azur13/iStock/Thinkstock/Getty Images

05.12.17
Finanzierungen

Banken vergeben wieder mehr Kredite

Nicht nur Bonds und Schuldscheine laufen gut: Banken haben 2017 mehr Darlehen an die deutsche Wirtschaft ausgegeben. Doch nicht alle Geldhäuser haben gleichermaßen zugelegt.

Die Banken haben in Deutschland in ihrem Kerngeschäft deutlich zugelegt: Im dritten Quartal wurden Unternehmenskredite über rund 918 Milliarden Euro ausgegeben. Im vergleichbaren Zeitraum 2016 waren es nur 890 Milliarden Euro. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Beratungshauses Capmarcon. Auch in den ersten zwei Quartalen gab es eine ähnliche Entwicklung. Insgesamt stieg das Kreditvolumen im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Vorjahres um fast vier Prozent. Wie hoch das Volumen in absoluten Zahlen ist, nennt Capmarcon nicht.

Zwar haben unter dem Strich alle Banken in den vergangenen Monaten mehr Kredite vergeben. Doch die Unterschiede bei der Ausweitung der Kreditaktivitäten sind enorm. Gerade Auslandsbanken haben ihre Engagements deutlich ausgeweitet. Sie haben im dritten Quartal Kredite über rund 144 Milliarden Euro an deutsche Unternehmen ausgegeben. Das ist ein Anstieg von fast 13 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres.

Gründe für dieses „mitunter geradezu exzessive Gebaren“ sieht Capmarcon zum einen in der hohen Überschussliquidität durch das Geld der Zentralbanken im Euroraum sowie eine in Teilen des Auslands großzügigeren Bankenregulierung.

Großbanken nehmen an stärkerer Kreditvergabe kaum teil

Auch Sparkassen und Kreditgenossenschaften haben laut Capmarcon mehr Kredite an die Realwirtschaft vergeben. Die beiden Bankgruppen setzten damit die kontinuierliche Kreditausweitung fort, die sich bereits seit einigen Jahren an den Zahlen ablesen lässt. Auch Regionalbanken haben verstärkt Kredite vergeben, allerdings schwächt sich laut der Analyse hier der Wachstumstrend ab.

Anders verhalten sich die deutschen Großbanken. Zwar liegt auch bei ihnen das an Unternehmen vergebene Kreditvolumen im dritten Quartal mit 117,5 Milliarden leicht über dem Vorjahreswert. Allerdings beträgt die Wachstumsrate lediglich 0,4 Prozent.

Deutliche Verschiebung der Relevanz der Bankengruppen

Damit haben 2017 zwar alle Banken ihre Kreditvergabe erhöht, der längerfristige Trend ändert sich dadurch allerdings nicht: Seit der Finanzkrise haben Großbanken ebenso wie Landesbanken und Realkreditinstitute, also Spezialbanken für Immobilienfinanzierungen, ihre Kreditengagements deutlich zurückgefahren. Regionalbanken, Sparkassen und Kreditgenossenschaften haben sie dagegen schrittweise deutlich ausgeweitet.

Mit Blick auf die vergangenen Jahre zeigt sich damit eine deutliche Verschiebung hinsichtlich der Relevanz der einzelnen Bankengruppen im Darlehensgeschäft. In den vergangenen sechs Jahren ist der Anteil der Sparkassen und Kreditgenossenschaften am Kreditgeschäft von 35 auf 45 Prozent gestiegen. Der Anteil der Landesbanken sank von 14,8 auf 11,6 Prozent. Bei den Großbanken fällt die Entwicklung etwas weniger deutlich von 10,1 auf 9,3 Prozent aus.

Laut Capmarcon ist es den Groß- und Landesbanken bisher nicht gelungen, sich auf die neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einzustellen. Es fehle eine neue kreditpolitische Ausrichtung, um damit umzugehen. Das Beratungshaus sieht dabei unter anderen die rascheren Konjunkturzyklen, aber auch die stärker vernetzten Volkswirtschaften und komplexere Kapitalstrukturen bei den Unternehmen als Herausforderungen. Sparkassen und Regionalbanken begegneten den Bedingungen dagegen durch eine Konzentration auf ihre Kernkompetenzen und eine in Teilen noch intensivere Risikokontrolle.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de