Illustration: Sascha Duis

21.08.12
Finanzierungen

CFO Koecke ist jetzt gefordert

Solarworld steckt nach Covenant-Brüchen mitten in einer Abwärtsspirale. Während der Markt den Glauben an die Bonner schon verloren hat, hält die Deutsche Bank noch ihre schützenden Hände über den Konzern. Doch wie lange noch? CFO Philipp Koecke muss kämpfen, so viel steht fest.

Jetzt also auch Solarworld: Der deutsche Branchenprimus – und ganz besonders CFO Philipp Koecke – steht vor einer großen Bewährungsprobe. Mit Bekanntgabe der desolaten Halbjahreszahlen musste der Bonner Solarkonzern einräumen, die vereinbarten Covenants gebrochen zu haben. Mit seinen Schuldscheingläubigern (375 Millionen Euro) hat sich der Solarworld nach Medienberichten bereits geeinigt. Mit den Banken sollen gerade Verhandlungen über weitere 75 Millionen Euro laufen. Wie ein Insider berichtet, hält besonders die Deutsche Bank noch ihre schützende Hand über das Unternehmen. Das Institut hat in den letzten Jahren viele Kapitalmarkttransaktionen für Solarworld arrangiert. Stürzen die Bonner, droht auch der Deutschen Bank ein Reputationsschaden, glaubt ein Beobachter. Deswegen kümmere sich noch der Marktbereich – nicht das Work-out – um den Solarspezialisten.

Der Markt hat allerdings eine eindeutige und negative Meinung: Die Aktie von Solarworld ist inzwischen beinahe ein Penny-Stock. Ein US-Private-Placement notiert weit unter par – das habe das Unternehmen genutzt, Schuldverschreibungen günstig zurückzukaufen. Ein ganz großes Warnzeichen ist der Kurs der beiden Anleihen, die in den Jahren 2016 und 2017 auslaufen und zusammen ein Nominalvolumen von 550 Millionen Euro haben. Sie notieren derzeit beide bei weniger als 30 Prozent. Kurz: Die wenigsten Bondholder rechnen noch mit einer fristgerechten Rückzahlung. Auch die Banken sind vorsichtig geworden: Längerfristige Kredite, die die Restlaufzeiten der ausstehenden Anleihen übertreffen würden, vergibt kein Institut mehr. Zudem haben viele den Zugriff auf neue Sicherheiten vereinbart.

Mitten im Überlebenskampf

Die Zeichen sind alarmierend, Solarworld steckt mitten im Überlebenskampf. Selbst Branchenkenner die darauf setzten, dass die bekannte Marke den Konzern retten werde, sind zurückhaltend geworden. Der mörderische Preiskampf mit asiatischen Herstellern geht an die Substanz der Bonner. Da könnte auch der Cash-Bestand, der derzeit bei mehr als 300 Millionen Euro liegt, schneller aufgezehrt sein, als es CFO Koecke recht sein kann. Das Management um Sonnenkönig Frank Asbeck, muss jetzt schnell handeln und vor allem Kosten kürzen, sonst folgt Solarworld früher oder später dem fatalen Pfad von Q-Cells, Centrotherm und Sovello. Für Koecke liegt in der schwierigen Situation aber auch eine Chance: Besonders wenn einen die Banken nicht mehr umgarnen, zeigt sich die Qualität eines guten CFOs.

markus.dentz[at]finance-magazin.de