Die Bedingungen am Bondmarkt waren 2016 ideal. Richtig genutzt hat das im März zum Beispiel die Deutsche Telekom.

Deutsche Telekom

05.01.17
Finanzierungen

Die spektakulärsten Bondemissionen 2016

Für Anleiheemittenten lief es im vergangenen Jahr vor allem dank der EZB wie am Schnürchen. Einige Unternehmen haben das für besonders ambitionierte Emissionen genutzt.

Die Europäische Zentralbank ließ die Bombe am 10. März vergangenen Jahres platzen: Mit der Ausweitung ihres Kaufprogramms auch auf Unternehmensanleihen mit Investmentgrade-Bonität stellte die Zentralbank den Bondmarkt 2016 unter einen guten Stern – und machte auf diesem Wege einige spektakuläre Emissionen möglich. Das sind die FINANCE-Highlights des Bondjahres 2016:

Telekom profitiert vom EZB-Hype

Die Deutsche Telekom machte den Anfang. Nur wenige Tage nach der Ankündigung der Zentralbank platzierte der Konzern eine Benchmark-Anleihe über 4,5 Milliarden Euro. Besonders beeindruckend: Das Orderbuch der Transaktion erreichte 16 Milliarden Euro. „Die Emission der Deutschen Telekom kurz nach der Ankündigung von Mario Draghi wurde regelrecht überrannt“, kommentierte damals Bondexperte Anthony Bryson von BNP Paribas die Transaktion gegenüber FINANCE.

Die Konditionen des Bonds konnten während der Preisfindungsphase mehrfach nach unten angepasst werden. Eine Tranche mit einem Volumen von 1,25 Milliarden Euro und einer Laufzeit von vier Jahren wurde zum 3-Monats-Euribor plus 35 Basispunkte platziert. Die zweite Tranche über 1,75 Milliarden Euro und sieben Jahren Laufzeit wird mit 0,625 Prozent verzinst, die 1,5 Milliarden Euro schwere Tranche mit einer zwölfjährigen Laufzeit hat einen Kupon von 1,5 Prozent.

Henkel knackt die schwarze Null

Noch tiefer herunter ging es für den Konsumgüterkonzern Henkel, der im September 2016 mit der Emission einer Nullkuponanleihe für Aufsehen sorgte. Zwar begaben auch BASF, Continental und andere Unternehmen Bonds ohne Verzinsung. Doch zeitgleich mit dem französischen Pharmakonzern Sanofi schaffte es Henkel als erstes Unternehmen im Euro-Raum, eine Anleihe mit negativer Rendite zu emittieren. Bis dato war das nur Staaten oder Unternehmen in Staatshand, zum Beispiel der Deutschen Bahn, gelungen.

Henkel platzierte bei der Transaktion insgesamt 2,2 Milliarden Euro. Die Tranche mit negativer Rendite belief sich auf 500 Millionen Euro bei einer Laufzeit bis 2018. Die negative Rendite lag bei minus 0,5 Prozent. Vor dieser Transaktion erreichten Corporate Bonds lediglich im Sekundärmarkt Renditen unter der Nullmarke.

Otto nutzt den Anlagedruck der Investoren

Auch Unternehmen, die nicht in das Kaufraster der Zentralbank fallen, profitierten über den hohen Anlagedruck der Investoren vom allgemeinen Niedrigzinsumfeld: Negative Zinsen oder Guthabengebühren haben sich 2016 weiter ausgebreitet. Diesen Umstand hat 2016 der Versandhändler Otto geschickt für die eigenen Finanzierung genutzt. Das Unternehmen ist im Juli in den Markt für kurzlaufende Wertpapiere eingestiegen und hat einen Bond mit einer Laufzeit von lediglich drei Monaten platziert. 0,14 Prozent Zinsen bekamen die institutionellen Investoren dafür. Das Otto-Papier war damit attraktiver als  kurzfristige Bankeinlagen.

