Die Commerzbank weitet ihr Kreditbuch aus und stellt innovativen Mittelständlern mit Hilfe der EIB zusätzliche 400 Millionen Euro zur Verfügung.

Commerzbank AG

20.02.20
Finanzierungen

EIB hilft Commerzbank bei Kreditvergabe

Durch eine Portfolioabsicherung ermöglicht die EIB der Commerzbank eine Ausweitung ihres Kreditbuchs um 400 Millionen Euro. Das Geld soll an innovative Mittelständler fließen.

Die Commerzbank bekommt Schützenhilfe bei der Finanzierung des Mittelstands: Die Europäische Investitionsbank (EIB) und der Europäische Investitionsfonds (EIF) besichern die 100 Millionen Euro schwere Mezzanine-Tranche eines 1,5 Milliarden Euro schweren Portfolios aus Mittelstandskrediten. Dieser Deal setzt bei der Commerzbank aufsichtsrechtliches Kapital in einer Höhe frei, die es der Bank ermöglicht, weitere Mittelstandskredite über 400 Millionen Euro zu vergeben.

Diese 400 Millionen Euro sollen Projekte mit einem maximalen Finanzierungsvolumen von 25 Millionen Euro abdecken, von denen die Commerzbank höchstens die Hälfte selbst finanzieren würde. Sowohl die neu vergebenen als auch die bereits bestehenden Kredite werden nach Angaben der Bank auf den Büchern der Commerzbank verbleiben.

Commerzbank nutzt den „Juncker-Plan“

Konkret stellt sich das Absicherungskonstrukt so dar: Die EIB wird „im Rahmen einer synthetischen Verbriefung mit der Commerzbank das Mezzanine-Risiko übernehmen“. Der EIF hingegen stellt der Commerzbank eine Garantie für bestehende KMU- und Midcap-Kredite aus, die die EIB wiederum über eine Rückgarantie abdeckt.

Die dadurch mobilisierten neuen Millionen darf die Commerzbank allerdings nicht völlig frei vergeben: Adressaten der zusätzlichen Millionen müssen „innovative mittelständische Unternehmen in Deutschland“ sein. Dabei handelt es sich nach den Kriterien der EIB um Unternehmen mit weniger als 300 Mitarbeitern prinzipiell aller Branchen, die Produkt- oder Prozessinnovationen auf den Markt bringen. Ausgenommen sind lediglich einige spezielle Subbranchen wie zum Beispiel Glücksspiel und Rüstung, wie ein Commerzbank-Sprecher auf FINANCE-Anfrage mitteilte.

Die Unterstützung durch die europäischen Förderbanken steht im Zeichen des sogenannten „Juncker-Plans“, dessen Ziel es ist, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu stärken. Der Plan, der ursprünglich Investitionsprogramme in Höhe von 315 Milliarden Euro mobilisieren sollte und von Januar 2015 bis Dezember 2017 lief, wurde im Juli 2018 auf 500 Milliarden Euro aufgestockt und läuft noch bis Ende dieses Jahres.

Weniger Innovation im deutschen Mittelstand?

Die frischen Innovationsmillionen kann der Mittelstand gut gebrauchen: Erst gestern veröffentlichte die deutsche Förderbank KfW ihren Innovationsbericht Mittelstand 2019, in dem die Bank mit nur 19 Prozent die niedrigste Innovatorenquote seit Beginn ihrer Aufzeichnung vor rund 15 Jahren feststellte. Diese misst den Anteil der Mittelständler, die als innovativ gelten.

Allerdings ist nicht alles schlecht in deutschen Mittelstand: Während der Anteil innovativer Mittelständler auf ein Rekordtief sank, nahmen die aggregierten Innovationsausgaben auf 34,4 Milliarden Euro zu. Das ist der höchste Wert seit dem Jahr 2015, als 36,7 Milliarden Euro investiert wurden.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de