlichkeiten und einem kleinen Betriebsmittelkredit. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei diesen hohen Verbindlichkeiten eine Refinanzierung über Anleihen klappt“, meint ein Frankfurter Banker. Die Relation des EBITDA zu den Nettofinanzschulden liegt laut Moody’s jenseits des 8-fachen. Besserung sei wegen der enormen Zinsbelastung von jährlich mehr als 50 Millionen Euro und der Capex-Kosten auch in den kommenden Jahren nicht in Sicht, glaubt die Ratingagentur.

Der PE-Investor KKR prüft deswegen „alle Optionen“, wie ein Sprecher von A.T.U gegenüber FINANCE bestätigt. Seit längerem ist die Investmentbank JP Morgan mandatiert, Möglichkeiten der Refinanzierung zu eruieren. Offenbar gilt auch ein Verkauf  als gangbarer Weg. „Nur:  Wer sollte A.T.U kaufen, wenn die Schuldenprobleme nicht gelöst sind?“, fragt ein Beobachter. Ein „rationaler Investor“ käme dafür kaum in Betracht. Auch KKR wird nicht noch einmal Kapital nachschießen wollen, hatte der legendäre PE-Investor doch bereits 2008 nachlegen müssen. Aus zwei Fonds heraus finanziert KKR A.T.U. inzwischen. „Eine Investition aus einem dritten Fonds heraus halte ich aus Compliance-Gründen für nicht machbar, das würden die Investoren nicht mitmachen“, glaubt der Beobachter. KKR lehnte einen Kommentar dazu auf Anfrage von FINANCE ab.

Banken sind aus dem Schneider

Deshalb wird ein dritter Weg immer wahrscheinlicher: die Wandlung der nachrangigen Anleihe über 150 Millionen Euro in Eigenkapital. „Damit hätte A.T.U wieder eine gesunde Finanzstruktur und könnte den Rest über den Markt refinanzieren“, sagt ein Banker. Investoren haben gerade an der Tilgung des Nachrangbonds Euro starke Zweifel – seit Dezember stürzte der Kurs auf rund 50 Prozent ab. Die vorrangigen Bonds – der eine fest, der andere variabel verzinst – rangieren stabil in den 90ern. Mit ein Grund ist deren gute Besicherung mit Assets von A.T.U. Banken müssen sich noch weniger Sorgen machen: Der vorrangige Betriebsmittelkredit über 45 Millionen Euro wäre selbst bei einer Insolvenz nicht gefährdet.

Einen Befreiungsschlag aus der Schuldenmisere würden wohl gerade die langjährigen Mitarbeiter begrüßen: A.T.U durchlebt seit dem Einstieg von KKR  im Jahr 2004 eine Leidensgeschichte. Wegen schwerer Ergebnisverfehlungen schrammte die Werkstattkette 2008 nur knapp an der Insolvenz vorbei. Doch die Eigentümer KKR und Doughty Hanson schossen damals 140 Millionen Euro Kapital nach und wechselten das Management aus. 2010 stieg Finanzinvestor Doughty Hanson aus und veräußerte seinen Minderheitsanteil in Höhe von 18,5 Prozent an KKR. Seither ist der US-Fonds Alleineigentümer.

markus.dentz[at]finance-magazin.de