E.on ist eines der Unternehmen, dem das Kunststück am Bondmarkt gelungen ist. Der Konzern hat eine Anleihe mit negativer Rendite platziert.

E.ON

25.09.19
Finanzierungen

Extremkonditionen bei Corporate Bonds

So tief unter die Nulllinie sind Unternehmen bei den Renditen ihrer Corporate Bonds noch nie gekommen. Ein extremes Phänomen an einem Markt, der ohnehin wie am Schnürchen läuft.

Der Energiekonzern E.on eröffnete im August den Bondmarkt wieder nach der Sommerpause und setzte auch gleich den Ton für die kommenden Transaktionen. Das Stichwort lautet: negative Renditen. Ganz neu ist das Phänomen nicht, auch in den vergangenen Jahren haben es schon einige Unternehmen geschafft, für das Geldleihen bezahlt zu werden. Doch die negativen Renditen sind noch nie so niedrig ausgefallen wie jetzt.

E.on erzielte bei seinem Green Bond mit fünfjähriger Laufzeit eine Rendite von minus 0,149 Prozent. Kurz darauf folgte dann der Industriekonzern Siemens, der einen dreijährigen Bond mit einer Rendite von minus 0,315 Prozent und eine fünfjährige Anleihe mit minus 0,207 Prozent platzierte. Siemens selbst betonte, eine so niedrige Rendite wie bei dem dreijährigen Bond habe es bei einer Unternehmensanleihe bisher noch nicht gegeben.

„Im August haben wir in dieser Hinsicht den bisherigen Tiefststand erlebt“, kommentiert Paula Weisshuber, Leiterin des DCM-Geschäfts in Deutschland der Bank of America, den Trend zu den negativen Renditen. „Inzwischen sind die Zinsen zwar wieder leicht gestiegen, doch das Finanzierungsumfeld dürfte weiter attraktiv bleiben.“ Der ein oder andere Bond mit Nullkupon oder sogar negativen Renditen dürfte also noch kommen. „Künftig könnten auch weitere Unternehmen bei Emissionen mit Laufzeiten von bis zu fünf Jahren durchaus negative Renditen erreichen“, glaubt die Expertin.

30 Prozent mehr Investmentgrade-Bonds als im Vorjahr

Diese Transaktionen sind nur das i-Tüpfelchen, der gesamte Bondmarkt lief in den vergangenen Monaten wie am Schnürchen. Die Emissionsaktivität war sehr hoch. Im Euro-Credit-Investmentgrade (Corporates und Financials) wurden bis 20. September Papiere über rund 460 Milliarden Euro begeben. Das ist ein Anstieg um fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als in der gleichen Zeit etwa 360 Milliarden Euro platziert wurden. Schaut man allein auf die Aktivitäten der Corporate-Emittenten, dann ist der Anstieg noch deutlicher und liegt bei über 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dass der Anstieg so stark ist, dazu hat auch der überaus aktive September beigetragen. Bereits bis zum 20. September wurden Investmentgrade-Bonds über 70 Milliarden Euro begeben. Im gesamten September des vergangenen Jahres waren es nur 54,5 Milliarden Euro.

„Das Niedrigzinsumfeld ist nach wie vor ein wichtiger Treiber für die hohe Emissionsaktivität“, kommentiert Weisshuber. Der Anlagedruck bei den Investoren sei hoch. Für den Anstieg der Emissionen in den vergangenen vier Wochen dürfte auch die EZB gesorgt haben: Viele Unternehmen wollten noch vor der Entscheidung der Zentralbank an den Markt gehen.

EZB nimmt Anleihekaufprogramm wieder auf

Dass es ein gutes Jahr am Bondmarkt werden würde, hatte sich schon in den ersten Wochen des Jahres abgezeichnet, in denen viele Emittenten den Markt anzapften. Der starke Auftakt hatte damals überrascht, da die Europäische Zentralbank als wichtiger Käufer fehlte und nur noch reinvestierte, statt frisches Geld in den Markt zu pumpen. Dem guten Finanzierungsumfeld am Bondmarkt hat ihr Rückzug augenscheinlich keinen Abbruch getan.

Nun kehrt die EZB zurück an den Markt, wenn auch in deutlich kleinerem Umfang. Ab November will die Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm wieder aufnehmen und 20 Milliarden Euro monatlich in den Markt pumpen. „Schätzungsweise 3 bis 4 Milliarden Euro davon könnten in den Corporate-Bond-Markt fließen“, meint Paula Weisshuber. So sei prozentual gesehen jedenfalls die Verteilung in der Vergangenheit im Schnitt gewesen.

Die Auswirkungen des EZB-Wiedereinstiegs in den Corporate-Bond-Markt dürften für Emittenten durchaus positiv sein. „Ein zusätzlicher Käufer stützt den Markt“, argumentiert Weisshuber. Die Bank of America rechnet insgesamt mit einer Verengung der Spreads. „Insgesamt dürfte die Unterstützung der EZB auch dazu führen, dass es weniger Differenzierung zwischen den Konditionen bei Emittenten unterschiedlicher Kreditqualitäten geben wird“, so die Expertin. Ein deutlicher Zinsanstieg scheint ebenfalls noch in weiter Ferne.

Hybridanleihen stärker nachgefragt

Dass für Investoren bei klassischen Bonds derzeit kaum Rendite zu holen ist, sorgt für eine rege Nachfrage nach einer anderen Anleiheklasse: den Hybridanleihen. Hier liegt der Kupon deutlich über dem einer Senior-Anleihe. Viele Unternehmen nutzen das Interesse: Bislang wurden 2019 Euro-Hybridanleihen über 16,2 Milliarden Euro emittiert. 2018 waren es im selben Zeitraum rund 15 Milliarden Euro. Erst kürzlich platzierte TLG Immobilien ein solches nachrangiges Papier.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de