Foto: Julia Schwager, Commerzbank AG

31.05.12
Finanzierungen

Bankbilanzen schrumpfen weiter

Deutsche Banken haben ihre Bilanzen im vergangenen Jahr ordentlich entrümpelt. Doch die Arbeit ist noch längst nicht abgeschlossen, sollen die höheren Kapitalanforderungen 2013 erreicht werden. Das wird nicht leicht, denn einige Banken haben ihr Tafelsilber schon verkauft.

Den Banken steht wieder einmal ein schwieriges Jahr bevor. Der deutsche Konjunkturausblick trübt sich ein, und die Schuldenkrise geht mit den Spekulationen über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone und den Problemen der spanischen Banken in eine neue Runde. In diesem Umfeld wird es schwer für Banken, ihr Eigenkapital aufzustocken, um die Basel III-Auflagen erfüllen zu können. Ein Ausweg für viele: ihre Bilanzen weiter einstampfen.

Im vergangenen Jahr haben deutsche Banken einen kleinen Schritt in diese Richtung gemacht: Eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young, die die Ergebnisse von 14 Groß- und Landesbanken analysierte, ergab, dass elf Institute ihre Bilanzen 2011 verkürzt haben. Im Durchschnitt sanken die Bilanzsummen um gut 4 Prozent. Das wird sich 2012 aber kaum wiederholen lassen, meint Dirk Müller-Tronnier, Leiter des Bankenbereichs bei Ernst & Young und Autor der Studie. „Das Potential für eine weitere Schrumpfung ist deutlich geringer als im vergangenen Jahr“, sagte er gegenüber FINANCE.

Erstens hätten Banken ihre attraktiven Beteiligungen längst verkauft. „Jetzt sitzen sie in einer ohnehin schwierigen Zeit auf Beteiligungen, die keiner will, die sie aber aufgrund von staatlichen Vorschriften abstoßen müssen.“ So findet etwa die Commerzbank seit Jahren keinen Käufer für ihre stark angeschlagene Immobilientochter EuroHypo. Zweitens haben die untersuchten deutschen Banken 2011 ihr Kreditengagement in den Peripherieländern des Euroraums bereits zu großen Teilen veräußert, auslaufen lassen oder – wie im Fall Griechenland – abgeschrieben. Das Volumen ihrer Geschäfte ging in diesen Ländern um 45 Prozent von 58,8 auf 32,4 Milliarden Euro zurück.

Raus aus Bundesanleihen anstatt aus Krediten

Um ihre Bilanzsumme weiter zu reduzieren, müssen Banken daher zunehmend auch andere Möglichkeiten in Betracht ziehen. Müller-Tronnier glaubt etwa, dass Banken  in Zukunft auslaufende deutsche Staatsanleihen nicht verlängern werden: „Mit den niedrigen oder sogar negativen Realzinsen sind sie für die Banken nicht mehr attraktiv.“ Die Kreditvergabe an deutsche Unternehmen werde jedoch nicht unter der Zwangsschrumpfung leiden, meint der Berater: „Eine Kreditklemme droht nicht. Ganz im Gegenteil, die Banken wollen mehr Kredite vergeben.“ Hier könnten sie noch gutes Geld verdienen. Doch davon wird längst nicht jeder profitieren. Im Gegenteil: In diesem Umfeld müssen gerade schwächelnde Unternehmen mit höheren Zinsen rechnen.

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