Solche kurzlaufenden Wertpapiere werden meist im Rahmen von Commercial-Paper-Programmen von Emittenten mit Ratings im Investmentgrade platziert. Mit der Otto Group mischt nun auch ein ungeratetes Unternehmen mit. Seit vergangenem Oktober hat Otto dafür ebenfalls ein eigenes CP-Programm.

Der Milliardenplan von Bayer

An großen M&A-Finanzierungen herrschte am Bondmarkt im vergangenen Jahr kein Mangel. Heidelberg Cement, Lanxess, Evonik und viele andere gingen deshalb an den Markt. Mit der 66 Milliarden Dollar schweren Übernahme des US-Konzerns Monsanto sorgte vor allem Bayer auf Aufsehen. Der Deal ist zwar noch nicht ganz in trockenen Tüchern, doch die Refinanzierung läuft schon.

Bayer platzierte im November eine Pflichtwandelanleihe über 4 Milliarden Euro. Der Kupon liegt bei 5,625 Prozent und damit am oberen Ende der angestrebten Preisspanne. Bayer wird in der nächsten Zeit wohl ein häufiger Gast am Bondmarkt sein. Rund 28 Milliarden Dollar wird der Konzern über diesen Weg einsammeln, wenn der Monsanto-Deal genehmigt wird, erwarten Banker. Auch Hybridanleihen hat CFO Johannes Dietsch in seinen Finanzierungsmix eingeplant.

EnBW eröffnet deutsches Hybridjahr

Von den nachrangingen Hybrid-Bonds, die von den Ratingagenturen zum Teil als Eigenkapital angesehen werden, war im vergangenen Jahr allerdings wenig zu sehen. Aus Deutschland gingen nur zwei Unternehmen an den Markt. Der Spezialchemiekonzern Lanxess zapfte den Markt im November an, der Energiekonzern EnBW hatte sich bereits im September gleich an zwei Märkte gewagt: Das Unternehmen platzierte sowohl in Euro als auch in Dollar.

725 Millionen Euro nahm EnBW mit der Euro-Tranche auf, die bis zum ersten Kündigungstermin 2022 mit 3,375 Prozent verzinst wird. Der andere Bond hat ein Volumen von 300 Millionen Dollar, der Kupon liegt bei 5,125 Prozent. Für EnBW war der Dollar-Hybrid eine Premiere. Das Papier wurde ausschließlich Investoren außerhalb der USA angeboten. EnBW konnte auf diesem Wege viele asiatische Investoren gewinnen und die eigenen Investorenbasis verbreitern.

Knorr-Bremse feiert Bond-Comeback nach 14 Jahren

Während der sonst als Frequent Borrower bekannte Autokonzern VW sich 2016 in den Wirren des Diesel-Skandals noch vom Euro-Bondmarkt fernhielt, kehrte ein Unternehmen nach langer Abwesenheit an ihn zurück: 14 Jahre ist es her, dass Knorr-Bremse zum letzten Mal eine Anleihe begeben hat.

Im Dezember 2016 folgte das Comeback: 500 Millionen Euro sammelte das Münchener Familienunternehmen mit dem fünfjährigen Bond ein. Der Kupon liegt bei 0,5 Prozent. Mit den neuen Mitteln will sich das Unternehmen Spielraum zur Wahrnehmung externer Wachstumschancen schaffen. Für die Übernahme der schwedischen Haldex, für die Knorr-Bremse nach einem dramatischen Bieterkampf mit ZF Friedrichshafen den Zuschlag bekam, soll das Geld nicht explizit geplant gewesen sein. Laut Knorr geht es eher um die Refinanzierung künftiger Zukäufe. Doch vorher müssen die Bayern noch den Haldex-Deal erfolgreich über die Bühne bringen. Kartellrechtliche Fragen drohen, den Deal noch eine Weile zu verzögern.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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