Hochhinaus mit Hochzinsanleihen: Der Boom könnte allerdings bald vorbei sein.

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13.06.13
Finanzierungen

Ende des Booms bei Hochzinsanleihen in Sicht

CFOs freuen die niedrigen Yields für Hochzinsanleihen. Sie können die Schulden ihrer Unternehmen günstig umstrukturieren. Doch steigende Ausfallwahrscheinlichkeiten deuten ein Ende der Rallye am Bondmarkt an.

Für Finanzchefs bietet das Jahr 2013 weiter eine gute Gelegenheit, die Schulden ihrer Unternehmen umzustrukturieren – besonders wenn das Rating im Subinvestmentgrade ist. Bis Ende April haben europäische Unternehmen laut Daten von S&P Capital IQ fast doppelt so viele Hochzinsanleihen begeben wie im gleichen Zeitraum 2012. Für das gesamte Jahr 2013 erwartet Marcel Heinrichs, Global Head of Analytical Development Group, von S&P Capital IQ, ein Volumen von mehr als 50 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2012 erreichten europäische Hochzinsanleihen ein Volumen von etwa 35 Milliarden Euro. „Für CFOs herrscht momentan eine wahre Glanzzeit, was ihre Refinanzierungsmöglichkeiten betrifft“, sagt Heinrichs.

Der Risikoappetit der Investoren gibt Unternehmen momentan die Möglichkeit ihre Schulden umzuschichten. Was Finanzer dabei besonders freut: Die Yields sind mittlerweile auf rekordverdächtigen Niedrigständen. Für einen BB gerateten Bond mit fünf- bis siebenjähriger Laufzeit zahlen Unternehmen europaweit laut S&P Capital IQ im Durchschnitt 3,5 Prozent. Bei der Ratingnote B sind es lediglich 6 Prozent. Einzelne Ausreißer nach unten zahlen sogar noch weniger. So brach etwa der deutsche Gesundheitskonzern Fresenius Anfang Januar alle Rekorde: CFO Stephan Sturm gelant es, eine 500 MIllionen Euro schwere Hochzinsanleihe mit einer Laufzeit von sieben Jahren und einem Kupon von nur 2,875 Prozent zu platzieren.

Angesichts solch niedriger Zinszahlungen ist es fraglich, ob das Risiko richtig eingepreist ist. Laut S&P Capital IQ liegt die langfristige empirische Ausfallrate bei einem BB Rating und einjähriger Laufzeit zwar bei unter 1 Prozent, bei sieben Jahren seien es aber schon 10 Prozent und bei der Ratingnote B sogar 30 Prozent. „Diese langfristige empirische Kreditausfallrate ändert sich nicht“, mahnt Heinrichs, „doch die Yields haben sich in den vergangenen eineinhalb Jahren fast halbiert.“ Umgekehrt hat sich die Ausfallwahrscheinlichkeit auf Sicht eines Jahres im gleichen Zeitraum beinahe verdoppelt.

Markt unterschätzt das Risiko von Hochzinsanleihen

Dessen ungeachtet werden das Volumen und die Zahl der emittierten Hochzinsanleihen in Europa weiter ansteigen, zumindest noch in diesem Jahr. In Deutschland wird 19,2 Prozent des europäischen Hochzinsvolumens emittiert, dicht gefolgt von England und Frankreich mit 18 und 17,6 Prozent. Zum Vergleich: In den Krisenstaaten Italien und Spanien liegt der Anteil bei 7,6 beziehungsweise 3,3 Prozent. Doch auch für diese Länder sei laut Heinrichs eine weitere Erhöhung des prozentualen Anteils an den Emissionen zu erwarten. In Italien zwingt die weiter anhaltende Instabilität des Bankensektors Unternehmen zu Emissionen, während in Spanien beim Baugewerbe die Flaute überwunden sein scheint und dort noch mit Emissionen zu rechnen ist, sagt Heinrichs.

Investoren scheinen sich des Risikos wenig bewusst zu sein. Das beflügelt auch risikoreiche Finanzierungsinstrumente wie PIK (Payment in Kind) Notes. „Für mich ist das ein Zeichen, dass der Markt das Risiko unterschätzt“, so Heinrichs.  Doch es mehren sich erste Anzeichen in den USA, dass der Anleihe-Boom bald zu Ende gehen könnte. Wenn sich die Wirtschaftsdaten in Europa auch wieder erholen würden, könnten auch die Yields wieder anziehen.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de