Wie steht es um den Werkzeugmaschinenhersteller Joh. Friedrich Behrens?

Joh. Friedrich Behrens AG

10.11.20
Finanzierungen

Behrens droht kurzfristige Insolvenz

Dem Werkzeugmaschinenhersteller Joh. Friedrich Behrens rennt die Zeit davon. Anders als noch vor Kurzem verkündet, stockt die Refinanzierung der morgen fälligen Mittelstandsanleihe. Welche Rolle spielt der Debt-Fonds Patrimonium?

Zitterpartie in Ahrensburg: Wie der Hersteller von Druckluftnaglern Joh. Friedrich Behrens bekanntgab, ist in den Finanzierungsverhandlungen mit potentiellen Fremdkapitalgebern bislang keine Einigung über „wesentliche Vertragsinhalte“ erzielt worden. Dabei drängt die Zeit: Am 11. November – also morgen – wird die Rückzahlung der Mittelstandsanleihe 2015/2020 mit einem Kupon von 7,75 Prozent fällig.

Joh. Behrens werde sich bemühen „im Wege weiterer Verhandlungen mit diesen oder anderen Finanzierern kurzfristig noch eine Möglichkeit zu finden,“ hieß es weiter. Mit Blick auf die kurze verbleibende Zeit erwägt Behrens allerdings auch, parallel einen kurzfristigen Insolvenzantrag einzureichen.

Dass sich die Lage bei dem Unternehmen noch einmal so dramatisch zuspitzt, kommt überraschend, sah sich der Befestigungstechniker Ende Oktober doch bei der Refinanzierung seiner Anleihe noch auf der Zielgeraden. 2019 hatte die börsennotierte Gesellschaft ihren Zeichnern bereits angeboten, die Anleihe in ein neueres Behrens-Papier umzutauschen. Letztlich muss das Unternehmen von der im Jahr 2015 begebene 25 Millionen Euro schwere Anleihe jetzt noch noch ein Restvolumen von 16 Millionen Euro refinanzieren.

Behrens erhält Staatshilfe

Der kriselnde Mittelständler wollte das Problem mit Hilfe einer komplexen Finanzierungsstruktur bestehend aus drei Bausteinen lösen. So hatte der Holztechnikkonzern zum einen Staatshilfen beantragt: Im Oktober stimmten sowohl das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) als auch das Bundesministerium für Finanzen (BMF) dem Antrag auf stille Beteiligung aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zu. Dadurch fließen dem Unternehmen 6 Millionen Euro zu. Weitere 2 Millionen Euro wollen die Förderinstitute des Landes Schleswig-Holstein bereitstellen.

Mit der Zusage des Staates erfüllte Behrens eigentlich die Voraussetzung für den zweiten Baustein seiner geplanten Finanzierungsstruktur: Der Private-Debt-Fonds Patrimonium hatte seine Zusage über eine Finanzierung in Höhe von 8 Millionen Euro an die staatliche Hilfe gekoppelt.

Warum haken die Verhandlungen bei Behrens?

Ende Oktober zeigte sich Behrens sicher, dass die Finanzierung über die Bühne geht: Seitens Patrimonium liegen die internen Gremienzustimmungen für eine Finanzierung vor, hieß es. Die finalen Vertragsunterzeichnungen würden in Kürze erwartet, so Behrens. Die Formulierung in der heutigen Mitteilung, wonach keine Einigung über „wesentliche Vertragsinhalte“ erzielt werden konnte, deutet darauf hin, dass die stockenden Verhandlungen mit dem Debt-Fonds zusammenhängen könnten. Auf FINANCE-Anfrage konnte Behrens mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen noch keine weiteren Informationen liefern. Auch Patrimonium wollte sich zum Fall nicht äußern.

Dritter Baustein war eine weitere Unternehmensanleihe: Ebenfalls im Oktober hatte Behrens eine vierte Anleihe mit Laufzeit bis 2025 begeben. Das Volumen betrug 15 Millionen Euro, verzinst wurde das Ganze mit 7,25 Prozent. Zudem konnten Zeichner der bisherigen Anleihe ihr Papier in die neue Anleihe tauschen.

Corona setzt Joh. Behrens zu

Die Coronavirus-Pandemie hatte dem Unternehmen zuletzt deutlich zugesetzt. Im ersten Halbjahr 2020 musste Behrens im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Umsatzrückgang von mehr als 11 Prozent auf 54 Millionen Euro hinnehmen. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel auf über 50 Prozent auf 800.000 Euro gegenüber den Vorjahreszahlen. Der Werkzeugmaschinenhersteller kassierte seinen Jahresausblick und machte keine neue Prognose.

Im Jahr 2019 konnte Behrens noch relativ stabile Umsatzerlöse in Höhe von knapp 119 Millionen Euro präsentieren. Auch das Ebit lag mit knapp 3,4 Millionen Euro leicht unter dem Vorjahresergebnis von knapp 3,5 Millionen Euro. Allerdings wies das Unternehmen im vergangenen Jahr bereits einen Jahresfehlbetrag von 1,4 Millionen Euro aus.

Unterdessen hat auch die Ratingagentur Euler Hermes auf die aktuelle Situation reagiert und ihr Rating für Behrens von „B-“auf „C“ mit negativem Ausblick herabgestuft.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de