Bekommen die Gläubiger der insolventen MT-Energie mehr zurück als erhofft? Insolvenzverwalter Gideon Böhm macht ihnen Hoffnung.

MT-Energie

02.04.15
Finanzierungen

Bis zu 30 Prozent Quote für Gläubiger von MT-Energie

Die Mittelstandsanleihe von MT-Energie notiert nur noch bei 10 Prozent, doch jetzt stellt Insolvenzverwalter Gideon Böhm den Gläubigern des insolventen Anlagebauers eine Rückzahlung von bis zu 30 Prozent in Aussicht. Der Weg dorthin dürfte allerdings lang und zäh werden.

 

Die Gläubiger des insolventen Biogasanalagenbauers MT-Energie schöpfen Hoffnung: Erstmals hat der Insolvenzverwalter Gideon Böhm eine konkrete Zahl für die zu erwartende Insolvenzquote genannt – und die liegt überraschend hoch. Aktuell schätzt er die zu erwartende Rückzahlung an die Gläubiger auf 15 Prozent, mit der Hoffnung auf mehr:„Aufgrund von Befriedigungseffekten auf Ebene der Tochtergesellschaften“ könnte sich die Quote noch auf 25 bis 30 Prozent erhöhen, wird Böhm in einer Mitteilung des Beratungshauses One Square Advisory zitiert, das die Interessen der Anleihegläubiger vertritt.

Die Inhaber der Mittelstandsanleihe sind die größte Gläubigergruppe von MT-Energie. Das Papier hat ein Volumen von 30 Millionen Euro und wurde im Frühjahr 2012 am Düsseldorfer Mittelstandsmarkt emittiert. Die Aussagen Böhms lassen sich auch am Kurs des abgestürzten Papiers ablesen, das heute Vormittag bereits von 8 auf 10 Prozent des Nennwerts angezogen hat.

Verwertung der Assets von MT-Energie dürfte zäh werden

Bei MT-Energie setzt sich damit ein Aufwärtstrend fort, der Anfang dieses Jahres begonnen hat. Der überraschend schnelle Verkauf der Servicesparte im Februar hat die Stimmung der Investoren ins Positive gedreht. Der PE-Investor Deutsche Private Equity (DPE) hatte die Servicesparte übernommen, um sie zur tragenden Säule einer Buy-and-Build-Strategie für das Geschäft mit der Instandhaltung von Biogasanlagen und Blockheizkraftwerken zu machen.

Auch für andere MT-Energie-Töchter laufen Verkaufsprozesse. Auf diesen M&A-Prozessen scheinen auch die Hoffnungen von Insolvenzverwalter Böhm zu ruhen, um den Gläubigern nach Abschluss des Insolvenzverfahrens womöglich bis zu 30 Prozent ihrer Forderungen zurückzahlen zu können.

Doch bis dahin könnte es noch lange dauern. Böhm erwartet den Abschluss des Insolvenzverfahrens „frühestens in drei bis vier Jahren“. Dass die Verwertung der Assets zäh zu werden droht, zeigt auch der Verkaufsprozess für die Tochter MT-Bioethan, den Böhm früheren Meldungen zufolge schon im Lauf des ersten Quartals abschließen wollte. Bislang konnte er aber noch keinen Abschluss vermelden.

MT-Energie musste im Oktober vergangenen Jahres Insolvenz anmelden. Es war die 21. Pleite am angeschlagenen Marktsegment für Mittelstandsanleihen. Bei ihren Rettungsbemühungen war die Unternehmensführung durchaus kreativ. So hatte CFO Sören Schleider mit den Gläubigern kurz zuvor zum ersten Mal überhaupt bei einer Mittelstandsanleihe eine Waiver Fee ausgehandelt.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Der lange Weg in die Pleite – wir zeichnen ihn nach auf unserer FINANCE-Themenseite zu MT-Energie.