Steinhoff

16.02.18
Finanzierungen

Auch die BayernLB verbrennt sich bei Steinhoff

Die Steinhoff-Krise trifft nach der Commerzbank nun offenbar auch die BayernLB. Die Landesbank soll millionenschwere Kredite verkauft und dabei große Verluste in Kauf genommen haben.

Der mutmaßliche Bilanzskandal des deutsch-südafrikanischen Möbelkonzerns Steinhoff trifft offenbar nun auch die Bayerische Landesbank. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, soll die BayernLB mehr als 200 Millionen Euro im Feuer gehabt haben.

Die Münchener sollen dem Bericht zufolge ausgereichte Kredite über rund 150 Millionen Euro verkauft haben und hätten dafür einen Verlust von rund 60 Millionen Euro in Kauf genommen. Für die übrigen 50 Millionen Euro soll die BayernLB Zugriff auf Immobiliensicherheiten haben.

BayernLB hat Steinhoff-Schuldschein platziert

Die BayernLB hatte zusammen mit anderen Banken für Steinhoff im Juni 2015 einen Schuldschein über 730 Millionen Euro platziert. Landesbanken verteilen die Papiere üblicherweise zu einem Großteil in ihrem Sparkassennetzwerk. Es ist nicht unüblich, dass sie auch selbst einen Teil der Papiere auf die Bücher nehmen.

Die BayernLB ist nicht das einzige deutsche Geldhaus, das derzeit um sein Engagement bei dem Möbelkonzern bangt. Auch die Commerzbank soll nach FINANCE-Informationen bis zu 500 Millionen Euro bei Steinhoff im Feuer und bereits Kredite im Wert von bis zu 200 Millionen Euro verkauft haben (mehr dazu in der aktuellen Ausgabe des FINANCE-Magazins).

Notverkäufe und Stillhalteabkommen bei Steinhoff

Laut der Rating-Agentur Moody’s sitzt der Möbelkonzern auf einem Schuldenberg von mehr als 10 Milliarden Euro. Allein 2 Milliarden davon würden in diesem Jahr fällig. Um sich die nötige Liquidität zu verschaffen, hatte sich das Unternehmen zum Jahresstart einen Kredit über 200 Millionen Euro gesichert und mit Banken und Anleihegläubigern über ein Stillhalteabkommen verhandelt.

Außerdem tätigte Steinhoff mehrere Notverkäufe und reduzierte seine Beteiligung an dem Mischkonzern PSG. Über Verkäufe weiter Tochterunternehmen sollen dem Konzern bis zu 1 Milliarden Euro zufließen. Auch der früherer Aufsichtsratschef Christo Wiese hat seine Beteiligung an Steinhoff stark reduziert. Er stieß 14,8 Prozent seiner Steinhoff-Aktien ab und hält nur noch 6,2 Prozent. Der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ zufolge sei dies auf Druck der Banken hin geschehen.

Steinhoff hat Geschäftsbericht drei Mal verschoben

Auslöser der Krise waren festgestellte Unregelmäßigkeiten in den Steinhoff-Bilanzen Ende vergangenen Jahres. Seitdem müssen die Steinhoff-Gläubiger auf den längst fälligen Geschäftsbericht für das gebrochene Geschäftsjahr 2016/2017 warten. Dieser wurde bereits drei Mal verschoben.

Dass der Bericht immer wieder verschoben wird, liegt an der andauernden Prüfung durch die Berater der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC. Offenbar hat das Steinhoff-Management große Probleme damit, die undurchsichtigen Zahlungsströme im dem komplexen Firmengeflecht zu durchschauen. Deshalb müssen auch die Bilanzen für die Jahre 2016 und 2015 auf den Prüfstand.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, hat Steinhoff einen Chef-Restrukturierer von KPMG verpflichtet. Der Brite Richard Heis ist als CRO seit Kurzem Mitglied des Vorstands.

Bei dem schwer angeschlagenen Möbelkonzern geht es drunter und drüber. Bleiben Sie auf dem neuesten Stand mit der FINANCE-Themenseite Steinhoff.